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Warnsignale
Für Anleger verliert Donald Trump den Zauber

Wachsfigur von Donald Trump: Der US-Präsident hat eine Niederlage eingefahren. Keystone

Mit seiner Wahl letzten Herbst begann eine Rekordjagd an den amerikanischen Börsen. Doch die Zweifel der Anleger am neuen US-Präsidenten Donald Trump mehren sich.

Von Christoph Damm («BUSINESS INSIDER DEUTSCHLAND»)
am 27.03.2017

Die ruhigen Zeiten an der Börse könnten bald der Vergangenheit angehören. Seit Anfang November — seit dem Tag der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten — kennen die Indizes weltweit nur den Weg nach oben. Korrektur? Fehlanzeige! 

Doch auch den grössten Fans von Donald Trump muss seit Freitag klar sein: Der Mann ist kein Magier und seine Versprechen umzusetzen wird für ihn schwerer als er selbst gedacht hat. Das zeigt sein Plan zur Abschaffung von Obamacare. Obwohl die Republikaner die Mehrheit im Senat und im Repräsentatenhaus haben, schaffte es der Präsident nicht, seine Reform des Gesundheitssystems durchzusetzen.

Wachsende Zweifel an Trump

Die Abstimmung wurde bis auf weiteres verschoben und Donald Trump selbst sagt, dass das Gesundheitssystem jetzt nicht mehr die höchste Priorität besitze und er sich anderen Themen zuwende — wie der geplanten Steuerreform, auf die Unternehmen und Börsenanleger besonders hoffen.

Doch zu eben dieser Hoffnung gesellt sich durch die Pleite bei der Aussetzung von Obamacare die Skepsis. Denn die Fähigkeit, seine Pläne und Versprechen in die Tat umzusetzen, hat Donald Trump noch nicht unter Beweis gestellt. Daher kommt die Sorge auf, dass auch die geplanten Steuersenkungen krachend scheitern könnten.

Dollar-Rallye zum Euro erlahmt

Gut zu erkennen ist das an der Notierung des US-Dollars. Gegenüber dem Euro verliert er weiter an Wert: Der Euro notiert mittlerweile bei fast 1,09 US-Dollar. Damit zeigen die Anleger, dass sie ein schnell ansteigendes Niveau der Leitzinsen in den USA und damit verbunden ein starkes Wirtschaftswachstum nicht mehr in dem Masse erwarten, wie in den ersten Monaten des Jahres. Zum Franken büsst der «Greenback» seit Ende Februar ebenfalls an Wert ein.

Auch der US-Leitindex Dow Jones zeichnet ein ungewohntes Bild: Er gibt zuletzt ungefähr 3 Prozent seit dem Allzeithoch Anfang März ab. Damit ist der steile Aufwärtstrend seit der Präsidentschaftswahl Anfang November gebrochen.

Steigende Unruhe an den US-Börsen

Während die Aktienmärkte also abgeben, legt ein anderer Index zu. Nämlich der sogenannte Angst-Index, der zeigt, dass die Sorgen an die Finanzmärkte zurückkehren. Der VIX misst die Volatilität des US-Leitindex S&P 500 und ist erstmals seit Ende 2016 wieder über den 200-Tage-Durchschnitt geklettert:

Damit steigt der Wert von knapp 11 vor einigen Tagen auf jetzt etwa 14,5 — ein Zuwachs von etwa 30 Prozent. Zwar liegt der Index noch deutlich unter seinem historischen Durchschnitt von 20, aber der Trend ist klar erkennbar: Anleger erwarten eine deutlich höhere Volatilität an den Börsen und damit steigende Unsicherheiten.

Anlegern wird das Risiko bewusst

Insgesamt ist es nicht verwunderlich, dass die Erwartungen an höhere Schwankungen grösser wird, je höher die Kurse steigen. Doch zuletzt war davon keine Spur — erst jetzt scheint den Anlegern das Risiko bewusst zu werden.

Dazu passend kam es am vergangenen Dienstag zum Ende einer fast schon unheimlichen Serie: Der Dow Jones und der S&P 500 haben an 110 Handelstagen keinen Tagesverlust von 1 Prozent oder höher verzeichnet. Vergangenen Dienstag ging es dann 1,1 beziehungsweise 1,2 Prozent abwärts für die beiden Indizes. Gut möglich also, dass auch entsprechende Kursbewegungen nach unten wieder zur Normalität für Anleger werden.

Dieser Artikel erschien zunächst bei Business Insider Deutschland unter dem Titel «Berüchtigter Angst-Index: Die Märkte könnten vor einem neuen Erdbeben stehen».

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