Während die Schweizer Politik immer noch das Rückzugsgefecht um die Herausgabe der Daten von 4500 UBS-Kunden austrägt, ist der Finanzplatz längst mit Hochdruck daran, nichtdeklarierte «schwarze» Gelder aus dem Ausland in steuerkonforme «weisse» Vermögen zu verwandeln. Steuertransformation heisst dies im Jargon - und diese ist derzeit schwer gefragt.

«Die Nachfrage steigt ganz klar», sagt Fritz Kaiser, Executive Chairman der liechtensteinisch-schweizerischen Kaiser Ritter Partner, die sich als Pioniere in diesem Geschäft hervorgetan haben. Auch bei den ebenfalls auf die Steuertransformation spezialisierten swisspartners - Mehrheitsaktionärin ist hier die an der SIX kotierte Liechtensteinische Landesbank LLB sagt Partner Olaf Gierhake: «Es hat keine Beruhigung der Lage gegeben.»

Unverjährbares Delikt?

Zwar stellt Gierhake immer noch fest, dass sich die Besitzer undeklarierter Vermögen mit einer sofortigen Selbstanzeige schwer tun. Die Schwarzgeldthematik lasse sich jedoch nicht aussitzen, die Risiken seien heute bereits zu hoch. So ist der Eindruck, dass die EU-Länder derzeit durch die Euro-Krise und die USA wegen der Ölpest abgelenkt sind, höchstens ein medialer. «In diesem Moment wertet ein Heer von spezialisierten Teams in Europa und den USA allerlei Daten aus, um Steuersünder zu überführen», sagt Kaiser. «Für mutmassliche Steuerdelinquenten und ihre Helfer wächst das Risiko, erwischt zu werden.»

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Und den vom Fiskus Ertappten droht zunehmend Ungemach. Ennet der Schweizer Grenze etwa plant Baden-Württemberg zusammen mit Bayern eine Initiative, um die Voraussetzung der strafbefreienden Selbstanzeige zu verschärfen. Das bestätigt ein Sprecher des baden-württembergischen Finanzministeriums auf Anfrage. Und auf Bundesebene wird in Deutschland erwogen, die Verjährung von Steuerdelikten zu verlängern oder gar ganz auszusetzen.Das sind keine guten Nachrichten für den Offshore-Standort Schweiz, wo Schätzungen zufolge bis 700 Mrd Fr. Euro an nicht deklarierten Vermögen lagern - allein aus den Ländern der EU.

Oder ist alles halb so schlimm? Die diskrete Begleitung zurück in die Legalität und die steuerliche Betreuung von Vermögen sind nämlich durchaus lukrativ: Für die Hilfe in der Not und das Aufzeigen einer Zukunftsperspektive sind die Kunden gerne bereit, etwas mehr zu bezahlen. «Eine moderne Vermögensverwaltung muss nicht nur Vermögen gewinnbringend anlegen, sondern auch in rechtlicher und steuerlicher Sicht Vorteile für den Kunden finden», sagt Gierhake von swisspartners. Nur auf diese Weise können sich Schweizer Finanzdienstleister von den Banken im Staat des ausländischen Kunden abheben. «Das Ziel muss letztlich sein, das gesamte Vermögen des Kunden mit guten Gründen in die Schweiz zu holen», so Gierhake.

In dieser Hinsicht könnte sich gerade die Euro-Krise als Segen erweisen. Reiche Europäer bringen vermehrt ihre Vermögen in die Schweiz. Die DZ Privatbank Schweiz, eine Tochter der deutschen DZ Bank, wirbt im Zürcher Hauptbahnhof grossflächig um solche Kunden. Mit Erfolg, sagt deren Chef Richard Manger. «Die Neugelder im 1. Quartal 2010 haben sich gegenüber der Vorjahresperiode verdoppelt.» Die Schweiz sei eine wichtige Destination zur Diversifikation gerade grosser Vermögen, so Manger. Beim Wettbewerb um die Kunden spielt die DZ Privatbank dabei gezielt ihr Wissen über die steuerlichen Anforderungen in Deutschland aus.

Aufbruchstimmung

Haben die Auslandsbanken hier einen Vorsprung, bemühen sich auch die Grössen der Schweizer Privatbankenszene verstärkt um das neue Geld aus dem Ausland. So plant Vontobel neu eine eigene SEC-regulierte Einheit für die Betreuung der Kunden aus den USA. Kaiser Ritter Partner Financial Advisors beraten US Kunden und hiesige Vermögensverwalter von Zollikon ZH aus. UBS, Credit Suisse und Pictet bieten solche Dienste ebenfalls an.

Brasilien: Reaktion auf Tauziehen mit USA

Kaum rückt im Steuerstreit mit den USA eine Lösung in Griffweite, eröffnet sich für die Schweizer Finanzdienstleister eine neue Front: Brasilien hat die Schweiz auf eine schwarze Liste von Steueroasen gesetzt.

Das wachstumsstarke Schwellenland ist für das Schweizer Offshore-Banking eine wichtige Destination - beobachtet aber die dort aktiven Institute schon länger mit Argusaugen. So wurde schon 2008 ein Banker der Credit Suisse wegen Geldwäschereiverdachts vorübergehend festgenommen. Die Credit Suisse hat mit dem Kauf von Heding Griffo vor drei Jahren das Vermögensverwaltungsgeschäft am Zuckerhut forciert und zu einem «sehr wichtigen Standbein» aufgebaut. Zudem unterhält die Grossbank ein bedeutendes Investment Banking in Brasilien. Alle Bereiche seien aber voll «compliant», sagt Sprecher Marc Dosch.

Klar in der Sache äussert sich Siegfried Peyer, CEO der Hyposwiss Privatbank in Zürich, die seit Jahrzehnten südamerikanische Kunden betreut. «Für alle im Offshore-Geschäft mit Brasilien tätigen Schweizer Banken ist es natürlich nicht gut, dass Brasilien die Schweiz auf eine schwarze Liste gesetzt hat.» Peyer vermutet, dass das Tauziehen um den Staatsvertrag mit den USA Brasilien zum jüngsten Schritt bewogen haben könnte. «Im Ausland entsteht der Eindruck, die Schweiz spiele auf Zeit», so Peyer. Allerdings rechnet er nicht damit, dass das Beispiel Brasiliens nun auch bei anderen südamerikanischen Ländern Schule mache.

Südamerikanische Kunden suchten in der Vergangenheit meist nicht die Steuerarbitrage, sondern legten einen Teil ihres Vermögens aus Sicherheitsgründen in der politisch stabilen Schweiz an.(sg)