Chevron setzt neue Technologien ein in der Hoffnung, das älteste und produktivste Bohrfeld der Welt zu erhalten. Ein Verfahren, das schon anderswo angewandt wurde, damit die Energieindustrie mehr aus den alternden Ölreservoirs herausholen kann.

In der 110-jährigen Fördergeschichte hat das Kern-River-Ölfeld, 160 km nordwestlich von Los Angeles, mehr als 2 Mrd Barrel Öl hervorgebracht. Und Chevron schätzt, dass dort weitere 1,5 Mrd Barrel zu holen sind.

Chevron nutzt das Gebiet als eine Art praxisnahes Labor. Hier werden verbesserte Gewinnungstechniken erprobt, die vor Ort von Ingenieuren aus aller Welt erlernt werden können. «Das Gute an so einem alten Bohrfeld ist, dass man hier alles probieren kann», sagt Chevron-Ingenieur Joe Fram.

Um so viele Fässer wie möglich aus dem Boden zu bringen, und das günstig genug, um Profit zu machen, setzt Chevron für die Betriebsüberwachung Hightech-Temperatursensoren ein. Mithilfe dreidimensionaler Computermodelle werden die Förderprozesse an den Quellen geplant. Das Abwasser aus dem Feld wird gefiltert, um es dann wieder einzusetzen. Chevrons neue Konzentration auf Kern River zeigt sowohl die Möglichkeiten als auch die Herausforderungen für die Ölindustrie. Denn die gewaltigen Entdeckungen des letzten Jahrhunderts - von Alaskas Prudhoe Bay bis zu Mexikos Cantarell - trocknen langsam aus. So musste zum Beispiel Prudhoe Bay Produktionsrückgänge hinnehmen, obwohl sich noch mehr als die Hälfte der nachgewiesenen 25 Mrd Barrel an Öl im Boden befinden.

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Teure Produktion

Um das Öl aus dem Kern River zu kriegen, pumpt Chevron Dampf in den Boden. Das erwärmt das Gestein und macht die klebrige Flüssigkeit dünner, sodass sie einfacher an die Oberfläche fliesst. Dieses Verfahren ist viel teurer als konventionelle Ölproduktionen - mit enger Gewinnspanne, die komplett verschwinden kann, sobald die Ölpreise fallen oder die Kosten steigen.

Das Unternehmen hat 660 mit Temperatursensoren ausgestattete Kontrollbohrungen in das Ölreservoir gebracht. Um Dampf dorthin zu bekommen, wo er am meisten gebraucht wird, hat das Unternehmen eigens eine Anlage dazu entwickelt. Durch diese Technik braucht es pro Barrel Öl nur halb so viel Dampf. Eine jährliche Einsparung von 300 Mio Dollar, so das Unternehmen. Auch die Wettbewerber Exxon Mobil und Royal Dutch Shell zeigen Interesse an solchen Vorhaben. Und Occidental Petroleum hat die Laufzeiten der Felder in Oman, Kolumbien und West Texas verlängert. Dort werden Kohlendioxid, Dampf und andere Substanzen in die Ölreservoirs geblasen.

Occidental-Präsident Steve Chazen sagte, dadurch, dass immer weniger neue Ölquellen gefunden werden, sei die Gebietserhaltung der einzige Weg der Branche, der Ölnachfrage entsprechen zu können.

Chevron konnte den Produktionsrückgang am Kern River nicht umkehren, aber verlangsamen. Die Produktion fällt aktuell 2% im Jahr. Von 1998 bis 2005 lag sie durchschnittlich bei 7%. Und das bedeutet Millionen an Extra-Barrels in diesem Jahr.

Das Unternehmen hegt die Hoffnung, 80% des Gesamtvorkommens aus dem Bohrfeld pumpen zu können. Auf vielen Feldern weltweit sind es üblicherweise 30%. Nach Regierungsangaben waren Ende 2007 im Kern River etwa 628 Mio Fässer an profitabel abzupumpendem Öl zu finden - seit 2004 bedeutet dies einen Anstieg von 16%.

Eine Erfolgsgeschichte

Die Ergiebigkeit der Ölförderung am Kern-River-Feld ist sowieso schon bemerkenswert. 1899 fand ein Prospektoren-Team dort Öl. Binnen vier Jahren siedelten sich 400 Unternehmen an, die insgesamt 45000 Barrel pro Tag aus dem Feld holten. Zur damaligen Zeit war Kern River damit das produktivste Feld in den Vereinigten Staaten.

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Eines der wesentlichen Kostenrisiken der Ölindustrie ist bisher das Fehlschlagrisiko bei der Suche nach neuen Vorkommen. «Wenn man zusätzliche Ölvorkommen mit neuer Technologie da erschliesst, wo man schon produziert, verschwindet ein Grossteil des Explorationsrisikos», sagt John McDonald, Chevrons Technikchef.