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Frankenstärke: Das ist der nächste Schachzug der SNB

Thomas Jordan: Er kämpft mit Negativzinsen gegen die Frankenstärke. Keystone

Die EZB könnte nächste Woche die Geldschleusen noch weiter öffnen. Die Schweizer Währungshüter brauchen deshalb einen Plan, damit sich der Franken nicht aufwertet. SNB-Chef Jordan hat schon eine Idee.

Veröffentlicht am 29.02.2016

Die Schweizerische Nationalbank könnte die Einlagensumme der Geschäftsbanken bei der Zentralbank senken, die vom negativen Einlagensatz ausgenommen ist. Dies sei für den Fall denkbar, dass die SNB ihre Politik weiter lockern müsse, sagte SNB Präsident Thomas Jordan in einem Interview in Schanghai am Samstag.

«Bis auf weiteres planen wir keinerlei Änderungen, aber selbstverständlich ist der Mindestreserve-Freibetrag ein mögliches Instrument zur Gestaltung», sagte Jordan, wo er an einer Sitzung der G20 teilnahm. «Es ist ein anderer Mechanismus, die Beschränkungen in der Geldpolitik zu ändern, aber selbstverständlich sind die Kombination von Negativzinsen und des Umfangs der Freibetragsschwelle insgesamt mit Auswirkungen auf die geldpolitische Lage behaftet.»

EZB setzt Druck auf

Damit der Franken als Anlagewährung weniger attraktiv ist, hat die SNB seit Januar 2015 Negativzinsen auf auf Girokontenguthaben erhoben. Bei inländischen Banken beläuft sich der Freibetrag auf das 20-fache des Mindestreserve-Solls. Da der Einlagensatz der SNB bereits bei einem Rekordtief von minus 0,75 Prozent liegt, ist unter Ökonomen eine Diskussion darüber in Gang gekommen, welche Massnahmen Jordan und seine Kollegen ergreifen im Fall, dass die EZB bei ihrer Sitzung am 10. März entscheidet, die lockere Geldpolitik auszuweiten.

Jordan hatte am Samstag gesagt, den Notenbanken seien die verfügbaren Instrumente noch nicht ausgegangen. In der Vergangenheit hat die SNB indes erklärt, es gebe eine Grenze, bis zu welcher die negativen Zinsen gesenkt werden könnten. Denn ab einem bestimmten Punkt würden Investoren damit beginnen, Bargeld zu horten und den negativen Einlagensatz umgehen. Eine Alternative könnte die Anpassung des Freibetrags sein.

Franken erstarkt erneut

«Beides, der Zinssatz und der Umfang des Freibetrags sind variable Gestaltungselemente, über die wir verfügen», sagte Jordan. Welchen Schritt die SNB ergreift, wird in erster Linie vom Franken abhängen, zeigt eine monatliche Umfrage von Bloomberg unter Ökonomen, die am 15. Februar veröffentlicht wurde.

Der Schweizer Franken hatte am 4. Februar zum Euro ein Tief bei 1,11997 markiert. Seither hat die eidgenössische Währung aufgewertet. Der Franken ist weiterhin weit entfernt von vor einem Jahr, als die SNB die Franken-Deckelung von 1,20 Franken je Euro im Januar aufhob.

(bloomberg/mbü/chb)

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