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Gazprom hat Wachstumspotenzial

Calls auf den russischen Konzern Gazprom versprechen ein besonders attraktives Chancen-Risiko-Verhältnis.

Von Matthias Niklowitz
am 10.10.2007

DERIVATE. Dass die Rohölpreise weiter steigen, sehen Anleger spätestens bei ihrem nächsten Tankstopp oder beim Auffüllen des Heizöltanks. Etliche Investoren sind in den letzten drei Jahren bei Rohölderivaten eingestiegen – den Wertpapieren, nicht bei den Ölfraktionen. Allerdings haben sich diese Produkte unterschiedlich bewährt: Calls auf einzelne, bestimmte Rohölkontrakte funktionieren gut, Tracker auf den Rohölpreis aufgrund der Rollover-Transaktionen bei Kontrakterneuerungen und den daraus entstehenden Kosten relativ schlecht.

Eine Alternative zum Rohöl als Basiswert selber sind die Calls auf Aktien vielversprechender Rohölfirmen. Die Analysten der HSBC empfehlen deshalb den Kauf von Calls auf Aktien von Firmen mit besonders hohen Wachstumsperspektiven wie dem russischen Öl- und Gaskonzern Gazprom. Zunächst die Fundamentaldaten: Aufgrund der ständig steigenden Durchschnittspreise – sie liegen unter Ausklammerung der schlagzeilenträchtigen Spitzen tie-fer als die aktuellen Notierungen knapp über der 80-Dollar-Marke – und der sich daraus ergebenden Gewinnausweitung haben die Analysten ihr 12-Monats-Kursziel für die Gazprom-ADRs von 52 auf 60 Dollar nach oben gesetzt. Das ist gut ein Drittel über den aktuellen Notierungen. In diese Prognose fliessen auch weitere Faktoren wie die Ausweitung der Gasproduktion in der Yamal-Gegend und eine Reduktion der Steuerbelastung mit ein. Im Vergleich zu den russischen Vergleichswerten wird die Gazprom-Aktie mit einem Abschlag zwischen 20 und 24% gehandelt, aber generell sind die russischen Werte günstiger bewertet als ihre westlichen Konkurrenten. Das liegt auch am politischen Umfeld. Bei der HSBC glaubt man aber, dass bei staatlich kontrollierten Unternehmen wie Gazprom alle politischen Veränderungen im Vor- und Umfeld der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im Dezember 2007 und März 2008 für den Aktienkurs prinzipiell förderlich sind. Natürlich gibt es auch Risiken: Eine Verzögerung beim Yamal-Projekt, aus dem Ruder laufende Investitionen oder ein abrupter Fall der Rohöl- und Gaspreise zählen hierzu. Um diese Konstellation optimal zu nutzen, empfehlen die Analys-ten von HSBC eine «Call Spread»-Strategie, die den Kauf von Calls und den Verkauf von Calls mit gleicher Laufzeit, aber unterschiedlichem Ausübungspreis umfasst. Weil ein Leerverkauf von verbrieften Calls für Privatanleger nicht möglich und auch eine höchst kostspielige Variante ist, sollten sich Kleinanleger auf den «reinen» Call-Teil der Empfehlung beschränken. Diese lautet auf eine Laufzeit bis Juni 2008 und basiert auf einem Ausübungspreis bei 50 Dollar. Allenfalls grosse institutionelle Investoren können Aktienpakete mit dem Verkauf von Calls und Puts bewirtschaften. An der SWX hat Goldman Sachs acht Calls auf Gazprom ausstehend. Der Call GAZBF passt mit einem Ausübungspreis von 50 Dollar und Verfall am 20. Juni perfekt in dieses Szenario. Die beiden im Dezember auslaufenden Scheine GAZPB und GAZPE erscheinen mit Ausübungspreisen bei 60 und 75 Dollar als sehr aggressiv ausgestaltet, der Call GAZBE ist als einziger der kurz laufenden Scheine «am Geld». Längerfristig disponierende Anleger sind zudem mit GAZBG und GAZBH gut bedient, diese Scheine laufen erst Ende 2008 aus. Vier Mini-Futures hat zudem die Bank ABN Amro emittiert. Diese open end konstruierten Produkte haben Stop-Loss-Kurse zwischen 33.80 und 47. 40 Dollar. Hier gilt: Je weiter der Knock-out-Level vom aktuellen Kurs entfernt ist, desto «sicherer» ist das Produkt. Mini-Futures blenden den Einfluss der Volatilität auf die Preisfestlegung aus.Etwas Überwachung erfordern auch die strukturierten Produkte, die neben Goldman Sachs die Bank Leu und HSBC herausgebracht haben, zumal die Gazprom-Aktie nur teilweise mit anderen russischen Energiewerten zusammengefasst worden ist. Bei den Produkten, die Gazprom mit Lukoil und Surgutneftegaz zusammen fassen, bewegen sich die Kurse einigermassen gleichförmig. Schwieriger abzuschätzen sind die Chancen und Risiken bei heterogenen Konstrukten, wo teilweise mit Norisk Nickel ein solides Rohstoff-, aber kein Rohölwert beigemischt wurde. Dieses Leu-Produkt ist als «worst-of»-Zertifikat ausgestaltet, die am schlechtesten laufende Aktie bestimmt also über das Auszahlungsprofil. Alle Calls, Mini-Futures und die strukturierten Produkte hängen auch am Dollarkurs, der für den Gazprom-ADS relevant ist. Der Dollarpreis sollte in ein Gesamtkalkül einbezogen werden – weil sonst auch bei interessanten Scheinen auf attraktive Basiswerte nur ein Teil der Performance im Portemonnaie der in Franken rechnenden Anleger bleibt.

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