In den letzten Monaten schnitten westliche Börsen teils besser ab als Schwellenlandmärkte. Was spricht denn jetzt für die aufstrebenden Regionen?
R. James Breiding:
Der Vergleich zwischen den verschiedenen Anlageklassen spricht für Aktien. Zudem entwickeln sich viele Konjunkturindikatoren positiver als angenommen. Die Konjunkturlage verbessert sich. Sei es nun das Gesamtbild in China, die Lage in den USA oder der Baltic Dry Index – man spürt, dass ein neuer Zyklus beginnt. Wenn sich der Trend fortsetzt, dann sieht es gut für die Schwellenländer aus.

Einzelne Länder wie Indien spürten aber bisher nicht viel von diesem Trend, oder?
Indien hat gute Voraussetzungen; es gibt aber Schwellenlandmärkte, welche noch günstiger sind. Insgesamt verfügen die aufstrebenden Börsen über ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10, die Gewinnprognosen liegen bei 14 Prozent. Historisch ist es ein günstiger Zeitpunkt, um in solche Aktien zu investieren.

Welche Länder favorisieren Sie?
Südkorea etwa hat ein Kurs-­Gewinn-Verhältnis von 8 und Gewinnprognosen von 20 Prozent. Besonders ­interessant erscheinen uns jedoch die ­sogenannten Frontier-Märkte. So sind etwa Bangladesch, Sri Lanka oder auch Vietnam, aber auch Peru und Kolumbien ­allesamt interessanter als etwa Indien.

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Schwellenlandaktien sind vielleicht tief bewertet − doch wie hoch ist das Risiko?
Die Liquidität ist nicht vergleichbar mit derjenigen in anderen Märkten. Auch darf man sich von der ­Volatilität nicht einschüchtern lassen und die Nerven nicht verlieren. Die Märkte sind eher unbekannt, das macht sie ja auch günstig. Auch Brasilien und Indien waren einst unbekannt. Wir gehen davon aus, dass die Zukunft in der nächsten Welle der Schwellenländer zu finden ist.

Dafür ist jedes Risiko in Kauf zu nehmen?
Afrika ist insgesamt sehr inte­ressant, aber Staaten wie der Kongo sind für uns zu riskant. Ghana hingegen ist spannend. Die Bevölkerung ist im Durchschnitt nicht einmal 22 Jahre alt und das Land ist reich an Rohstoffen. In Südamerika bieten Kolumbien und Peru Poten­zial. Bangladesch wiederum entwickelt sich zum Produktionsstandort der Weltwirtschaft. Dadurch wird das Land Investitionen anlocken.

In welche Titel soll man investieren?
Wir investieren viel in multi­nationale Konzerne, die an den Börsen dieser Staaten gelistet sind. Wir sind etwa gut damit gefahren, in die Schwellenland­titel von Nestlé zu investieren. Das Unternehmen hat beispielsweise Tochtergesellschaften in Sri Lanka, Indien und ­Nigeria. Nestlé Nigeria hat seit 2002 eine Rendite von 1200 Prozent erreicht. Die Schweizer Nestlé-Aktie hat im selben Zeitraum rund 50 Prozent an Wert gewonnen und ist damit immer noch eine der stärksten Schweizer Aktien.

Gibt es neben Nestlé weitere Beispiele?
Wir haben in die pakistanische Niederlassung der Pharmafirma Abbott investiert. Sie ist in diesem Bereich die Nummer zwei in Pakistan. Sicher ist das Land politisch umstritten, doch auch ­seine Bewohner brauchen eine medizi­nische Versorgung. Die Firma verfügt ­zudem über eine vorbildliche Unternehmensführung.

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Sollen Anleger diese Titel direkt kaufen?
Am besten eignen sich spezialisierte Fonds. Die Aktien direkt zu kaufen ist meist nicht einfach.

Gibt es weitere Tipps, wenn man in exotische Märkte investieren will?
Nigeria hat 200 Millionen Einwohner und Nestlé verfügt dort bei der Kindernahrung über einen Marktanteil von 71 Prozent. Man hat bei vielen europäischen Firmen gesehen, wie schwer es fällt, den Umsatz zu steigern. Mit Restrukturierungsmassnahmen können diese den Kurs kurzzeitig bewegen, aber dann muss etwas kommen. Die Firmen werden erst besser bewertet sein, wenn sie profitabler sind und die Gewinne steigern.