Swissquote steigt 2008 neu ins Fondsgeschäft ein. Wie gehen Sie vor?

Marc Bürki: Wir haben die Zulassung der Eidgenössischen Bankenkommission Ende November erhalten und sind nun ganz offiziell Depotbank von Schweizer Fonds. Den ersten Schweizer Anlagefonds haben wir bereits Ende 2007 integriert.

Was für Chancen birgt das Fondsgeschäft?

Bürki: Das wird klar ein Wachstumsbusiness im Jahr 2008 werden. Denn es ist ein Bereich, der von Lowcost-Banken noch wenig berücksichtig wurde. Wir haben das Fernziel, das Fondsgeschäft zum wichtigen Standbein auszubauen.

Wie ist das Echo auf Ihr neues Angebot?

Bürki: Der erste Fonds ist immer der schwierigste – jetzt haben wir aber wöchentlich Anfragen von Marktteilnehmern, die einen Fonds via Swissquote lancieren möchten. Das stimmt uns sehr zuversichtlich. Allerdings ändert sich damit auch unser Profil ein bisschen.

Das Profil gleicht immer mehr dem einer traditionellen Bank. Bieten Sie am Ende auch Hypotheken an, wie es die amerikanische Online-Bank E-Trade tut?

Bürki: Das wäre sicher keine gute Idee – E-Trade ist damit bekanntlich in grosse Schwierigkeiten geraten. Sehr interessiert sind wir aber am Sparkontengeschäft. Dazu kann ich aber noch nicht mehr sagen.

Auch an der Betreuung von vermögenden Kunden ist Swissquote interessiert – bauen Sie ein Private Banking auf?

Bürki: Wir bieten vermögenden Kunden die Möglichkeit, einen Teil ihres Vermögens bei uns online selbstständig zu verwalten. Für dieses «Online Wealth Management» stellen wir zahlreiche Tools bereit. Wir sind aber keine Privatbank und wollen auch keine werden.

Online-Beratung in der Vermögensverwaltung, wie sie Ihre Konkurrentin Synthesis anbieten will, ist für Swissquote tabu?

Bürki: Absolut. Die Schweizer Privatbanken mit ihrem teilweise jahrhundertealten Know-how zu konkurrenzieren, ist sehr schwierig. Dagegen haben wir eine spezielle Plattform für professionelle Vermögensverwalter entwickelt – deren Kunden können ihre Vermögen so zu günstigen Online-Konditionen verwalten lassen. Das funktioniert sehr gut.

Wie gut?

Bürki: Wir haben bereits 250 Vermögensverwalter mit über 15 000 Kunden gewonnen. Das Wachstum ist doppelt so stark wie im Retail-Bereich, hat also 2007 rund 80% betragen.

Planen Sie weiteres geografisches Wachstum?

Bürki: Wir haben eine neue Filiale inklusive Shop an der Schützengasse 22 mitten in der Stadt Zürich bezogen. Dort arbeiten rund 70 Mitarbeiter in den Bereichen Verkauf und Beratung. Wenn das Konzept Erfolg hat, werden wir dieses in weiteren Schweizer Städten anwenden. Das ist aber frühestens 2009 der Fall.

Und wie steht es mit einer Expansion durch Übernahmen?

Bürki: Auf dem Schweizer und internationalen Markt ist es schwierig, etwas zu finden. Uns schwebt eine Firma mit Leader-Position vor, die profitabel arbeitet und ohne Schwierigkeiten in Swissquote überführt werden könnte. Danach halten wir die Augen offen.

Was haben Sie sich schon angeschaut?

Bürki: Wir haben die niederländische Alex genauer angesehen. Dort fehlte jedoch die Banklizenz. In Europa wird aber eine Konsolidierung der Branche stattfinden, und wir werden je nach Gelegenheit mittun.

Und auf eigene Faust ins Ausland expandieren?

Bürki: In den meisten europäischen Märkten haben sich klare Marktführer herauskristallisiert. Gegen diese anzutreten, verschlingt zu viel Marketingmittel.

Gibt es denn in der Schweiz Akquisitionsobjekte – etwa Tradejet?

Bürki: Nein, dort ist die Kundenbasis zu klein. Andere Objekte gibt es nicht.

Jemand könnte aber auch Swissquote übernehmen wollen. Wie viele Anfragen haben Sie derzeit?

Bürki: Wir haben keine Offerte im Haus. Aber natürlich diskutieren wir mit allen europäischen Mitspielern in diesem Geschäft. 2008 steht für uns ohnehin das organische Wachstum im Vordergrund.

Und wie hat sich das organische Wachstum im 4. Quartal 2007 entwickelt?

Bürki: Für das letzte Jahresviertel hatten wir uns ein Ziel von 6000 Neukunden gesteckt. Das werden wir sicherlich übertreffen, den die Tendenz aus dem 3. Quartal, wo wir 7700 Neukunden hinzugewinnen konnten, setzt sich fort.

Müssen Sie die Wachstumsziele 2008 schon wieder erhöhen, wie zuletzt im 3. Quartal 2007?

Bürki: Wir werden unsere Prognosen gemäss der Tendenz des gesamten Jahr 2007 anpassen. Wir hatten 25000 Neukunden im vergangenen Jahr, und in diesem Jahr dürfte es so weitergehen.

Die Steigerung der Kundenzahl um 25% für 2008 ist also realistisch?

Bürki: Ja, absolut. Natürlich werden solche Wachstumsschritte zunehmend schwieriger, weil die Basis ja immer breiter wird.Dann ist längerfristig mit abnehmendem Wachstum zu rechnen?Bürki: Wir wollen unser Ziel, 200 000 Kunden Ende 2010, möglichst schnell erreichen. Dann sehen wir weiter.

Ihre Konkurrenten haben sich ebenfalls hohe Wachstumsziele gesteckt – spüren Sie den Druck auf den Margen?

Bürki: Swissquote arbeitet mit einer Ebit- Marge von über 50% sehr profitabel. Dieses Niveau werden wir auch 2008 beibehalten – obwohl wir tatsächlich den Preisdruck spüren. Diesen können wir aber mit dem schnellen Kundenwachstum kompensieren.

Die Gebühren im Online-Banking werden also noch weiter sinken?

Bürki: Die Gebühren sinken laufend. Wir konzentrieren uns bei den Preisreduktionen auf die Bereiche strukturierte Produkte und ETF. Noch wichtiger als der Preis ist für Schweizer Anleger aber die Vielschichtigkeit des Angebots. Das hat Swissquote erkannt, und dies ist das Erfolgsrezept unseres Wachstums.

Wichtig ist auch die Stabilität der Dienstleistungen. Gerade dort ist es in der letzten Zeit aber zu Pannen gekommen. Ist dies die Kehrseite des Wachstums?

Bürki: Die Kunden haben sich an eine zu 100% verfügbare Dienstleistung gewöhnt. Die ist aber technisch schwierig umzusetzen, gerade weil Swissquote von verschiedenen Systemen abhängt. Vor einigen Wochen konnte etwa die SWX Swiss Exchange zeitweise keine Echtzeitdaten mehr liefern und kürzlich wurde das Swisscom-Netzwerk von einem Viren-Angriff lahm gelegt. Das alles behindert den Online-Handel.

Was tun Sie dagegen?

Bürki: Wir bauen unser Provider-Netzwerk aus, um Klumpenrisiken zu vermeiden. Für alle heiklen Knotenpunkte erstellen wir zudem Backup-Lösungen, 2007 ha-ben wir die Systemkapazitäten vervierfacht.

Der Ausbau kostet, hinzu kommt das teure Marketing. Im 3. Quartal 2007 hat dies den Gewinn gedrückt.

Bürki: Im letzten Quartal hatten wir einen Sprung bei den Kosten. Ursachen waren das überproportionale Kundenwachstum sowie Systeminvestitionen. Im 4. Quartal ist aber nicht mehr mit einem solchen Kostenblock zu rechnen. Das letzte Quartal 2007 wird – ohne Zahlen nennen zu wollen – sehr profitabel. 2007 wird Swissquote demnach einen Rekordgewinn ausweisen können, bei einem Umsatz von deutlich über 100 Mio Fr.

Werden die Marketingkosten 2008 weiter steigen?

Bürki: Im Jahr 2007 werden die Marketingkosten 9 Mio Fr. betragen, 2008 werden wir die Mittel noch um 20% aufstocken.

Was heisst dies für das Potenzial der Swissquote-Aktie der Kurs hat ja in den letzten Wochen stark geschwankt.

Bürki: Potenzial ist absolut vorhanden, wenn wir weiter in dem Tempo wachsen.

Bei der hohen Profitabilität von Swissquote stellt sich die Frage nach mehr Dividende ...

Bürki: Der Verwaltungsrat hat noch nicht über die Dividende entschieden. Wir werden aber unsere hohe Tier-one-Ratio von über 20% etwas abbauen. Dieses Geld könnte dann ausgeschüttet werden. Allerdings müssen wir unsere Eigenkapitalquote hoch halten, um das rasche Wachstum zu verdauen. Und um neuen Anlagefonds genügend Kredit geben zu können.

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