Zurzeit geben 17% der Schweizer an, Fonds zu besitzen. Die Anleger sind jedoch vom momentan schwierigen Umfeld verunsichert. «Die Leute wollen Sicherheit, kein Risiko und eine Garantie auf Werterhalt», erklärt Konstantin Nikiteas von AXA Investment Business Development. Es überrascht daher nicht, dass der Direktbesitz von Fonds rückläufig ist (–3% zum Vorjahr). Die Resultate der im März dieses Jahres von AXA Investment durchgeführten Umfrage zum Fondswissen der Schweizer erscheinen in einem speziellen Licht, damals hat die Finanzkrise besonders hohe Wellen geschlagen.

Matthäus Den Otter, Geschäftsführer der Branchenorganisation Swiss Funds Association SFA, begrüsst die Studie. «Die Konkurrenz auf dem Finanzmarkt hat zugenommen», sagt Den Otter. Viele Anleger haben sich den strukturierten Produkten zugewandt, oder sie sind ganz aus dem Markt gegangen. Kriselt es an den Märkten, bevorzugen viele Investoren reale Werte. Das zeigt auch die Studie. Könnten Herr und Frau Schweizer heute frei über 50000 Fr. verfügen, würden viele in ihre Immobilien investieren (2007: 11% der Befragten / 2008: 34%). Auch die Familie beschenken steht hoch im Kurs (2007: 4% / 2008: 25%). In Krisenzeiten erinnert man sich offenbar schneller an die Familie und das soziale Umfeld. Das sind dann für viele die sichersten Werte.

Steigende Konkurrenz für Fonds

Den Otter sagt, dass der zunehmende Konkurrenzkampf gegenüber anderen Investitionsformen auch seine guten Seiten hat: «Man ist in einem harten Wettbewerb, das führt zu neuen und interessanten Fondsprodukten.» Innovative Themenfonds, wie etwa Nachhaltigkeitsfonds oder Rohstofffonds, könnten Neukunden ansprechen. «Zum ersten Mal seit Monaten fliesst wieder mehr Geld in Aktienfonds. Immobilien- und Rohstofffonds sowie Hedge-Fonds haben die Subprime-Krise bis jetzt gut gemeistert», gibt sich Den Otter zuversichtlich. «Die Aussichten für den Fonds- und Assetmanagementplatz Schweiz sind positiv, besitzt er doch zahlreiche Standortvorteile wie qualifizierte Fachkräfte, die Nähe zum Heimmarkt mit Kundenvermögen von rund 5 Billionen Fr. sowie eine qualitativ hochwertige Infrastruktur», fügt Den Otter an. Den grossen Nachteil von Fonds gegenüber strukturierten Produkten sieht Den Otter bei der Geschwindigkeit der Lancierung. Ein beschleunigter Produktionsprozess für Fonds könnte Abhilfe schaffen.

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Rendite nicht das Wichtigste

Die Studie zeigt zudem, dass Fondsanleger keine Renditejäger sind. Nur 15% der Befragten gaben die Wertsteigerung als Kriterium für den Fondskauf an. AXA Investment lässt die Interpretation des überraschenden Wertes offen. Es könnte sich um ein Zeichen handeln, dass die Anleger vom Markt enttäuscht sind. Umso zentraler ist deshalb für die Anleger die Seriosität der Institute. Für 31% der Befragten ist es wichtig, dass die Fondsgesellschaft seriös ist. Den Otter ist erfreut darüber, dass viele Schweizer die Vertrauenswürdigkeit der Anbieter schätzen, aber «die Umfrage zeigt deutlich, dass Anleger die langfristige Rendite von Fonds massiv unterschätzen», gibt sich Den Otter erstaunt.

Wie gross die Differenz zwischen Sparkonto und Fondsanlage wirklich ist, wussten viele Schweizer nicht. Die Frage «Stellen Sie sich vor, Sie hätten vor 20 Jahren 10000 Fr. angelegt. Wie viel wäre die Investition heute wert?» lieferte überraschende Resultate. Im Durchschnitt schätzten die Schweizer den Betrag bei einer Fondsanlage auf 26462 Fr., also deutlich niedriger als die effektiven 50186 Fr. Die Rendite eines Sparkontos wurde hingegen überschätzt. Bei 2% Zins erzielen die 10000 Fr. für die Befragten ein Resultat von 16099 Fr., der reale Wert liegt mit 14860 Fr. wesentlich tiefer. Die Schweizer verfügen im europäischen Vergleich zwar über ein gutes Fondswissen, dennoch brauche es gemäss Den Otter eine noch bessere Information der Anleger. Das gilt auch für den Anlagehorizont, es werde nämlich laut Den Otter zu zyklisch angelegt: «Viele Anleger werden schnell nervös und gehen bei Schwankungen übereilt aus dem Markt.»