Wann knackt der Goldpreis endlich wieder die Marke von 1000 Dollar? Diese Frage beschäftigt inzwischen nicht nur die Profiinvestoren, sondern auch hiesige Sparer haben die Preisentwicklung ständig im Blick.

Ein anderes Edelmetall ist hingegen völlig vom Radar der Kleinanleger verschwunden. Silber fristet derzeit ein Mauerblümchendasein. Zu Unrecht. Denn unter Profis gilt Silber als «gehebelte Goldwette»: In der Regel entwickelt sich das billigere der beiden Edelmetalle zwar in die gleiche Richtung wie der grosse Bruder, weist dabei aber deutlich höhere Schwankungen auf. Die Entwicklung der vergangenen sechs Monate belegt das eindrucksvoll. Unter dem Strich ging es bei beiden Metallen seitwärts. Die zwischenzeitigen Ausschläge waren beim Silberpreis aber deutlich stärker - nach oben und nach unten.

Noch Widerstände zu knacken

Eine gewisse Abhängigkeit ist nicht zu leugnen. «Silber sollte nicht losgelöst von Gold betrachtet werden», rät deshalb Jörg Scherer, technischer Analyst bei HSBC Trinkaus. Nach seinen Analysen laufen beide Edelmetalle gerade in eine charttechnische Entscheidungssituation hinein, die bald aufgelöst werden könnte. Der saisonal bei Gold und Silber traditionell starke Herbst sei dabei ein Argument für einen Ausbruch nach oben, dem dann nach Einschätzung des Chartanalysten eine sprunghafte Bewegung folgen dürfte. Beim Silberpreis müssten für den ganz grossen Wurf allerdings erst diverse Widerstände zwischen 14 und 16 Dollar überwunden werden, bevor die Luft nach oben wirklich frei ist.

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Spektakuläre Sprünge trauen fundamental orientierte Rohstoffanalysten der Feinunze kurzfristig nicht zu. Selbst auf Sicht von gut einem Jahr wird «nur» ein Anstieg auf 16 bis 17 Dollar in Aussicht gestellt, was gegenüber dem aktuellen Niveau immerhin ein Plus von rund 20% bedeuten würde. Begründet werden die grundsätzlich positiven Aussichten mit der anhaltend hohen Investorennachfrage. Wobei auch hier der Bezug zu Gold nicht fehlen darf. «Steigt der Goldpreis, sollte auch der Silbermarkt Mittelzuflüsse verbuchen», heiss es etwa bei der Credit Suisse, die damit klar ausdrückt, dass auch die Anlegerstimmung in Bezug auf Silber stark von der Goldpreisentwicklung und der damit verbundenen Nachfrage der Anleger abhängt.

Steuern als Preistreiber

Aber auch vonseiten der Fundamentaldaten gibt es erste positive Nachrichten. Die DZ Bank geht davon aus, dass sich auch die Silbernachfrage aus der Industrie in den kommenden Monaten verbessert, nachdem zuletzt ein Boden gefunden wurde. Wann sich das auswirkt, bleibt abzuwarten. Für dieses Jahr jedenfalls rechnet die Credit Suisse noch mit einem Angebotsüberschuss wegen der relativ starken Minenförderung und des schwachen industriellen Verbrauchs. Zudem wird die erwartete Anhebung der Importbesteuerung auf Silber im wichtigen Abnehmerland Indien als Risikofaktor angesehen. Bleibt also vor allem die Hoffnung auf ein weiter steigendes Anlegerinteresse sowie den Goldpreis.