Die Finanzkrise und der Druck auf das Bankgeheimnis lasten auf dem Schweizer Finanzplatz. Doch es gibt auch positive Signale. Ausländische Bankinstitute expandieren in die Schweiz, Hedge-Fonds-Manager aus London suchen sich hier ein neues Domizil, und unabhängige Vermögensverwalter siedeln sich immer häufiger in der Schweiz an.

Ausländische Banken seien vor allem am Label «Swiss Banking» interessiert, sagt Matthias Memminger, Bankenexperte von PricewaterhouseCoopers (PWC). In den letzten Monaten sei die Zahl der Banken, die in die Schweiz expandieren wollen, deutlich gestiegen.

Es handelt sich dabei in erster Linie um Banken, welche die Krise bisher gut gemeistert haben und jetzt eine einmalige Chance zur Expansion sehen. Mehrere Institute und Investoren sind gerade in der Entscheidungsphase, ob sie eine Banklizenz beantragen sollen.

Bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma, bei der die Gesuche eingereicht werden, ist daher zum jetzigen Zeitpunkt auch noch kein Trend feststellbar. «Es gibt nicht signifikant mehr Gesuche», sagt Mediensprecher Tobias Lux.

Aus Schwellenländern

Hinzu kommt ein weiterer Grund. «Grössere ausländische Banken erschliessen sich den Markt vor allem über Akquisitionen», sagt Memminger. Als Übernahmeobjekte in der Schweiz würden in erster Linie Töchter von ausländischen Banken in Frage kommen, die in Schwierigkeiten stecken. Zudem seien die Banken mit verwalteten Vermögen unter 20 Mrd Fr. eher klein und würden meist nicht zum Kerngeschäft ihrer Mutterhäuser gehören. Die ersten Übernahmen sind bereits über die Bühne gegangen (siehe separaten Text).

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Die Hälfte aus dem Ausland

Prozentual ist der Anteil der Auslandsbanken in der Schweiz über die letzten Jahre gestiegen. Heute sind beinahe die Hälfte der Banken in der Schweiz Auslandsbanken, während es vor 15 Jahren weniger als ein Drittel war.

«Nichteuropäische Banken interessieren sich vermehrt für die Schweiz», sagt Raoul Würgler, stellvertretender Geschäftsführer des Verbands der Auslandsbanken in der Schweiz. Dies zeigten auch die Investitionen aus dem Mittleren Osten, Asien und Südamerika.

Die Bank of China, weltweit die Bank mit der drittgrössten Börsenkapitalisierung, hat Ende letzten Jahres in Genf zwei Tochtergesellschaften gegründet und hegt für ihre Niederlassungen in der Schweiz ehrgeizige Pläne. Bis Ende Jahr soll die Zahl der Beschäftigten auf 60 Mitarbeiter erhöht werden.

Zudem wird spekuliert, dass auch die brasilianische Grossbank Banco Itau´ hierzulande eine Niederlassung eröffnen will.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Hedge-Fonds, Private-Equity-Gesellschaften oder unabhängigen Vermögensverwaltern, die keine Banklizenz benötigen. «Seit etwa einem Jahr kommen mehr ausländische Fachkräfte in die Schweiz», bestätigt Peter Rupper, Präsident des VQF Verein zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen, dem sich Finanzdienstleister ohne Banklizenz anschliessen. Genau lasse sich dies aber nicht quantifizieren. Die Neugründer stammten vor allem aus Deutschland und Grossbritannien. Die Gründe für den Zuwachs sieht er in der grösseren Mobilität und den Rahmenbedingungen in der Schweiz. Neben der guten Infrastruktur, der Rechtssicherheit und der Privatsphäre sei es auch einfach, qualifizierte Mitarbeiter zu finden.

Die ersten ausländischen Bankentöchter sind verkauft - das sind die nächsten Kandidaten

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Nach dem Verkauf der Dresdner Bank Schweiz an die Liechtensteiner LGT Group und der Übernahme der Commerzbank Schweiz durch Vontobel dreht sich das Übernahmekarussell in der Schweizer Private-Banking-Branche weiter (siehe «Handelszeitung» vom 28. April).

Als Übernahmekandidaten gelten vor allem Schweizer Töchter von europäischen Mutterkonzernen, die auf Staatshilfe angewiesen waren.

Mit Zukäufen können sich die Banken aber auch Risiken einhandeln. So steht etwa die Bank Sarasin den Schweizer Ablegern von europäischen Banken eher skeptisch gegenüber. Man wolle sich nicht steuerneutrale Gelder ins Haus holen, sagt Sarasin-Finanzchef Matthias Hassels. Zukäufe kämen zwar in Frage, «allerdings sind wir eher an einem grösseren Übernahmeobjekt mit verwalteten Vermögen von mehr als 25 Mrd Fr. interessiert».

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Und während der einstigen Akquisiteurin EFG International angesichts der dünner werdenden Kapitaldecke vorerst der Appetit auf weitere Übernahmen vergangen ist, dürften neben Vontobel auch die Credit Suisse, ihre Privatbankentochter Clariden Leu und Julius Bär als Käufer auf dem Markt auftreten.

Morgan-Stanley-Analyst Huw van Steenis hat Schweizer Private-Banking-Töchter identifiziert, die als Übernahmeobjekte für Julius Bär in Frage kommen könnten: RBS Coutts, Lloyds TSB, ABN Amro, Merrill Lynch, ING Bank. Interesse an diesen Banken wird indessen aber auch anderen Banken nachgesagt.

Die Credit Suisse beziehungsweise ihre Private-Banking-Tochter Clariden Leu soll Gefallen an der RBS Coutts gefunden haben.

Am Markt wird etwa auch Julius Bär als Käufer von Citibank Schweiz gehandelt. Keine Übernahmekandidaten stellen dagegen grosse Einheiten wie zum Beispiel die HSBC Private Bank Schweiz dar, die das Private Banking für den Konzern aus der Schweiz heraus bereitstel- len. (ng)

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