Anlagefonds sind noch immer das beliebteste Investment in der Schweiz. Wegen der schlechten Performance 2008 und nicht zuletzt auch wegen der Gebühren sind sie jedoch in der Gunst der Investoren etwas nach hinten gerückt. Anbieter versuchen derzeit, mit trendorienterten Themenfonds und Indexfonds, wie den beliebten Exchange Traded Funds (ETF), diesem Trend entgegenzuwirken. Doch auch dort sind die Umsätze zurückgegangen.

Hilfe kommt nun von politischer Seite: Vor wenigen Tagen hat das EU-Parlament die neue Ucits-IV-Richtlinie (Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities) verabschiedet. Mit Ucits IV sollen An- leger einfachere Informationen über Fonds erhalten und der Wettbewerb zwischen den Fondsanbietern soll angeheizt werden. Die Norm muss von den Mitglied- staaten bis 2011 umgesetzt werden.

Auch Schweizer Anbieter sind von ihr betroffen. So hat etwa Swisscanto in Luxemburg fünf Ucits-Fonds mit über 40 Teilfonds aufgelegt.

Mehr Konkurrenz in Europa

Ucits-IV-konforme Produkte erhalten einen «EU-Pass» und können, eine einfache Registrierung bei der jeweiligen Aufsichtsbehörde vorausgesetzt, in allen Staaten der Europäischen Union vertrieben werden.

«Ucits IV bringt Effizienzvorteile, was sich für die Anlegerinnen und Anleger in einer erhöhten Fondsauswahl und niedrigeren Gebühren niederschlagen sollte», sagt Matthäus Den Otter, Geschäftsführer beim Branchenverband Swiss Fund Association (SFA).

Ob jedoch Anleger wirklich von tieferen Gebühren profitieren können, ist noch ungewiss. «Es ist zu hoffen, dass die Gebühren sinken, für eine definitive Aussage diesbezüglich ist es noch zu früh», so Matthäus Den Otter. Zuerst müssten die Massnahmen umgesetzt werden und auch im vorgesehenen Ausmass greifen.

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Anleger möchten sich vor dem Kauf umfassend informieren. Auch das soll mit der neuen Norm vereinfacht werden. Mit Ucits IV muss jeder Fonds die wichtigsten Informationen für Privatanleger auf einem maximal zwei Seiten umfassenden Dokument, der sogenannte Key Investor Information, liefern. Auf juristische und regulatorische Informationen und Marketing soll bewusst verzichtet werden. Ein einfaches Symbol soll anzeigen, wie gross die Risiken sind, denen sich ein Käufer beim Kauf des Produkts aussetzt.

Der Risikoindikator ist jedoch noch umstritten. Daher ist noch nicht bekannt, wie er aussehen wird. Ein Marktkenner äusserte sich pessimistisch, was den Nutzen solcher vereinfachter Prospekte betrifft. Die Motivation von Anlegern, sich mit ihren Investments auseinanderzusetzen, sei häufig sehr gering. Bereits jetzt sei genügend Informationsmaterial vorhanden.

Eine vor kurzem publizierte Studie stellt jedoch Schweizer Investoren ein gutes Zeugnis über ihre Kompetenzen aus. Dennoch wüssten Anleger häufig zu wenig über Vorteile von Fonds Bescheid. So ist es vielen Anlegern nicht bewusst, dass es kein Gegenparteienrisiko bei Anlagefonds gibt. Das bedeutet, dass auch bei einem Konkurs des Anbieters, ihr Investment erhalten bleibt.

In schwierigen Zeiten ist das ein zentraler Vorteil von Fonds. Befinden sich die Märkte im Aufwind, ist diese defensive Stärke sekundär.

Weitere Regelungen in Aussicht

Laut Fondsexperten wird sich zukünftig der Trend wieder vermehrt in Richtung einfacherer Produkte zeigen. Anleger wollen ihre Investitionen verstehen.

Damit einher geht, dass die Produkte das bieten, was ihr Name verspricht. Auch hier werden europaweite Regelungen Klarheit schaffen. Es soll sichergestellt werden, dass ein Geldmarktfonds auch in Termingelder und kurzfristige Obligationen investiert und nicht noch zusätzliche, riskantere Elemente enthält.

Auswirkungen noch unklar

Welche Konsequenzen Ucits IV für die Schweiz hat, ist noch nicht sicher. Bei der UBS, dem grössten Anbieter der Schweiz, hat man sich noch gar nicht damit befasst.

«Obwohl das Kollektivanlagengesetz den autonomen Nachvollzug für schweizerische Effektenfonds an sich vorschreibt, muss eingehend geprüft werden, ob dies für die Schweiz etwas bringt», so Den Otter vom Branchenverband SFA. Das gelte zumindest so lange, wie die Schweiz keinen Zutritt zum europäischen Ucits-Markt habe.

Bei Swisscanto erwartet man zumindest, dass die neue Key Investor Information auch in der Schweiz eingeführt wird. Für Anleger wäre zumindest das eine gute Nachricht.