Ab sofort ist der erste Exchange Traded Fund (ETF) auf den Geldmarkt in der Schweiz handelbar. Die Société-Générale-Tochter Lyxor hat den Lyxor ETF Euro Cash lanciert. «Dieser ETF ist ein Instrument, um in Eurobarbestände anzulegen», umwirbt Roger Bootz, Head of Lyxor ETF Switzerland, die Investoren.

Und Anlagen auf den Geldmarkt stehen derzeit bekanntlich hoch im Kurs der Investoren. Das Konkurrenzprodukt der Deutschen Bank, das jedoch nicht in der Schweiz kotiert ist, verzeichnet rekordhohe Geldzuflüsse. Alain Picard, Verantwortlicher für ETF an der SIX Swiss Exchange, kann sich «absolut vorstellen», dass noch weitere Produkte auf den Geldmarkt lanciert werden. Auch bei Obligationen und Themenprodukten wie Wasser erwartet er Neuzugang.

Das Interesse an Obligationen sei enorm, man arbeite an Produkten, die 2009 auf den Markt kämen, heisst es auf Anfrage etwa bei der Marktführerin iShares. Nicht nur von der Produktseite – auch bei den Anbietern ist zusätzliche Konkurrenz im Anmarsch. «Wir sind mit ein bis zwei Emittenten in Kontakt, welche 2009 im Markt aktiv werden wollen», sagt Picard. Auch bei ETSF (Exchange Traded Structured Funds), bisher eine Vontobel-Domäne , sei man mit «ein paar Anbietern» im Gespräch. Er rechnet damit, dass ETF 2008 einen Umsatzzuwachs von über 30% im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen werden. Das Marktumfeld spricht derzeit für die beliebten Index-Fonds. Sie gelten als günstig, transparent und profitieren von ihrem Fonds-Mantel. Im Falle der Insolvenz des Anbieters sind nämlich die Gelder des ETF als Sondervermögen geschützt. Was viele Anleger jedoch nicht wissen: Nicht nur Derivate – auch ETF können ein Gegenparteienrisiko bergen. Wenn auch ein sehr beschränktes.

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Anbieter von ETF haben nämlich verschiedene Möglichkeiten, ihre Indizes nachzubilden. Der «klassische» ETF repliziert den Index durch «volle Replikation», also durch die Investition in die dem Index zugrunde liegenden Wertpapiere. Die Zusammensetzung des Sondervermögens entspricht daher nahezu eins zu eins dem Index. Tiefere Transaktionskosten – dafür ein höherer Tracking Error – ergeben sich bei der repräsentativen Abbildung. Hier wird nicht der ganze Index, sondern Einzelwerte nachgekauft, welche das Gesamtportfolio repräsentieren. Beide Methoden bergen kein Gegenparteienrisiko. In der Schweiz wählen UBS und CS diese Strategie. Beide haben eine kleine Palette von zehn respektive acht Produkten.

Maximal 10 Prozent sind gefährdet

Gegenparteienrisiken können hingegen ETF mit «synthetischer Replikation», die etwa Lyxor, ABN Amro, Deutsche Bank und teilweise auch iShares anbieten, beinhalten. Die Strategie funktioniert folgendermassen: 90% des Fondsvermögens werden in einen Aktienkorb investiert. Maximal 10% fliessen jedoch in Swaps. Das sind Tauschvereinbarungen, welche die Gegenpartei, also eine Investmentbank, verpflichten, die Indexrendite an den ETF zu zahlen. Sollte die Investmentbank aber ausfallen, so sind im Ernstfall maximal 10% des Fondsvermögens gefährdet. «In der Praxis beträgt dieses Risiko jedoch meist nur 2–3%», sagt Picard. Diese Strategie wird dann gewählt, wenn eine volle Replikation nur durch sehr hohe Transaktionskosten möglich ist. So hat etwa der MSCI World zu viele Mitglieder, als dass er eins zu eins abgebildet werden könnte.

IShares, der Schweizer Marktführer, bietet sowohl reduzierte ETF als auch solche mit synthetischer Replikation an. «Wir verzeichnen durchaus, dass Kunden kein Gegenparteirisiko eingehen wollen und Full-Replikation bevorzugen», so Gabriela Utz Jakobsen, Business Development Officer iShares Schweiz.