DERIVATE. Die grossen Kursgewinne wurden in diesem Jahr an den Börsen in Fernost gemacht: Der Hang-Seng-Index in Hongkong stieg um 50%, der ebenfalls in Hongkong berechnete China-Enterprise-Index verdoppelte sich genauso wie der Index von Schanghai. Der Shenzen-Gesamtindex verdreifachte sich gar.

Der 30%-Anstieg in Taipeh und Seoul oder das 25%-Plus an den Börsen von Sydney, Singapur, Kuala Lumpur oder Bangkok wirken da vergleichsweise bescheiden.

Put-Preise sind am Steigen

Mit den gestiegenen Indexständen stellt sich für Anleger die Herausforderung, die erreichten Gewinne abzusichern. Die einfachste Variante ist der schlichte Verkauf der Index-Papiere. Hier besteht indes das Risiko, die Fortsetzung der Hausse zu verpassen. Eine zweite Variante ist der Kauf von Puts auf die wichtigsten Indizes. Die Put-Preise sind laut den Analysten von Goldman Sachs in den letzten zwei Wochen jedoch weiter gestiegen. Dabei spielt einerseits die implizite Volatilität (erwartete Schwankungsbreite von Basiswerten) eine Rolle, andererseits auch die gestiegene Nachfrage nach einer Absicherung. «Es ist schwierig, in Asien günstige Absicherungen zu bekommen», bemerken die Analysten dazu. Je nach Index muss mit 6 bis 9% für eine 98%-Absicherung über drei Monate gerechnet werden. Eine Alternative zur Absicherung über Index-Puts bilden Puts auf bestimmte Währungspaare wie den australischen Dollar zum japanischen Yen oder den neuseeländischen Dollar zum Yen. Hier liegen die Kosten mit 2,5 bis 3% für eine Absicherung deutlich niedriger als bei den Index-Puts.

Ein Auge auf die Carry Trades

Eine Absicherung von Aktienindizes über Währungsputs scheint auf den ersten Blick unüblich – Basiswert und Derivat stimmen nicht überein. Das kann Probleme verursachen, wenn der Wertzuwachs beim Absicherungsvehikel den Verlust beim Index nicht kompensieren kann. Die Analysten von Goldman Sachs argumentieren mit den relativ hohen Korrelationen zwischen einzelnen Währungspaaren und der Aktienkursentwicklung in bestimmten Ländern. So zeigt sich eine hohe Korrelation von 78 zwischen den Währungspaaren australischer Dollar/Yen und neuseeländischer Dollar/Yen und dem MSCI-Index für den asiatisch-pazifischen Raum. Das heisst: Je stärker sich die Aktienmärkte entwickeln, desto stärker sind auch die beiden Dollarwährungen gegenüber dem Yen. Ein Instrument, das diese Aktienmärkte absichert, muss also im Wert steigen, wenn die Aktien fallen – und der Yen gegenüber den beiden Währungen steigt. Diesen hohen statistischen Zusammenhang führen die Analysten auf die seit September wieder eingesetzten Carry Trades zurück. Dabei verschulden sich Anleger in Tiefzinswährungen wie dem Yen und legen das Geld in Hochzinswährungen wie dem australischen und dem neuseeländischen Dollar an. Im September wurde so viel in den Yen investiert wie seit zwei Jahren nicht mehr. Aus optionstechnischer Sicht sind Währungs-Puts aufgrund der niedrigen impliziten Volatilität attraktiv. Diese Volatilität liegt mit 14% für den australischen Dollar/Yen und 17% für den neuseeländischen Dollar/Yen weit unter den 30 bis 50%, die bei den Index-Optionen gegenwärtig eingepreist werden. Ein Put auf asiatische Indizes kostet mehr als doppelt so viel wie ein Währungsput. Und bei den beiden letzten Korrekturen Ende Februar/Anfang März sowie im Sommer haben sich Währungs-Puts gegenüber den Index-Puts laut der Analyse von Goldman Sachs als überlegen erwiesen.

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Beschränktes Angebot

Aufgrund der nicht perfekten Passung zwischen dem MSCI-Aktienindex für den asiatisch-pazifischen Raum sowie den beiden Währungspaaren empfehlen die Analysten, die Währungs-Puts lediglich als Ergänzung, aber nicht als gänzlichen Ersatz für Index-Optionen einzusetzen. An der SWX sind zwar Optionen auf etliche Währungspaare zum Franken, Dollar und dem Euro erhältlich. Die Kombination von Yen mit den beiden Dollarwährungen fehlt jedoch. Von den einschlägigen Internetplattformen, die solche Puts massgeschneidert anbieten, ist aufgrund von Transparenzproblemen aber eher abzuraten.