Die von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ergriffenen Massnahmen gegen den zu starken Franken zahlen sich offensichtlich aus. Am Morgen ist der Euro wieder über 1,10 Franken gestiegen. Und danach blieb der Wechselkurs auf diesem Niveau.

Nachdem der Franken bereits am Donnerstag innert kurzer Zeit abgeschwächt wurde und der Euro um mehrere Rappen zulegte, kletterte der Eurokurs am Freitag zwischen 9 und 11 Uhr erneut schnell in die Höhe. Nachdem der Kurs kurz unter 1,07 Franken gerutscht war, schoss er danach über die 1,10-Franken-Marke.

Nach der Abstufung des Kreditratings der USA und der sich verschärfenden Schuldenkrise in der EU ist die Schweizer Währung wie auch Gold weltweit von Anlegern als "sicherer Hafen" fast panisch gesucht worden. Nach Meinung der meisten Ökonomen kam es aber zu einer massiven Überbewertung des Frankens.

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Mit Verzögerung haben die angekündigten Massnahmen der SNB zur Ausweitung des Frankenangebots nun offenbar Wirkung gezeigt. Devisenspezialisten rechnen gar mit einer Fortsetzung der Entwicklung. Angesichts dessen, dass sich die Negativverzinsung am schweizerischen Geldmarkt deutlich durchgesetzt habe, dürfte in ihren Augen nämlich noch mehr Geld aus dem Franken herausfliessen.

Erfolg für Nationalbank

Zudem herrscht auch in der Schweizer Politik, nachdem die SVP ihre Einwände aufgegeben hat, breiter Konsens, dass die SNB wieder am Devisenmarkt eingreifen und eine Franken-Kursuntergrenze verfolgen soll.

Die wählerstärkste Partei hatte letztes Jahr die Interventionen der SNB, als sie gegen eine Abschwächung des Euros unter 1,40 und 1,30 Franken kämpfte, als Verschleuderung von Volksvermögen kritisiert. SVP-Vizepräsident Christoph Blocher hatte den Rücktritt von Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand gefordert.

SMI erholt sich rasant

Gestützt von der Schwächung des Frankens wurde auch die Schweizer Börse. Nach Tagen mit drastischen Verlusten stiegen wie bereits am Donnerstag auch am Freitag die Aktienkurse deutlich. Der Schwergewichteindex SMI (Swiss Market Index) verlor zwar zu Beginn bis zu 1,75 Prozent, startete dann aber durch.

Am Abend zeigte das Barometer der wichtigsten Aktien einen Gewinn von 4,4 Prozent. Zwischenzeitlich hatte das Plus gar 5,4 Prozent betragen. Obwohl der SMI bereits am Donnerstag 5,0 Prozent zugelegt hatte, notiert er immer noch über 7 Prozent unter dem Stand von Anfang Monat.

Zu den Titeln mit den grössten Gewinnen zählten die Aktien des Versicherungskonzerns Zurich (+7,1 Prozent), welche schon am Vortag nach positiv aufgenommenen Quartalszahlen deutlich zugelegt hatten. Überdurchschnittliche Gewinne verzeichneten aber auch die Aktien von anderen Versicherern und Banken sowie die Titel von eher konjunkturabhängigen Branchen.

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