Nach Jahren mit Wachstumsraten von über 20% zeichnet sich in der Medizinaltechnik-Branche eine Stabilisierung ab. Dies gilt insbesondere für den Dentalimplantate-Markt, der in den USA konjunkturbedingt leicht schwächelt, und in Schweden, wo der Markt in den vergangenen Quartalen aufgrund der abwartenden Haltung der Patienten auf eine Veränderung in der Rückerstattungspolitik gar geschrumpft ist. Diese wurde zugunsten der Patienten angepasst und sollte sich nun entsprechend positiv auf das Umsatzwachstum der Dentalimplantate-Hersteller auswirken.

Längerfristig gehen Branchenkenner zwar wieder von einer Aufhellung der Lage aus, doch dürften die Marktausweitung kaum mehr die alten Werte erreichen. Erwartet wird zwar weiterhin ein zweistelliges Wachstum, dieses dürfte sich aber im Bereich von durchschnittlich 15% einpendeln. Höhere Wachstumsraten dürften wohl einzig aus den Emerging Markets kommen.

Die angepassten Wachstumsschätzungen wirken sich auf die Bewertung der Schweizer Zahnimplantate-Hersteller Nobel Biocare und Straumann aus und sorgen in jüngster Zeit an der Börse für fallende Kurse. Während für die beiden Marktführer vergangenes Jahr noch ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 30 bezahlt wurde, gelten heute schon deutlich tiefere KGV als teuer.

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Dass die beiden Schweizer Medtech-Firmen am Finanzmarkt kaum vom Fleck kommen, hängt aber nicht nur mit den angepassten Marktprognosen zusammen. Insbesondere Nobel Biocare leidet unter hausgemachten Problemen (Managementwechsel, Lagerbestandsanpassungen bei vereinzelten Kunden), die mehrere Anpassungen der Prognosen zur Folge hatten, die wiederum bei den Investoren zu einem Vertrauensverlust geführt haben. «Nobel Biocare hat immer wieder enttäuscht. Nun muss das Unternehmen erst den Beweis erbringen, dass es wieder auf dem Weg der Besserung ist und die Ankündigungen erfüllen kann», sagt etwa Beatrice Kunz, Analystin bei Clariden Leu. Bereits vorweggenommen hat Nobel Biocare ein schwaches 2. Quartal (ähnlich dem 1. Quartal). Das Augenmerk der Investoren gilt deshalb vor allem den Prognosen für das 2. Semester und dem Wiederaufbau des Vertrauens.

Auch Straumann konnte im 1. Quartal 2008 die Erwartungen der Analysten nicht ganz erfüllen und musste den Ausblick, unter anderem wegen Währungseffekten, leicht nach unten revidieren. Noch immer liegt dieser beim Umsatzwachstum in Lokalwährungen im unteren bis mittleren 20%-Bereich, wobei Ersteres aus heutiger Sicht eher wahrscheinlich erscheint und von Straumann auch erreicht werden sollte.

Orthopädie weniger sensitiv

Besser als die Konkurrenz aus der Dentalimplantate-Branche steht der Orthopädiekonzern Synthes da. Das Geschäft mit Nägeln und Schrauben für die Unfallchirurgie, den Implantaten für die Wirbelsäulenbehandlung und Schädeldefekte ist weniger konjunktursensitiv. Und auch operativ kann der Konzern auf eine gute Entwicklung zurückblicken.

Dass der Aktienkurs trotzdem seitwärts tendiert, hängt mit der inzwischen stattlichen Bewertung von Synthes zusammen, aber auch mit der wenig aktionärsfreundlichen Ausschüttungspolitik des Unternehmens. Laut Marktexperten könnten vor allem eine Übernahme oder ein Aktienrückkaufprogramm den Titeln zu neuem Schwung verhelfen.

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