Ende letzten Jahres bekräftigten die Notenbanken der USA, Europas und der Schweiz ihre Tiefzinspolitik. Wird das billige Geld 2013 die Teuerung anheizen?

Nannette Hechler-Fayd’herbe: Wir haben moderate Inflationserwartungen für 2013. In Europa ist die Arbeitslosigkeit mit der Ausnahme von Deutschland noch so hoch, dass kein Inflationsdruck ent­stehen kann. In den USA ist die wirtschaftliche Erholung weiter fortgeschritten. Aber die Kapazitäten sind nicht voll ­ausgelastet.

 

Die Teuerung ist also kein Problem?

Hechler-Fayd’herbe: Kurzfristige Infla­tionsschübe könnten dieses Jahr wohl höchstens wegen geopolitischer Risiken im Mittleren Osten und steigender ­Ölpreise aufkommen. Längerfristig ist die Unsicherheit über die Konsequenzen der ultraexpansiven Geldpolitik jedoch deutlich höher. Es ist also sinnvoll, einen ­gewissen Inflationsschutz in Investitions­anlagen einzubauen.

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Die tiefen Zinsen haben Aktien bisher viel Schub gegeben. Ist die Decke inzwischen erreicht?

Hechler-Fayd’herbe: Wir raten dazu, Aktien überzugewichten. Dividenden­papiere profitieren vom anhaltenden Tiefzinsumfeld 2013, und die Bewertungen sind im Vergleich zu Anleihen attraktiv. Unternehmungen halten ausserdem viel Cash in den Bilanzen. Bei abneh­mender Risikowahrnehmung wird dieses Geld entweder über Dividenden und ­Aktienrückkäufe an die Eigner zurück­fliessen oder in wachstumsorientierte Märkte und Übernahmen investiert. ­Wir sehen daher für Investoren sowohl ­Chancen bei Dividendenwerten wie auch bei zyklischen Titeln.

 

Anleihen hatten in den letzten Monaten einen guten Lauf. Warum sollten Anleger auf diese verzichten?

Hechler-Fayd’herbe: Wir haben auf sechs bis zwölf Monate Anleihen unterge­wichtet. Die Realzinsen sind bei einigen Staatsanleihen aus entwickelten Ländern negativ. Zudem bildeten sich die Kredit­aufschläge so weit zurück, dass die ­Ertragserwartungen für die meisten ­Anleihen 2013 wohl im tiefen einstelligen Bereich liegen dürften. Die besten Möglichkeiten dürften immer noch in selek­tiven Bankanleihen mit Bonitätsratings von AA und A oder Unternehmens­anleihen mit Ratings von A bis BB liegen.

 

Die meisten Anleger halten sich sowieso in Barpositionen auf der Seitenlinie.

Hechler-Fayd’herbe: Es sollte zwischen Cash zur Deckung von künftigen Verbindlichkeiten oder Risiken und Barmitteln in einem aktiven Investitionsportefeuille unterschieden werden. Die ­Cashquote in einem Portefeuille sollte aufgrund der unattraktiven Verzinsung tief gehalten werden. Der Realwertverlust auf Bargeld liegt zwischen 0,5 und 1,5 Prozent.

 

Ausser in Bares flüchteten Vermögende auch in Renditeliegenschaften. Ist das künftig wegen des massiven Preisanstiegs in der Schweiz überhaupt noch sinnvoll?

Hechler-Fayd’herbe: Das Zinsumfeld sollte vorläufig sehr positiv für höher ­rentierende Anlagen wie Immobilien bleiben. Die Aussichten für das Wirtschaftswachstum sind solide und der ­Anlagedruck von Institutionellen bleibt hoch. Die hohe Bautätigkeit stellt mittelfristig aber ein gewisses Risiko dar; ­ausserhalb der Zentrumslagen besteht die latente Gefahr eines Überangebots.

 

Wer längerfristig investiert, könnte auch alternative Anlagen wie ausserbörsliche Werte ins Auge fassen. Wo sehen Sie hier Chancen?

Hechler-Fayd’herbe: Es ist wichtig zu ­erwähnen, dass einige dieser Anlagen über geringe Liquidität verfügen und ­somit eher als passive Komponente im Portefeuille geeignet sind. Das Markt­umfeld für Hedgefonds etwa ist für die nächsten zwölf Monate positiv einzuschätzen. Auch für Private Equity ist der Ausblick konstruktiv. Andere alternative Anlagen, insbesondere reale Werte, werden ebenfalls zunehmend zur Vervollständigung von Portefeuilles eingesetzt.