Die Kurse der europäischen Aktienindizes gehen immer weiter in den Keller. Weshalb sollte ein Anleger noch investieren?
Rory Bateman: Sicher, die Probleme der Euro-Zone müssen gelöst werden – doch das ist machbar. Europäische Institutionen verfügen über die richtigen Werkzeuge. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie greifen.

Was meinen Sie damit?
In den letzten Jahren haben die Institutionen nur mit dem Knüppel gedroht, ihn aber nicht benutzt. Das hat der Anlegerstimmung in Europa geschadet. Die Institutionen sollten proaktiver sein. Denn Europa hat beachtliche Vorteile. Die Schuldenlast ist kleiner als in Japan oder den USA und die Bewertungen sind fast schon auf historischen Tiefstständen von 1982 und 2009.

Bereitet Ihnen der Euro keine Sorgen?
Ich glaube nicht daran, dass die Euro-Zone auseinanderbricht. Die ­Investoren müssen nur Geduld auf­bringen, dann kommen wieder bessere ­Zeiten.

Welchen Einfluss haben die Wahlen in Griechenland auf die Märkte?
Ich glaube, die Griechen wollen den Euro behalten. Die Alternative wäre eine Katastrophe für die Griechen und für die restlichen Euro-Staaten. Wenn die Wahlen vorbei sind, wird vieles klarer sein. Doch die aktuelle Unsicherheit wird durch den Zustand der spanischen Banken noch vergrössert. Dieses Problem wird sich nicht so schnell lösen lassen. Doch die Märkte preisen eine Katastrophe ein, und ich glaube nicht, dass es die Politik so weit kommen lässt.

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Ist es nicht frustrierend, dass die Politik derzeit die Märkte dominiert und die ­richtige Auswahl der Aktien kaum noch eine Rolle spielt?
Das ist sehr frustrierend. Wir erzielen die Mehrrendite gegenüber dem Index durch die richtige Auswahl der ­Aktien. Das ist momentan sehr schwierig. Seit April entwickeln sich die Sektoren beinahe gleichlaufend. Wir fokussieren uns daher auf Unternehmen, denen es blendend geht und die nicht von der Euro-Zone abhängig sind.

Geben Sie eine Empfehlung ab?
Es gibt solche Unternehmen. Wir können aber leider keine Empfehlungen für Einzelwerte abgeben.

Welche Aktien sind denn günstig?
Viele südeuropäische Titel sind sehr günstig bewertet. Sie sind aber ­gewissen Risiken ausgesetzt – etwa wenn die Einnahmen hauptsächlich aus dem Heimmarkt stammen. Es gibt aber auch tolle Firmen mit internationaler Ausrichtung ohne schwerwiegende Euro-Risiken. Diese Titel können derzeit viel günstiger gekauft werden als vergleichbare Unternehmen aus anderen Kontinenten. In ­solche Werte wollen wir investieren.

Wo sind diese zu finden?
Wir sind stark in Nordeuropa, vor allem in Grossbritannien sowie in ­Skandinavien, investiert. Wir halten aber auch Aktien aus Frankreich und Deutschland.

Investieren Sie auch in die Schweiz?
In der Schweiz befinden sich einige der besten Firmen der Welt. Ja, sicher investieren wir hier.

In welchen Sektoren sehen Sie derzeit das grösste Potenzial?
Wir setzen in unserem Portfolio auf Wachstumstitel. Wir sind bei Indus­triewerten, Luxusgütern und Pharma­aktien übergewichtet. Wir setzen weniger stark auf Energie- und Telekomwerte. Die Einnahmen der Telekomfirmen kommen unter Druck und die Energiewerte werden stärker reguliert.

Wo werden die Aktienindizes SMI und Eurostoxx 50 Ende des Jahres stehen?
Es ist schwer abzuschätzen, wie lange die Märkte brauchen, um sich zu erholen. Doch die Situation, in der wir uns heute befinden, werden wir in fünf Jahren als grossartige Ausgangslage ­ansehen.

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Rory Bateman, Schroders Anlagechef Aktien Europa