Nachdem der US-Finanzminister Timothy Geithner Details zum neuen Rettungspaket für die US-Banken bekannt gab, schossen die Kurse der Finanztitel in die Höhe. Citigroup ging 20% höher aus dem Handel, Bank of America 27% und JP Morgan avanciert um 25%. Auch die Schweizer Bankaktien zeigen seit Wochenbeginn aufwärts. Die Valoren der UBS legten am Montag um 3% und jene der Credit Suisse um 5,8% zu.

Käufer werden noch gesucht

Mit der Unterstützung privater Investoren will die US-Regierung faule Kredite und Ramschpapiere aufkaufen. Zunächst sollen giftige Papiere im Wert von 500 Mrd Dollar gekauft werden. In einem nächsten Schritt kann das Programm auf bis zu 1 Billion Dollar ausgeweitet werden.Ziel von Geithner ist es, die Banken von den Altbeständen zu befreien, um den Kreditfluss und damit die Konjunktur wieder in Gang zu bringen. Im Mittelpunkt des Paketes steht ein «Public-Private Investment Program»: Private Investoren wie Hedge-Fonds, Vorsorgeeinrichtungen oder Versicherer sollen mit Hilfe des Staates den Banken toxische Papiere abkaufen.

Der Kaufpreis wird mittels einer Auktion bestimmt und an den Meistbietenden verkauft, für einen hohen Anteil des Preises garantiert der Fiskus.

Kritisches Echo auf das Paket

Trotz der deutlichen Kursavancen im Finanzsektor: Das Echo der Ökonomen auf das neue Bankenhilfsprogramm fällt skeptisch aus (siehe «Nachgefragt» unten). Pessimistisch ist auch der amerikanische Ökonom und Nobelpreisträger Paul Krugman. So schreibt er in seinem Blog: «Ich befürchte, dass die Regierung, wenn der Plan misslingt - und das wird er ziemlich sicher - ihr Pulver verschossen hat.» Auch Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär, sieht Gefahren des Hilfspakets: «Der US-Staat will einen Markt schaffen für toxische Papiere, die niemand haben will.» Deshalb kaufe sie die Papiere den Banken selbst ab und werde sich damit zwangsläufig stark verschulden, so der Ökonom. Das kann den Investoren rund um den Globus nicht egal sein.

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Nach wie vor tragen die USA einen Fünftel zur Weltwirtschaft bei. Damit ist die ganze Welt abhängig vom US-Finanzmarkt, dem Dollar und dem amerikanischen Absatzmarkt. Eine Auswirkung des jüngsten Hilfsprogrammes sind Ängste vor einer massiven Staatsverschuldung - und damit steigende Inflationssorgen.

Zwar schätzen die meisten Ökonomen in der kurzen bis mittleren Frist die Gefahr einer Deflation als grösser ein. Dies, obwohl die Notenbanken die Leitzinsen massiv gesenkt haben. Doch bald sind ihnen die Hände gebunden: Tiefer als null können die Zinsen nicht sinken. Weil die Banken das Geld nicht in Form von Krediten in Umlauf bringen, steigt die effektive Geldmenge nicht wie gewünscht an.

Doch wenn die Wirtschaft wieder anzieht und das Misstrauen im Markt schwindet, dürfen die Notenbanken den richtigen Moment nicht verpassen, um die Liquidität aus dem Markt zu schaufeln. Gelingt dies nicht, was viele Beobachter befürchten, besteht die Gefahr einer Inflation.Insbesondere für Aktieninvestitionen ist Inflation Gift. Denn erhöhen die Zentralbanken als Gegenmassnahme die Zinsen, fallen die Kurse. Andererseits zeigen bei steigenden Zinsen häufig auch die Rohstoffpreise aufwärts, gewissermassen als Nebenwirkung des Wirtschaftsaufschwungs. Und damit sind Rohstoffe auch ein Instrument für die Absicherung gegen Inflation.

Reale Werte gegen Teuerung

Zwar dürften sich die Ölpreise kurzfristig noch seitwärts bewegen. Doch: «Wer sich langfristig gegen Inflation absichern will, kann in Öl investieren», sagt Alessandro Bee, Ökonom bei der Bank Sarasin. Eine Kaufgelegenheit seien jetzt ausserdem inflationsgeschützte Anleihen, so Bee weiter. Weil kurzfristig eine Deflation wahrscheinlicher ist als eine Inflation, seien die Papiere günstig zu haben. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Anleihe wird der Anleger für den inflationsbedingten Wertverlust während der gesamten Laufzeit der Anleihe entschädigt.

Acket empfiehlt Anlegern, sich mit realen Werten, also Gold oder Edelmetallen, gegen Abwertungen zu schützen. «Sogar in Deflationszeiten kann Gold zu einer gewissen Beruhigung, also zu einer Werterhaltung des Portfolios, beitragen», so der Ökonom.

Auch Immobilien gelten als Absicherung gegen Inflation. Gerade Schweizer Investoren fahren hier gut: Der heimische Immobilienmarkt ist im Vergleich zum Ausland nicht überteuert.