Mit der Keytrade Bank, einer Tochter der Crédit Agricole, kämpft seit kurzem ein weiterer Anbieter um Marktanteile im Schweizer Online-Brokerage. Das Institut hat sich die Schweiz ausgesucht, weil hier das Preisniveau im europäischen Vergleich noch als relativ hoch gilt. Im Stammland Belgien konnte die Keytrade Bank bereits von einem bedeutenden Kundenzustrom von den Grossbanken profitieren. Das Unternehmen erhofft sich auch in der Schweiz als eine unverbrauchte Alternative bei enttäuschten Anlegern etablieren zu können.

Das Zielpublikum der Keytrade Bank umfasst drei Kundentypen: Die sehr aktiven Heavy Trader, Kunden, die ihr Portefeuille selber managen wollen und professionelle Vermögensverwalter. Gerade für sie sind Online-Plattformen interessant, weil sie durch die niedrigeren Gebühren ihre Rendite verbessern können.

Direkter Angriff auf Swissquote

«Die Services der Keytrade Bank und Swissquote sind sehr ähnlich», behauptet Thierry Ternier, CEO der Keytrade-Bank-Gruppe in Brüssel, «nur sind wir günstiger.» Das werde vorerst auch so bleiben. «Aus unseren eigenen Erfahrungen in Belgien wissen wir, dass der Marktleader seine Preise nicht so schnell anpassen kann», so Ternier.

Die Keytrade Bank möchte jedoch nicht in erster Linie Swissquote die Kunden abjagen, sondern neue Anleger anziehen. «Wenn die Plattform überzeugt, erreichen wir die Kunden schnell», so Ternier. Er setzt sich deshalb das Ziel, in zwei Jahren einen beachtlichen Marktanteil zu halten.

Marktführer will expandieren

Marc Bürki, CEO der Swissquote Bank, begegnet der neuen Konkurrenz gelassen. «In jedem Land gibt es einen klaren Marktführer, es ist schwer, sich gegen diesen durchzusetzen, das hat man bereits in Deutschland und Frankreich gesehen», so Bürki.

In der Schweiz sieht der bisher unbestrittene Marktführer Swissquote ein Potenzial von 420 000 Kunden, 220 000 davon sind bereits Kunden von bestehenden Anbietern davon über 120 000 bei Swissquote. «Wir möchten vom verbleibenden Kundenpotenzial unseren Marktanteil von 50% verteidigen», sagt Bürki. Das Ziel sind also weitere 100 000 Kunden. Um dies zu erreichen, wird Swissquote das Dienstleistungsangebot weiter ausbauen. An den Preisen nimmt das Unternehmen keine Änderungen vor. «Mit uns wollen Kunden Geld verdienen. Damit das möglich ist, muss das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen», sagt Bürki.Die Pläne von Bürki gehen unterdessen in eine andere Richtung: Bei Swissquote könnte man sich vorstellen, ein profitables Unternehmen im Ausland zu übernehmen. In Frage kommt jedoch nur ein lokaler Marktleader nach Bürkis Definition ein unabhängiges Institut, das mit einer Bankenlizenz ausgestattet ist. Allerdings bereitet sich der Swissquote-CEO auf einen steinigen Weg vor. «In einem Land Fuss zu fassen ist schwierig, es braucht Marketingpower, und hohe regulatorische Hürden sind zu überwinden.» Zudem sei das Investitionsverhalten der Anleger in jedem Land unterschiedlich. «Anleger, die von einer Schweizer Grossbank genug haben, gehen kaum zu einer Tochter einer ausländischen Bank», sagt Bürki. Das Lokalkolorit einer Bank spielt für den Kunden eine wichtige Rolle.

Saxo Bank baut weiter aus

Ausländische Anbieter sehen dies hingegen nicht so eng. «Uns freut die Konkurrenz, mehr Teilnehmer sind ein Beweis für das Wachstumspotenzial des Marktes», so Søren Mose, CEO der Saxo Bank Schweiz. Die dänische Bank hat in der Schweiz etwa 10 000 Online-Kunden, Tendenz steigend. «Viele Kunden haben ihr Vermögen verloren und dennoch für Beratungen bezahlt. Jetzt wollen sie das Heft selbst in die Hand nehmen», so CEO Mose.

Das Unternehmen möchte im ganzen deutschsprachigen Raum weiter zulegen. Dazu verlagert die Saxo Bank weitere Mitarbeiter von Kopenhagen nach Zürich. 70% des Umsatzes werden dabei heute schon durch das Partnergeschäft, unter anderem mit White-Label-Kunden, generiert. Die Partner benützen die Technologie-Plattform, die Kunden landen am Ende bei der Saxo Bank.

Das grösste Potenzial sieht die Bank denn auch in diesem Bereich nicht zuletzt, weil auch viele Hedge-Fonds Kosten sparen müssten.

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