Die neuen Ziele, die Franctoyp-Chef Rüdiger Andreas Günther Ende 2016 präsentiert hatte, schlugen ein wie eine Bombe. Der Manager wollte den Umsatz des Spezialisten für Frankiermaschinen und Briefkommunikation von 191 Millionen Euro in 2015 bis 2020 auf 250 Millionen Euro steigern. 2023 sollten es dann schon 400 Millionen Euro sein. In den Monaten nach Vorlage der Strategie kletterte die Aktie um rund 50 Prozent.

Um die Ziele zu erreichen wollte Günther neue Kundengruppen erschliessen und neue Produkte lancieren. Zum angestammten Geschäft im Bereich Frankieren und Briefe kommen nun verstärkt digitale Bereiche wie e-Signature und Internet of Things (IoT). So übernahm Francotyp im vergangenen Jahr den IoT-Experten Tixi.com, der auf das Auslesen und Auswerten von Daten von speicherprogrammierbaren Steuerungen wie etwa Strom- und Wasserzählern spezialisiert ist.

Internet of Things rückt ins Fadenkreuz

Und erst vor wenigen Tagen schlossen die Berliner mit der Firma Heinz Lackmann, einer Anbieterin von Systemen und Lösungen für den gesamten Energiemarkt, eine Partnerschaft. Die gemeinsam entwickelten Lösungen sollen Energieversorgern Kosten- und Effizienzvorteile mittels Fernüberwachung von Energiesystemen bieten.

In den neuen Geschäftsfeldern steckt enormes Wachstumspotential. Zwar rechnen Experten auch im alten Bereich Frankieren mit jährlichen Wachstumsraten von drei bis vier Prozent. Doch der Markt für Software für e-Signature und IoT-Sicherheit soll bis 2023 jeweils um 30 bis 35 Prozent zulegen. 

Die Margen sollen kräftig steigen

Neben der deutlichen Ausweitung der Umsätze will Manager Günther auch die Strukturen im Konzern vereinfachen und das Unternehmen effizienter machen. Dadurch soll die Gewinnspanne vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 13 Prozent in 2017 auf mehr als 17 Prozent im nächsten Jahr steigen. 2023 sollen es schon 20 Prozent sein.

Bis vor wenigen Tagen schienen Anleger die 2016 ausgegebenen Ziele nicht mehr so recht zu glauben. Denn bei der Aktie war vom Kursanstieg 2016 und 2017 nichts mehr zu sehen, Francotyp war sogar unter sein Ausgangsniveau gefallen.

Nun aber hat Firmenchef Günther seine Strategie vor wenigen Tagen erneut bestätigt. Im nächsten Jahr hält der Manager einen Gewinn von 1.00 Euro je Aktie oder mehr für möglich. Kann der Chef seine Ziele auch nur annähernd erreichen, hat der Titel auf Sicht von ein bis zwei Jahren das Zeug zum Verdoppler. Auf dem aktuellen Niveau besitzt die Aktie ein gutes Chance-Risiko-Profil.

 

Francotyp-Postalia AG

ISIN: DE 000 FPH 900 0

Gewinn je Aktie 2020e: 0.70 Euro

KGV 2020e: 5,1 

Dividende/Rendite 2018e: 0.08 Euro/2,2% 

EK je Aktie: 2.22 Euro

EK-Quote: 21,5% 

KBV: 1,6 

Kurs/Ziel/Stopp: 3.60/6.50/2.40 Euro

 

Georg Pröbstl ist Chefredaktor des Börsenbriefs Value-Depesche. Der Börsendienst ist auf substanzstarke, unterbewertete Aktien mit guten Perspektiven aus der D-A-CH-Region (DeutschlandÖsterreichSchweiz) spezialisiert. Performance des Musterdepots seit Start im April 2010: +16,7 Prozent p.a. (DAX: +6,3 Prozent p.a.). Transparenzhinweis: Der Autor berät Anlageprodukte. Die in diesem Beitrag besprochene Aktie ist Bestandteil eines solchen Anlageprodukts.

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