Das Währungsgerangel zwischen den Wirtschaftsgrossmächten USA und China nimmt immer absurdere Züge an. Da prangern die Amerikaner China an, mittels Kunstgriffen beim Yuan den Export anzukurbeln. Nur sind die USA selbst die grössten Währungsmanipulatoren. Die Dollarschwäche jedenfalls ist eine Folge der gewaltigen Geldschwemme, mit der die US-Notenbank Fed die Konjunktur anzustossen versucht. Nun will Fed-Chef Ben Bernanke – mit Rückendeckung des auch wegen der schleppenden Konjunktur unter Druck stehenden Präsidenten Barack Obama – bis im nächsten Sommer die Märkte zusätzlich mit gegen 900 Milliarden Dollar fluten, indem die Zentralbank Staatsanleihen aufkauft und ­dafür frische Greenbacks druckt.

Unter Experten ist eine Diskussion darüber entbrannt, welchen Einfluss die Geldspritze auf Wirtschaft, Inflation und ­Börse haben wird. Ich will mich hier gar nicht in ökonomischen Debatten verlieren. Für Sie als Anleger ist ohnehin etwas anderes entscheidend: Die Geldflut wird den Dollar erst recht aufs Krankenbett werfen. Da sind sich die Ökonomen ­einig. Als mir ein Vermögensverwalter im Frühling sagte, er ­sehe den Dollar innert Jahresfrist bei 80 Rappen, konnte ich mir ein Lächeln nicht ver­kneifen. Heute mag ich das nicht mehr ausschliessen.

Wer als Nicht-Amerikaner US-Aktien kauft, muss sich bewusst sein: Jedes Prozent, das der Greenback an Wert verliert, muss die Aktie zuerst zulegen, damit nur wieder der Einstandspreis erreicht ist. Langfristig kann die Dollarschwäche die Renditen gewaltig verhageln. Über die letzten zehn Jahre haben IBM 44 Prozent zugelegt – auf Frankenbasis waren es jedoch minus 20 Prozent. Bei Coca-Cola wandelt sich der Gewinn von 25 Prozent in Dollars frankenbasiert in einen Verlust von 34 Prozent. Und während sich US-Anleger bei McDonald’s über ein Kursplus von 132 Prozent freuen, bleiben für den Schweizer Investor nur 28 Prozent.

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Da bevorzuge ich europäische Blue Chips. Umso mehr, als eine Belebung der US-Börsen durch die Geldflut auch auf den alten Kontinent überschwappen würde. Nur habe ich im Franken kein und im Euro ein überschaubares Währungsrisiko.

Rating-Krieg. Auf einem anderen Gebiet kommen sich die USA und China ebenfalls zusehends ins Gehege: bei den Kreditratings. Die Ratingagenturen Moody’s, Standard & Poor’s sowie Fitch leiden immer noch unter dem Imageschaden, den sie sich während der ­Finanzkrise mit ihrer gar grosszügigen Vergabe von Ratings eingefangen haben. Das ist die Chance für Neulinge in einem Markt, den die Big Three bislang gut abschotteten. Seit einiger Zeit macht die 1994 gegründete chinesische Dagong Global Credit Rating mit aggressiven Bonitätsvergaben von sich reden. So liegen Frankreich und Grossbritannien inzwischen unter dem Rating von China, und die Kreditnoten der USA wurden jüngst erneut zurückgestuft auf A+.

Eine Ratingagentur als politisches Instrument? Wahrscheinlich schon, auch wenn sich die Firma zumindest offiziell in Privatbesitz befindet. Doch mir gefällt, wie sich Dagong finanziert. Denn während Standard & Poor’s oder Moody’s die Emittenten zur Kasse bitten – also jene, deren Schulden es zu beurteilen gilt –, belastet das chinesische Unternehmen die Investoren. Ein Modell, das der Glaubwürdigkeit zuträglicher ist. Man kann über ­Dagong denken, wie man will: Die Newcomer bringen frischen Wind in eine von ­Interessenkonflikten geschüt­telte Branche. Moody’s ist als einzige der Ratingfirmen an der Börse. Ihre Aktien haben sich von der Talfahrt seit Ausbruch der Kreditkrise nicht erholt, und auf absehbare Zeit stehen die Chancen für deutlich höhere Kurse schlecht.

Mehr Buchungen. Das Reisegeschäft läuft für Kuoni besser, als sich dies an den Zahlen für die ersten neun Monate ablesen lässt. So ist der Umsatz zwar lediglich um 1,4 Prozent auf rund drei Milliarden Franken gestiegen, und der Betriebs­gewinn von 31 Millionen entspricht einer mageren Marge von einem Prozent. Allerdings zeigen die Resultate einen klaren Aufwärts­trend, denn in der gleichen Vorjahresperiode ging der Umsatz noch um 21 Prozent zurück, und der Betriebsgewinn belief sich auf bloss 3,7 Millionen. Entscheidend ist, dass der Cashflow um das gut Sechsfache auf 203 Millionen gestiegen ist. Das gibt CFO Max Katz wieder mehr Ellbogenfreiheit.

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Auch fürs nächste Jahr sieht es bei den Buchungen recht ­erfreulich aus. Die Finanzanalysten jedenfalls beurteilen die Aktien wieder positiver, zunehmend werden Kaufempfehlungen abgegeben. So von Helvea; Analyst Chris Burger setzt das Kursziel auf 500 Franken fest, was gegenüber dem aktuellen Kurs einer Performance von gegen 20 Prozent entspricht.

Reichlich Mäuse. «Seit Sie Logitech empfohlen haben, halte ich die Aktien. Nun ist der Kurs stark gestiegen. Was soll ich machen?» Als ich diese E-Mail eines Lesers las, staunte ich zuerst. Denn die Kaufempfehlung datiert vom Frühling 2009, und seither hat sich der Aktienkurs mehr als verdoppelt. Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb nicht zumindest die Hälfte der Gewinne ins Trockene gebracht wurden. Was ich dem Leser zugutehalten kann: Ein rechter Teil des Wertzuwachses ist erst in den letzten Wochen dazugekommen. Zuerst hat der Hersteller von Peripheriegeräten, bekannt geworden für seine Computermäuse, für die ersten zwei Quartale des Geschäftsjahres 2010/11 gute Zahlen geliefert. Und jüngst stellte CEO Gerald Quindlen am Investor Day in New York die Zukunft des Unternehmens rosig dar. Für einen kräftigen Kursschub sorgte vor allem die prognostizierte Ebit-Marge von 13 bis 15 Prozent – ein anspruchsvolles Ziel.

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Aktuell sind Logitech hoch bewertet. Das lässt sich am ­geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis ablesen: Es stellt sich fürs laufende Geschäftsjahr auf 25 und für 2011/12 auf 20. Vorderhand ist die Luft bei den Aktien draussen. Die Börse will nun zuerst einmal etwas von den versprochenen Resultaten sehen.

Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ.
Schreiben Sie ihm: bahnhofstrasse@bilanz.ch