Für alle Aktienanleger, die angesichts stürzender Kurse noch nicht kapitulieren wollten, gab es immer noch eine Hoffnung: Die Dividende.

Doch nun trübt sich auch bei der sicher geglaubten Ausschüttung der Ausblick. Dramatisch sind die Zahlen aus den USA. Dort haben im vergangenen November 91 der meistkapitalisierten Firmen ihre Dividenden gesenkt – nur 1958 wurde ein noch höherer Wert erreicht. Der Grund dafür ist klar: Wegen des wirtschaftlichen Abschwungs rechnen die Unternehmen mit weniger Gewinn, der weitergegeben werden kann. Und damit sind sie nicht alleine.

Für das Jahr 2009 haben die Analysten ihre Gewinnschätzungen in den letzten vier Wochen um 10% revidiert. Dies sei eine Herabstufung von historischem Ausmass, so Anastassios Frangulidis, Leiter Volkswirtschaft und Anlagestrategie International bei der Zürcher Kantonalbank.

Die grössten Änderungen gegen unten gab es dabei in den Sektoren Grundstoffe, Energie und Finanz. Gegenüber dem September wurden dort die erwarteten Gewinnwachstumsraten allesamt im zweistelligen Bereich zurückgenommen. Glaubt man den Auguren, werden sich auch die an der SIX Swiss Exchange gelisteten Unternehmen dem Abwärtstrend nicht entziehen können. «Rund 50% der am Swiss Performance Index gelisteten Firmen dürften ihre Dividenden senken», sagt Panagiotis Spiliopoulos, Head of Research bei der Privatbank Vontobel.

Von Kürzungen betroffen seien dabei vorab der Banken- und Versicherungssektor, so Spiliopoulos. Das ist auch das, was die vom Börsendienst Bloomberg bei Analysten ermittelten Schätzungen ergeben gerade für die Werte UBS und Credit Suisse (siehe Tabelle). Bei den Versicherungen erwartet Vontobel einen Gewinnrückgang von 28% im Jahr 2008 und ein Nullwachstum für 2009. Lebensversichererin Swiss Life, die derzeit in argen Schwierigkeiten steckt, hat ihr Aktienrückkaufsprogramm bereits gestoppt. Und nun steht gar eine Kürzung der Dividende im Raum.

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Schmaler Zahltag bei Industrie

Ebenfalls mit Rückgängen bei der Dividende zu rechnen ist im Industriesektor. Gemäss den Vontobel-Schätzungen von Ende Oktober dürften die Industriefirmen Georg Fischer, Conzzeta, Interroll und Komax die nächstes Jahr auszuschüttenden Dividenden reduzieren.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Firmen deswegen von ihrer Ausschüttungspolitik abweichen. Bei Schweizer Industriefirmen ist eine «payout ratio» von 30% des Gewinns üblich, und die Unternehmen setzen in der Regel alles daran, diese Rate über die Jahre hinweg konstant zu halten. Die Dividende pro Aktie auch real hoch halten, könnten im Bilanzjahr 2008 die Industriewerte Bossard oder Burckhardt Compression, während bei ABB oder Sulzer gar eine Erhöhung drin ist. Spiliopoulos: «30% der SPI-Firmen dürften die Dividende auf dem heutigen Niveau belassen, und 20% dürften gar erhöhen.»

Spendable Pharmariesen

Zu den Letzteren gehört der grössere Teil der Bluechip-Schwergewichte, allen voran die Pharmawerte Novartis und Roche. Aber auch der Nahrungsmittelproduzent Nestlé könnte die Ausschüttungen erhöhen und ist damit in guter Gesellschaft mit Swisscom, Syngenta und Swatch.

Generell mit real hohen Dividenden locken Energieversorger wie Atel oder CKW; allerdings fällt hier die Dividendenrendite eher tief aus. Umgekehrt ist Letztere bei den Schweizer Immobiliengesellschaften wie Swiss Prime Site hoch und bei Züblin sehr hoch. Dies hat allerdings mehr mit den Kursverlusten zu tun als mit der Grosszügigkeit dieser Gesellschaften.