Der Boden ist hart und staubig», sagte Gérard Fischer (siehe Interview S. 27) vor wenigen Tagen am Swiss Fund und Asset Management Forum in Bern. Der abtretende Präsident des Branchenverbandes Swiss Fund Association (SFA) sprach damit die schmerzhaften Mittelabflüsse bei den Anlagevehikeln an.

Im Verlauf des letzten Jahres musste ein Rückgang von über 30% hingenommen werden. Die aktuellsten Zahlen zeigen ein weiteres Absinken der Fondsvermögen von über 10%. Die Anleger hätten derzeit generell Mühe mit den Märkten und würden daher ihre Mittel parkieren, sagte Christoph Ledergerber von Vontobel Asset Management an derselben Tagung.

Doch sind die Nettomittelabflüsse bei Fonds dennoch beachtlich. Sieht man von den Geldmarktfonds ab, wurden laut den aktuellsten Marktdaten in den ersten Monaten dieses Jahres bereits Rückgänge von 2,7 Mrd Fr. registriert. Die stärksten Abflüsse verzeichnen Anlagestrategiefonds. Um über 2 Mrd Fr. sind sie in diesem Jahr bereits geschrumpft.

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Hingegen konnten die Indexprodukte massiven Zuwachs verzeichnen. Über 5,6 Mrd Fr. Neugelder flossen 2009 in Exchange Traded Funds (ETF). Der Zufluss hat sich jedoch zuletzt verlangsamt. Strömten im Januar noch über 3,2 Mrd Fr. in Schweizer ETF, sanken die Neugelder im Februar auf nur noch rund 2,4 Mrd Fr. ab.

Zunehmender Kostendruck

Unter den markanten Abflüssen leiden die Einkünfte der Fondsanbieter. Die Margen der beliebten ETF-Produkte sind geringer, der Kostendruck nimmt in der Folge zu.

«Wir erwarten, dass grosse Fondsanbieter verstärkt Produkte fusionieren werden», so Michael Partin von Ifund Services. 42 Fonds wurden in diesem Jahr bereits geschlossen. Die meisten Abgänge betreffen alternative Anlagen und Obligationenfonds. Zu viele ähnliche Produkte wurden lanciert, mit der Folge, dass jetzt viele Fonds mit immer kleineren Volumen operieren müssen.

Sinken die Volumen zu stark, würden grössere Anbieter relativ schnell handeln, kleinere Anbieter scheinen sich mit den entsprechenden Massnahmen etwas mehr Zeit zu lassen, bevor sie Fonds fusionieren, sagt Partin.

Einstige Trendfonds leiden

Im Markt wird erwartet, dass die Konsolidierung in den kommenden Monaten sogar noch stärker sein könnte als in den Jahren 2000 bis 2003. Die Bereinigung könnte vor allem Produkte betreffen, die zuletzt besonders stark gelitten haben, wie etwa Schwellenländer-Fonds oder Produkte mit Anlagefokus Osteuropa.

Es zeichnet sich zudem ab, dass sich eine klare Unterteilung zwischen aktiv und passiv gemanagten Fonds durchsetzen wird. Mischprodukte könnten es in Zukunft schwerer haben. Absolute Return Fonds wird keine grosse Zukunft vorausgesagt. Den Kunden wurden Renditeversprechen abgegeben, welche durch die extremen Marktverwerfungen nicht eingehalten werden konnten.

Fusionen stehen an

Der Kauf des Fondsgeschäfts der Credit Suisse durch Aberdeen Asset Management könnte zudem erst der Anfang einer grösseren Übernahmewelle sein. Welche Anbieter sich zusammenschliessen werden, ist offen. «Es wird noch einige Überraschungen geben», sagt Michael Partin von Ifund Services. Der geplante Verkauf von iShares, der ETF-Sparte Barclays, zeigt, dass selbst lukrative Geschäftsbereiche abgestossen werden können.

Gestärkt aus der Krise

Wer die Krise jedoch übersteht, darf sich auf eine aussichtsreiche Zukunft freuen. Anleger würden sich nach ausgestandener Dürrephase wieder für einfache und transparente Produkte interessieren, sagte der neue SFA-Präsident Martin Thommen am Asset Management Forum. Ein Kahlschlag in der Branche mache deshalb wenig Sinn, denn wenn der Aufschwung kommt, müssen die Anbieter reagieren können.

 

 


Weitere Liberalisierung oder strengere Regulierung? In der Fondsbranche bahnen sich Veränderungen an

Die relativ strikte Regulierung wird in der Fondsbranche mittlerweile als grosser Vorteil erachtet. So hätten Auswüchse wie in anderen Anlageklassen verhindert werden können, lautet der Tenor am Swiss Fund und Asset Management Forum. Eine Überregulierung gelte es aber zu vermeiden.

Die vor Kurzem vollzogene Abschaffung des Swiss Finish wird daher in der Branche begrüsst. Weitere Vereinfachungen des Genehmigungsverfahrens sollten die Lancierungskosten neuer Produkte senken und so Anreize schaffen, neue Anlageprodukte auf den Markt zu bringen, so Franz Stirnimann von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) am Forum.

Die EU strebt mit UCITS IV (Undertakings for Collective Investment in Transferable Securities) zusätzliche Erleichterungen an. Der europäische Markt soll weiter zusammenwachsen und Fonds flexibler werden. Zudem wird die Fusion von Anlageprodukten vereinfacht. Zwar tritt UCITS IV vermutlich erst 2011 in Kraft, dennoch könnte der sich anbahnende Strukturwandel in der Branche durch die neue Norm unterstützt werden.

Ob die Anleger dank dem neuen Gesetz von tieferen Gebühren profitieren können, ist noch ungewiss. Für Endkunden sind die Kosten von börsengehandelten Indexfonds (ETF) bereits relativ gering. Experten erwarten, dass bei Long-Only-Produkten die Gebühren kaum in Bewegung kommen. Hingegen könnten die relativ hohen Gebühren bei Hedge- Fonds unter Druck geraten.

Die Beschlüsse des G20-Gipfels werden zudem zu mehr Regulierungsbedarf bei den alternativen Anlagen führen. Ein erster Schritt könnte eine Registrierungspflicht für Hedge-Fonds sein. «In der gegenwärtigen Situation handeln Regierungen sehr rasch, weitere Schritte innerhalb der nächsten Monate sind durchaus möglich», so Michael Partin von Ifund Services.(jb)