Die Wahlergebnisse in Frankreich und Griechenland haben Börsianern zufolge am Montag die Furcht der Anleger vor einem Ende der europäischen Sparbemühungen geschürt. SMI, Dax und EuroStoxx50 verloren zur Eröffnung jeweils rund ein Prozent. Bereits zuvor waren die Aktienmärkte in Asien auf Talfahrt. Auch der Euro geriet unter Druck und rutschte auf ein 3-Monats-Tief.

Ein Mix aus Wachstumssorgen und die steigende Verunsicherung mit Blick auf die europäische Schuldenkrise drückten in der Schweiz den Leitindex SMI zunächst unter die 6'000er-Marke. Bis am Mittag hat der Index dieses Niveau allerdings wieder zurückgewonnen. Im weiteren Handelsverlauf stehen keine wichtigen Konjunkturdaten aus den USA an, welche den Markt nachhaltig beeinflussen.

Der Swiss Market Index verliert bis um 11.45 Uhr noch 0,75 Prozent auf 6'011,62 (Tagestief: 5'985) Punkte. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) sinkt um 0,66 Prozent auf 911,68 Punkte und der breite SPI um 0,68 Prozent auf 5'616,82 Punkte.

An der Börse in Tokio verlor der Nikkei-Index für 225 führende Werte fast 2,5 Prozent. Auch die Kurse in Singapur und Hongkong gaben nach. Es gebe grosse Bedenken, dass die europäischen Schuldenkrise wieder eskalierte, sagte ein Analyst in Tokio. Auch an den Börsen in Europa und den USA werden Kursverluste erwartet.

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Devisen: Euro rutscht auf 3-Monats-Tief ab

Der Euro fiel im asiatischen Handel auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Monaten. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel am Montag unter die Marke von 1,30 Dollar und kostete zuletzt noch knapp 1,2980 Dollar. Der Euro baute damit Kursverluste aus. In der vergangenen Woche war die europäische Währung wegen der Unsicherheiten vor den Wahlen bereits um rund zwei Cent gefallen.

Auch die Ölpreise sind nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland unter Druck geraten. Zudem wirkten die schwachen Arbeitsmarktdaten vom Freitag im frühen Handel nach. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Juni kostete am Morgen 112,40 US-Dollar. Das waren 78 Cent weniger als am Freitag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI fiel deutlicher um 1,40 Dollar auf 97,12 Dollar.

Nach der Entscheidung der Franzosen zugunsten des Sozialisten Francois Hollande als Präsidenten und der unklaren Lage nach den Wahlen in Griechenland gebe es grosse Bedenken, sagte ein Devisenhändler in Singapur. Der Sieg Hollandes war zwar erwartet worden. Dennoch steige die Unsicherheit, wie es in der europäischen Schuldenkrise weitergeht. Hollande hatte sich im Wahlkampf gegen den strikten Sparkurs Deutschlands gestellt.

Regierungsbildung in Griechenland problematisch

In Athen zeichnet sich nach den Parlamentswahlen eine äusserst schwierige Regierungsbildung ab. Nach Auszählung von mehr als 98 Prozent der abgegebenen Stimmen haben die Verfechter des umstrittenen Sparprogramms die Mehrheit im Parlament um zwei Abgeordnete verfehlt.

«Die Kluft zwischen den Politikern und den Wählern vergrössert sich», sagte Steen Jakobsen, Chef-Ökonom der Saxo Bank. «Das sehen wir in Griechenland und Frankreich. Die Wähler senden eine klare Botschaft: 'Wir sind zu diesen Reformen nicht bereit'. Dies ist besorgniserregend. Wir stehen vor einer grossen Krise in Europa, wirtschaftlich und sozial.»

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(vst/laf/sda/awp)