Haben Sie sich schon für Macau angemeldet?

Albert Baehny: Für was?

Dort findet im Herbst der WTO-Summit statt ? die Gipfelkonferenz der World Toilet Organization.

Baehny: Ach so. Geberit wird präsent sein. Ich persönlich nehme nicht teil.

2008 ist das Uno-Jahr der sanitären Grundversorgung ? sozusagen ein Geberit-Jahr.

Baehny: Ja und nein. Kurzfristig hat das Uno-Jahr keinen relevanten Einfluss. Langfristig dagegen schon. Die aktuelle Situation bei der weltweiten sanitären Grundversorgung ist dramatisch: Rund 2,5 Mrd Menschen ? also knapp ein Drittel der Weltbevölkerung ? haben keinen Zugang zu Toiletten.

Aber Schwellenländer wie China und Indien streben jetzt gewaltige Investitionen an. Will Geberit lieber die Margen schonen, statt Entwicklungshilfe zu leisten?

Baehny: In China beschäftigen wir zwar bereits 500 Mitarbeiter in zehn Verkaufsbüros. Aber man muss realistisch bleiben: In diesen Schwellenländern, vor allem in den ländlichen Regionen, sind gewaltige Anstrengungen nötig, damit Unternehmen wie Geberit mit ihren hochwertigen Produkten einen Absatzmarkt finden. Es bieten sich für uns interessante Möglichkeiten, aber es braucht Zeit.

Wer wartet, verpasst Chancen.

Baehny: Wir warten nicht. Ein Beispiel: Jedes Land verfügt über eigene Normgruppen für Sanitärprodukte. In aufstrebenden Ländern wie China und Indonesien etwa stellen wir den Behörden unser Wissen zur Verfügung, wenn es um die Festlegung und Umsetzung solcher Normen geht.

Welche Entwicklungsländer stehen ganz oben auf Ihrer Prioritätenliste?

Baehny: Ganz Asien ist zentral für uns. In Singapur beispielsweise sind wir mit unserer eigenen Vertriebsmannschaft direkt im Markt aktiv. In anderen Märkten wie Vietnam und den Philippinen haben wir Agenten, die exklusiv für uns arbeiten und mit unserer Hilfe versuchen, die Normsetzung zu beeinflussen.

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Welche Länder Asiens stehen im Fokus?

Baehny: Die grössten Wachstumsimpulse sehen wir in China, Vietnam und Indonesien.

Die jährlichen Wachstumsraten der Region Asien liegen, wenn auch auf tiefem Niveau, bei 30%. Setzt sich dieser Trend fort?

Baehny: Wir gehen davon aus, dass wir in allen unseren Emerging Markets ? das sind Mittel- und Osteuropa, Mittlerer Osten und Asien ? jedes Jahr zweistellige Wachstumsraten generieren können.

Jedes Jahr?

Baehny: Ja, aber mittelfristig und im Durchschnitt gesehen. Denn natürlich wird es immer Höhen und Tiefen geben.

Und 2008?Baehny: Wir sind zuversichtlich. Für genauere Informationen auf Länderstufe ist es jedoch noch zu früh.Ihr Jahresresultat hängt stark von der Entwicklung im Hauptmarkt Deutschland ab, wo Geberit 2007 einen Drittel des Umsatzes erzielte. Welche Signale empfangen Sie aktuell?

Baehny: Wir sind in Deutschland klar schwächer gewachsen als in anderen Märkten, haben aber für die Gruppe trotzdem eine sehr gute Marge liefern können. Das beweist, dass wir eine temporäre Schwäche in Deutschland ausgleichen können.

Allerdings mussten Sie gewaltige Anstrengungen vollbringen. Baehny: Natürlich müssen die übrigen Märkte gut laufen, damit wir Deutschland überkompensieren können.Nochmals: Wie läuft Deutschland?

Baehny: Was ich zur allgemeinen Marktsituation ? nicht zu Geberit ? sagen kann, ist Folgendes: Der Nicht-Wohnungsbaumarkt ist nach wie vor gesund, sowohl im Neubau- als auch im Renovationsgeschäft. Der Wohnungsbaumarkt ist bei den Neubauten schwach, der Renovationsbereich entwickelt sich seitwärts bis negativ.

Ihr Erzrivale Viega drängt in grosse Renovationsprojekte im Wohnungsbaumarkt ? etwa die Sanierung von Überbauungen in Ostdeutschland.

Baehny: Wir sind nicht bereit, Aufträge zu tiefen Preisen zu akquirieren. Jedes Projekt muss profitabel sein.

Was interessiert Sie?

Baehny: Beispielsweise Erweiterungsbauten auf Flughäfen, neue Krankenhäuser, Sanierungen von Schulen und so weiter.

Im nördlichen Teil Deutschlands fällt auf, dass Geberit in öffentlichen Gebäuden deutlich weniger präsent ist als der Platzhirsch Viega.

Baehny: Es ist richtig, dass wir im Norden noch Expansionspotenzial sehen.

Geberit lancierte im 1. Quartal 2008 eine Vielzahl neuer Produkte. Wie läuft der Auftragseingang?

Baehny: Der Markt nimmt unsere neuen Produkte sehr stark wahr. Beispiel Deutschland: Im 1. Quartal 2008 haben wir über 900 Events für insgesamt 40000 Installateure durchgeführt. Und glauben Sie mir: Ein Installateur verschwendet seine knappe Zeit nicht für Produktpräsentationen, die ihn nicht interessieren. Ähnliche Events haben wir auch in anderen europäischen Ländern durchgeführt. Das Echo der Grosshändler und der Installateure war hervorragend.

Welche Produkte werden ein Renner?

Baehny: Unsere Design-Spültasten der Sigma-Reihe werden sehr gut laufen, da sind wir sicher. Ebenfalls ein Erfolg wird der erste Unterputzspülkasten, der sich ganz ohne Werkzeuge installieren lässt.

Konkurrent Viega setzt seit Jahren auf Design bei WC-Spültasten, Dusch- und Badewannenabläufe und hat dafür viele Branchenpreise eingeheimst. Hinkt Geberit hinterher?

Baehny: Natürlich nicht. Aber: Wir müssen noch deutlicher kommunizieren, welche unserer Produkte technologisch führend sind und welche im Bereich Design an der Spitze stehen.

Werden wir künftig noch mehr Design-Produkte von Geberit sehen?

Baehny: Ja. Wir arbeiten bereits an neuen Serien für Spültasten, Ablaufsysteme und Duschrinnen.

Die finanzielle Lage von Geberit ist nach wie vor hevorragend. Wann setzen Sie Ihre freien Mittel ein?

Baehny: Unsere bevorzugte Lösung ist nach wie vor eine Kombination aus Aktienrückkauf und gezielten Akquisitionen. Wir haben eine Liste mit Zielgesellschaften.

Wie lang ist die Liste?

Baehny: Nicht sehr lang.

Es wird schwierig sein, Unternehmen zu finden, die so profitabel sind wie Geberit.

Baehny: Das stimmt. Deshalb sind wir bereit ? beziehungsweise gezwungen ?, eine gewisse Margenverwässerung zu akzeptieren. Die Herausforderung ist, die Profitabilität einer Zielgesellschaft innert nützlicher Frist auf unser Niveau zu heben.

Geberit weist in einem Technologiebereich eine Lücke auf, und zwar im stark wachsenden Push-Fit-Markt ? diese Rohrleitungsstücke können ganz ohne Werkzeuge «zusammengesteckt» werden.

Baehny: Dafür sind wir im ebenfalls stark wachsenden Press-Fitting-Bereich tätig, wo Rohrverbindungen mit einen Druckwerkzeug zusammengefügt werden.

Warum die Lücke beim Push-Fit?

Baehny: Warten Sie ab.

Sie wollen hier zukaufen?

Baehny: Kein Kommentar.

Dann werden Sie früher oder später Neuigkeiten präsentieren.

Baehny: Es ist richtig, dass wir diesen Technologiebereich nicht ignorieren.

Was sind die Vorteile des Push-Fits?

Baehny: Push-Fit-Rohrverbindungen lassen sich einfach und rasch montieren, weil ? im Gegensatz zu Press-Fittingen ? kein Werkzeug benötigt wird.

Dann können Installateure mit Push-Fit mehr Zeit und damit Geld sparen.

Baehny: Ja.

Wo liegen die Nachteile?

Baehny: Ich möchte den Wettbewerb nicht kommentieren. Fakt ist, dass die Palette an Push-Fit-Installationssystemen heute kleiner ist als bei den Press-Fittingen.

Als Ergänzung wäre Push-Fit für Geberit also sehr interessant.

Baehny: Es wäre nicht uninteressant, ja.

Sie haben im 1. Quartal 2008 eine glänzende Ebitda-Marge auf Gruppenstufe abgeliefert. Welche Faktoren bedrohen Ihre hohe Profitabilität 2008?Baehny: Die hohen Rohwaren- und Energiepreise sowie eine sinkende Nachfrage auf unseren Märkten.Welche Rohwaren bereiten Ihnen Schwierigkeiten auf der Preisseite?

Baehny: Die Preise für Industriemetalle ? Kupfer, Edelstahl und Legierungen ? sind stark gestiegen. 55% unserer Materialkosten betreffen die Industriemetalle.

Werden Sie den Anteil der Produkte, die aus Industriemetallen sind oder solche enthalten, weiter reduzieren beziehungsweise substituieren?

Baehny: Das ist ein Teil unserer Strategie. Wir wollen mit allen Produkten ? inklusive derjenigen aus Metall ? aber auch spürbar wachsen und damit die Preiserhöhungen durch zusätzliches Absatzvolumen wett- machen.

Wo können Sie Preiserhöhungen auf die Kundenseite rasch überwälzen?

Baehny: Unsere Preise für WC-Spültasten sind beispielsweise weniger preisempfindlich als diejenigen für Rohrleitungssysteme.

Die neuen Produkte, die Sie im 1. Quartal 2008 lanciert haben, dürften im Vergleich zu ihren Vorgängern etwas teurer sein. Sehen wir schon im 1. Halbjahr 2008 einen Einfluss auf der Ertragsseite?

Baehny: Nein, so schnell geht das nicht. Über die Zeit wird es unter Umständen einen positiven Effekt haben, möglicherweise bereits auf das Gesamtjahr 2008.

Kann es 2008 zu weiteren selektiven Preiserhöhungen kommen?

Baehny: Das hängt von der Entwicklung der Rohwarenpreise ab. Wenn die Kosten stark ansteigen, werden wir Preiskorrekturen durchführen müssen.

Gibt es bereits Anzeichen dafür?

Baehny: Es ist sehr schwierig, Prognosen abzugeben. Wir gehen aber davon aus, dass sich Stahl im laufenden Jahr verteuern wird.

Könnten Sie mit Einkaufspools Abhilfe schaffen?

Baehny: Wir wollen unseren Einkauf nicht mit anderen Unternehmen bündeln, weil wir flexibel bleiben wollen und gegenüber unseren Konkurrenten keine Transparenz bei den Einkaufspreisen schaffen wollen.

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