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Wall Street
Geld für Waffen: Der Druck auf die Finanzbranche steigt

Waffenladen in den USA
Waffenladen in den USA: Tiffany Teasdale-Causer posiert in ihrem Laden mit dem Sturmgewehr AR-15.Quelle: Keystone

Die Protestwelle gegen Waffengewalt hat die Finanzwelt erfasst. Erste Wall-Street-Institute gehen auf Distanz zu Waffenfirmen.

Veröffentlicht am 16.04.2018

An Geschäften mit Waffenfirmen störte sich die US-Finanzindustrie bislang wenig. Nach einer Vielzahl an Amokläufen in den USA und insbesondere nach dem Massaker, bei dem am 14. Februar 17 Menschen an einer High School in Parkland im US-Bundesstaat Florida erschossen wurden, geraten nicht nur die Waffenbranche, sondern nun auch ihre Geldgeber unter Druck. 

Zunehmend kritisiert werden Investitionen und Geschäftsbeziehungen von Vermögensverwaltern und Banken. Mit Blackrock, Citigroup und Bank of America zogen drei Schwergewichte erste Konsequenzen. 

Erste Konsequenzen angekündigt 

«Wir wollen auf jede uns mögliche Art dazu beitragen, diese Massaker zu reduzieren», sagte die Bank-of-America-Managerin Anne Finucane letzte Woche dem US-Sender Bloomberg TV. Deshalb werde man kein Geld mehr an Unternehmen verleihen, die Schusswaffen im militärischen Stil zum zivilen Gebrauch fertigten. Gemeint sind damit martialische Sturmgewehre wie das AR-15, die häufig bei Amokläufen eingesetzt werden. 

Es sei ermutigend, dass sich die Bank der Gruppe von Unternehmen anschliesse, die sich dafür einsetzten, Amerika sicherer zu machen, sagte Avery Gardiner von der Brady Campaign, einer der bekanntesten Initiativen gegen Waffengewalt. 

Citigroup reagiert

Im März hatte mit der Citigroup bereits eine andere US-Grossbank auf die Proteste nach dem Parkland-Massaker reagiert. Die viertgrösste US-Bank beschloss, Geschäftspartnern aus dem Detailhandel den Verkauf von Waffen an Kunden unter 21 Jahren zu verbieten und ihnen vorzuschreiben, alle Käufer durch sogenannte Background-Checks zu überprüfen. 

Auch den Handel mit Schnellfeuermagazinen und sogenannten Bump Stocks, mit denen halbautomatische Waffen zu Maschinenpistolen umgerüstet werden, will die Citigroup untersagen. Mit Hilfe solcher Vorrichtungen hatte ein Amokläufer im Oktober mehr als 50 Menschen in Las Vegas erschossen. 

Neue Fonds

Was Citigroup und Bank of America bislang angekündigt haben, ist jedoch bei näherer Betrachtung alles andere als radikal. «Warum würde jemand helfen wollen, Sturmwaffen zu finanzieren, die regelmässig für Amokläufe genutzt werden», bringt die Aktivistin Gardiner von der Brady Campaign die eigentliche Selbstverständlichkeit der Massnahmen auf den Punkt. Bump Stocks zu verbieten und konsequente Background-Checks zu fordern, seien ebenfalls keine besonders mutigen Schritte. 

Der Finanzriese Blackrock sorgte jüngst ebenfalls für Schlagzeilen, indem er Investmentfonds unter Ausschluss von Herstellern und Händlern von zivilen Schusswaffen versprach. Neben einer Reihe neuer Anlageprodukte sollen künftig auch einige bestehende Fonds ohne Waffenfirmen auskommen. Dadurch fliegen Detailhändler wie Walmart oder Dick's Sporting Goods aus einigen Portfolios des mit 6,3 Billionen Dollar an Anlegergeldern weltgrössten Vermögensverwalters. Im Februar hatten mit State Street und Blackstone schon zwei andere Fondsriesen ihre Engagements bei der Waffenindustrie hinterfragt. 

(sda/ise/mbü)

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AR-15: Ein Sturmgewehr in zivilen Händen.

Nicht nur Banken und Fondsgesellschaften bringt die öffentliche Diskussion unter Erklärungsdruck. Der oberste New Yorker Rechnungsprüfer Thomas DiNapoli verschickte kürzlich Briefe an die Chefs grosser Finanzfirmen wie Mastercard, Visa, American Express oder Wells Fargo, um sich zu erkundigen, wie ein System zum Erschweren von Waffenkäufen mit Kreditkarten installiert werden könnte. 

DiNapolis Wort hat Gewicht. Er ist für die Finanzen des drittgrössten US-Pensionsfonds zuständig, der Mittel zur Altersvorsorge von öffentlichen Angestellten des Bundesstaates New York verwaltet. 

Wohl kein grosses Umdenken 

Doch ob es wirklich zu einem grossen Umdenken an der Wall Street kommt, darf durchaus bezweifelt werden. Die Entscheidungen von Blackrock und Co. könnten zwar die vielen anderen Finanzfirmen und Banken unter Zugzwang bringen, die sich bislang um das Thema herumdrücken. Aber allein schon am riesigen Anlagevolumen des Vermögensverwalters selbst wird rasch ersichtlich, dass die angekündigten «waffenfreien» Fonds eigentlich kaum ins Gewicht fallen.

So bleibt Blackrock etwa einer der grössten Aktionäre führender Waffenschmieden wie Sturm Ruger oder Smith & Wesson. Um ein politisches Statement handelt es sich ohnehin nicht, man habe lediglich auf Kundenwünsche reagiert, hiess es von Blackrock.

(sda/ise)