Ganz hinten rechts in der Messehalle waren sie zu finden, die Vertreter von Goldminen wie African Queen Mines, Cooper Minerals, KIG Mining oder New Africa Mining – mit ihren kleinen Ständen und Stehtischchen in hartem Kontrast zu den grossen Lounges der Derivateanbieter.

Umso grösser die Versprechungen der Aussteller am «Themenpark Rohstoffe» der internationalen Anlegermesse IAM in Düsseldorf: Diamanten aus Liberia, Uran aus Namibia, Rohöl aus Jemen oder aus der Mongolei und kanadisches Molybdän zu fördern – und die Anleger reich, sehr reich zu machen.

Überzogene Renditeversprechen

Lautstark unterstützt wurden die Vertreter dieser kleinen Aussteller durch Heiko Thieme, der «als international anerkannter Anlagestratege» (Katalogtext) bzw. «einer der grössten Geldvernichter der Fondsindustrie» («Manager-Magazin») über Rohöl bei 200 Dollar und Goldpreise bei 2000 Dollar referierte. Börsenguru Thieme füllte vor einigen Jahren noch ganze Säle, jetzt folgten knapp 20 Besucher seinen Ausführungen.

Deutlich mehr waren es hinten links in der Halle. Dort wurde bei einigen Präsentationen vor dubiosen Anlagen, speziell gerade im Rohstoffbereich, gewarnt. An der Messe selber gab es dafür ein anschauliches Beispiel: Eine Minengesellschaft, die auf einer Gold-ader von (selber) geschätzten 2,5 Mio Unzen sitzt, brüstet sich damit, dass sie für 500 Dollar pro Unze Gold fördern könne. Bei einem Preis von 700 Dollar pro Aktie entspreche das einem Vermögen von 500 Mio bzw. 10 Dollar pro IMA-Aktie. Da ist viel Spielraum nach oben, oder? Denn aktuell kostet die IMA-Aktie 27 Cent.

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«Genau solche überzogenen Renditeversprechen sind ein sicheres Anzeichen für zwielichtige Anlagen», warnte Michael Brack vom Landeskriminalamt Nord-rhein-Westfalen. Seit 2005, also pünktlich mit dem Beginn der Rohstoffhausse an den Finanzmärkten, kommen ständig mehr geschädigte Anleger zu ihm. Sie erlebten unter anderem Kursmanipulationen bei wertlosen oder nach oben getriebenen Penny-Stocks. Die Schäden gehen in die zwei- oder dreistellige Millionenhöhe.

Dazu nur die bekannteren Fälle: Beim Phoenix Kapitaldienst waren 28000 Anleger um 700 Mio Euro geschädigt worden, bei Prime Folsom wurden Anleger mit 14% «sicherer» Rendite pro Jahr geködert, und beim Frick Börsendienst wurden 80 Mio Euro Forderungen aufgrund des Verdachts von Kursmanipulationen sichergestellt. Viele dubiose Aktien sind überdies an der kanadischen Börse CNQ gelistet.

Weniger auf Rendite als vielmehr auf die Sicherheitsnetze wiesen die Vertreter etablierter Derivateemissionshäuser bei ihren Produkten auf Rohstoffe hin. Die Korrektur beim Gold von 20% und die beim Rohöl bei 30% hat in vielen Depots von Kleinanlegern Spuren hinterlassen – denn etliche waren noch eingestiegen, als diese beiden Leitrohstoffe kurz vor ihren Höchstständen lagen. Immerhin reduziert der inzwischen wieder um 10% gestiegene Dollar die Buchverluste etwas.

Baskets bieten Kompromiss

Gefragt sind deshalb auch Kapitalschutzprodukte wie COMCO oder GSCIB, die auf den breiten Commodity-Index von Goldman Sachs lauten. Solche Indizes sind eine defensivere Anlage als einzelne Rohstoffe wie Rohöl, Gold, Industriemetalle oder Getreidesorten, die viel stärkeren Schwankungen unterliegen. Gleich diese vier Basiswerte (Gold, WTI-Rohöl, Sojabohnen und Aluminium) fasste beispielsweise Julius Bär in einem Commodity-Basket mit 95% Kapitalschutz zusammen. Und schon fast Kultstatus haben die Indizes von Jim Rogers. ABN Amro bietet drei Index-Tracker auf dessen RICI-Enhanced-Index an, einer technischen Verfeinerung des ursprünglichen Produktes, die es inzwischen auch in einer Agrargüter- und in einer Industriemetall-Variante gibt.

Und auch seriös gemanagte Minen bzw. die Derivate auf ihre Aktien können als Einzelinvestments attraktiv sein. Auf Xstrata sind 20 Hebelprodukte ausstehend. ABN Amro und Clariden Leu haben je zwei Barrier Reverse Convertibles emittiert. Barrick Gold, Newmont Mining, Kinross Gold Corp. sind in etlichen Renditeoptimierungsprodukten, meistens vom «Worst of»-Typ, vertreten. Barrick Gold alleine kommt auf über 80 Calls und Puts und acht strukturierte Produkte wie Discounter oder Capped-Bonus-Produkte.

Einen guten Kompromiss zwischen kleinen, aufstrebenden Minen und den grossen Weltmarktführern bietet ein Produkt wie die Emerging Miners Baskets EMINU oder EMINC, bei denen die Credit Suisse kleinere, vielversprechende Minenwerte zusammenfasst. ABN Amro hat Minen auch in Platin- und Silberminen zusammengefasst (MINCH, MINUS, SILID, SILUCH), Merrill Lynch ebenfalls Minenwerte im Tracker XPTWG vereint, und die UBS hat einen Metall- und Minenindex inklusive Tracker mit dem eingängigen Kürzel MINES ausstehend.

Diese Produkte versprechen zwar nicht die Renditen, welche die kleinen Aussteller an Anlegermessen in Aussicht stellen. Käufer müssen sich indes auch nicht bei der Polizei melden, weil sie getäuscht worden waren.