An der Schweizer Börse ist in diesem Herbst ein wahres Emissions-Feuerwerk entbrannt. Seit Anfang Oktober wurden 84 neue Exchange Traded Funds (ETF) gelistet. Davon geht über die Hälfte auf das Konto von Schweizer Neuling Commerzbank: Mit einem Paukenschlag hat die Bank am 4. November mit 51 Emissionen den Markteintritt vollzogen. Damit umfasst die Produktepalette an der SIX 259 Vehikel.

Auffällig an den neuen Produkten ist: Die Anbieter konzentrieren sich immer mehr auf Nischenprodukte. So basieren über 20 der Commerzbank-Vehikel auf Sektoren aus dem DJ Euro Stoxx. «Die Nachfrage ist beschränkt, die Fondsvermögen werden nicht riesig», sagt Jakob Baur, CEO von Fundexplorer. Doch die Commerzbank will sich ebenfalls eine Scheibe vom Schweizer ETF-Kuchen abschneiden. Dabei setzt sie wohl auf den First-Mover-Vorteil. Laut Baur macht nämlich in der Regel das First-Mover-Produkt rund die Hälfte der Volumen für sich aus. Der zweite Anbieter kommt dann noch auf rund einen Drittel und die nachziehende Konkurrenz macht das dünne Kuchenstück, das übrig bleibt, unter sich aus.

Viele Fonds sind nicht rentabel

Nun gibt es in der Schweiz mittlerweile schon sechs Anbieter, welche Index-Fonds auf den SMI anbieten. Damit ist diese Wiese bereits mehr oder weniger abgegrast. «Es gibt relativ viele Fonds, die rund 20 bis 30 Mio verwaltete Kundenvermögen verbuchen. Die sind nicht rentabel», sagt Baur. Meistens würden diese Produkte durch andere «Blockbuster»-Vehikel des Anbieters und andere Einnahmequellen quersubventioniert. Und so geht die Rechnung dann unter dem Strich wieder auf.

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Stellt sich die Frage, wo in der Schweiz noch unbesetzte Nischen zu finden sind: So sind etwa Produkte auf die Schweizer Währung oder Unternehmensanleihen erst schwach abgedeckt. «Viele Vermögensverwalter vermissen hier ETF», berichtet der Experte. Als möglichen Grund für das Manko bei Obligationen-ETF ortet er das fehlende Produkt-Know-how. Zusätzlich ist die Handelbarkeit der Underlyings, verglichen mit den grossen Aktienindizes, schwieriger. Die meisten Neuanbieter von ETF starten deshalb mit Aktienindizes. Weiteres Potenzial besteht auch bei den short-ETF, die auf fallende Kurse setzen. Für Privatanleger sind diese Produkte zwar ungeeignet, institutionellen Anlegern eröffnen sie jedoch neue Möglichkeiten. Mittlerweile kann nämlich sowohl der «Core»- als auch der «Satellite»-Ansatz von Institutionellen mit ETF abgedeckt werden.

Baur geht davon aus, dass sich die Produkteflut dieses Herbsts weiter fortsetzt. In Deutschland sind nämlich bereits rund 600 ETF gelistet. Diese werden jedoch von Schweizer Anlegern oft verschmäht. Investoren haben häufig eine Hemmschwelle, über die Grenze hinaus zu sehen. Die meisten Anleger ziehen heimische Produkte jenen eines ausländischen Börsenplatzes vor.

Dass das Wachstumspotenzial im Bereich ETF immens ist, haben laut Baur mittlerweile auch die Banken eingesehen: «Viele Banken berichten uns, dass sie nicht um den Einsatz von ETF herumkommen.» Von der Rentabilität her seien aktive und passive Produkte nämlich durchaus vergleichbar. Für neue Anbieter lohnt sich der Schritt in die Schweiz jedoch nur für Grossbanken mit einem grossen Privatbanking.

ETF mit null Prozent Gebühr

Dass die Total Expense Ratio (TER) nur ein Bestandteil dessen ist, was die Banken an den beliebten Index-Fonds verdienen, geht oft vergessen. Eine wichtige Einnahmequelle ist nämlich auch das Market Making. Das lässt auch das Beispiel Deutsche Bank erahnen: Seit Juli führt das Institut ein Produkt auf den DJ Euro Stoxx 50 mit 0% Gebühren im Sortiment.