Es erstaunt mich immer wieder, wie schnell Börsianer ihre Vorlieben ändern. Was gestern noch als Lieblingsaktie galt, wird heute verteufelt. Zum Beispiel Lonza. Standen die Titel des Feinchemikalienherstellers bis vor wenigen Wochen noch auf der Empfehlungsliste mancher Bank, werden sie heute zum Verkauf empfohlen. Sicher, der Himmel von Lonza hängt nicht voller Geigen. Doch um das Unternehmen ist es weit besser bestellt, als das der scharfe Kurseinbruch seit Oktober signalisiert. Im vergangenen Jahr haben sich Umsatz und Betriebsgewinn leicht zurückgebildet, doch einzig wegen negativer Währungseinflüsse. Verunsichert werden die Anleger weniger von der Vergangenheit als von der Zukunft. Lonza-Lenker Stefan Borgas (Bild) lieferte bei der Präsentation der Jahreszahlen einen für ihn ungewohnt schwammigen Ausblick auf die nächsten Jahre. Die Rahmenbedingungen sind denn auch durchzogen: Die Pharmaindustrie bestellt nur noch höchst vorsichtig, Überkapazitäten nehmen zu, die Rohwarenpreise ziehen an, der starke Franken drückt. Lonza hat an Ertragsdynamik verloren. Über die nächsten zwei Jahre wird sich das Wachstum «nur» in soliden Bahnen bewegen. Mittelfristig jedoch ist weiteres Gewinnpotenzial auszumachen. Die seit zwei Jahren laufende Restrukturierung ist umgesetzt. Zudem wurden mit Schwerpunkt Asien weitere Wachstumsprojekte gestartet. Auch die Bemühungen um eine Verbreiterung der Aktivitäten tragen zunehmend Früchte. Die Lonza-Aktien sind günstig zu haben, beträgt das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis für das nächste Jahr doch 10,9. Wer sich auf mehrere Jahre hinaus engagieren will, ist mit Lonza gut beraten, obwohl fast sämtliche Analysten warnen. Doch es ist auf Dauer vielversprechender, gegen den Trend zu investieren.

Acht Prinzipien. Im Vergleich mit John Paulson nehmen sich heimische Top-Verdiener wie Daniel Vasella oder Brady Dougan wie Waisenknaben aus. Wer über die letzten Jahre im Hedge Fund Paulson & Co. investierte, wurde reich. Am meisten Geld verdiente Paulson selbst: Allein 2010 kassierte er rund fünf Milliarden Dollar an Gebühren und Gewinnbeteiligungen – nachdem er schon in früheren Jahren Milliarden eingestrichen hatte. Nun, ich will nicht moralisieren. Vielmehr interessiert mich, welche Grundsätze John Paulson – fraglos einer der weltweit besten Investoren – befolgt. Und so lauten seine acht Prinzipien:

  • 1. Sei skeptisch, vertraue keinem Experten.
  • 2. Halte immer eine Exit-Strategie bereit.
  • 3. Obligationenmärkte sehen Probleme eher voraus als Aktienmärkte.
  • 4. Bilde dich laufend weiter bezüglich neuer Anlagevehikel.
  • 5. Unterschätze nicht die Wirksamkeit von Absicherungen wie Put-Optionen.
  • 6. Erfahrung zählt viel.
  • 7. Versteife dich nicht auf einzelne Anlagen, lass Emotionen aus dem Spiel.
  • 8. Setze nicht zu viel Geld auf einen Deal, diversifiziere das Risiko.

Hand aufs Herz: Gerade umwälzend sind diese Grundsätze nicht. Und selbst wenn sie uns bei künftigen Anlageentscheiden tatsächlich helfen sollten, wird es kaum zu Milliardengewinnen reichen.

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North of Africa. Vor einem Jahr habe ich zu Afrika-Anlagefonds geraten. Mit diesem Tipp war gutes Geld zu verdienen. Der S&P Africa 40, der die Aktienkursentwicklung der 40 grössten und liquidesten Unternehmen Afrikas abbildet und an dem sich die meisten Fonds orientieren, reüssierte bis Anfang Januar um 48 Prozent. Dann setzten die schweren Unruhen ein, die von Tunesien auf Ägypten und andere Länder übergriffen. Viele regionale Börsen wurden heftig durchgeschüttelt, der Aktienmarkt in Kairo musste sogar zeitweise schliessen. Der S&P Africa 40 rauschte um bis zu 13 Prozent in die Tiefe. Ich lasse mich nicht beirren: Investments in Afrika sind vielversprechend. Mehrere Länder des schwarzen Kontinents gehören zu den wachstumsstärksten Volkswirtschaften. Unter den zehn Ländern mit dem weltweit höchsten Wachstum zwischen 2011 und 2015 zählen laut den Prognosen des Internationalen Währungsfonds sieben aus Afrika, nämlich Äthiopien, Moçambique, Tansania, Kongo, Ghana, Sambia und Nigeria. Wer das Risiko nicht scheut und auf lange Sicht investiert, kann sich an Afrikafonds halten. Allerdings werden in der Schweiz nur wenige angeboten, beispielsweise BB African Opportunities (Valoren-Nummer 2 842 210), DWS Invest Africa (4 410 479), Julius Bär Multistock Northern Africa (3 130 136), JPM Africa Equity (3 911 539) oder Magna Africa Fund (2 535 515). Doch warten Sie mit Engagements zu, bis sich der Flächenbrand gelegt hat.

Neuer Schlüsselmacher. Der Transfer kam überraschend. «Wir brauchen keine Schlagzeilen», meinte noch Ende Jahr Riet Cadonau gegenüber «Finanz und Wirtschaft». Zwei Wochen später lieferte er selbst der Presse die dicken Überschriften: Der CEO von Ascom wird auf Anfang Juli 2011 als neuer Chef bei Kaba anfangen. «Ein Kopfentscheid», kommentierte Cadonau. Die Börse legte den Kopfentscheid auf ihre Art aus, indem sie die Ascom-Aktien einige Prozent in die Tiefe schickte und Kaba um mehrere Prozent höher bewertete. Cadonau hat sich bei Ascom während mehr als dreier Jahre einen guten Namen als Turnaround-Manager geschaffen. Bei Kaba allerdings trifft er keinen «Saustall» an. Der 49-Jährige weiss jedenfalls, was ihn erwartet; schliesslich sitzt er seit bald fünf Jahren im Kaba-Verwaltungsrat. Das auf Sicherheitstechnik spezialisierte Unternehmen präsentiert sich in einer guten Verfassung. Der Verkauf der Sparte Türautomation spülte nicht nur einen Gewinn von etwa 100 Millionen Franken in die Firmenkasse, damit ist auch ein Bremsklotz bei der Ertragsentwicklung aus dem Weg geräumt. Das Ziel, in rund drei Jahren eine Ebit-Marge von 15 Prozent zu schreiben, dürfte nun leichter zu erreichen sein. Obwohl die Aktien seit September um knapp 40 Prozent in die Höhe geschossen sind, bleiben sie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,9 für das kommende Geschäftsjahr attraktiv. Und Ascom? Ich weiss fast nichts über den designierten Ascom-Chef Fritz Mumenthaler, der aktuell beim Berner Unternehmen die Division Wireless Solutions leitet. Auch für die von mir angefragten Analysten ist der 52-jährige Mumenthaler ein kaum beschriebenes Blatt. Er übernimmt eine Firma, die sich in einem passablen Zustand befindet. Die Aktien sind zwar langfristig interessant, bergen aber eine gehörige Portion an Risiko.

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Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm: bahnhofstrasse@bilanz.ch