Derivate haben Anleger in den letzten zwölf Monaten ohne Verluste durch die Börsenturbulenzen gebracht falls der Kapitalschutz bei 100% lag und der Emittent nicht in Schieflage geriet. Allerdings hatten sich Kapitalschutzprodukte laut deutschen Vergleichsuntersuchungen während der Aufschwungphase kaum bewegt. Ihr Reiz liegt allenfalls in bescheidenen Coupons.

Aber auch solche 5%-Coupons entsprechen nicht dem, was dem Anleger unter dem Strich bleibt, wenn er beispielsweise ein Produkt während der Laufzeit verkaufen möchte und der Emittent Preise mit grossen Differenzen zwischen Kauf- und Verkaufspreisen («Spreads») stellt.

Problematische Differenzen

«Unprofessionelles Market Making ist für Investoren ärgerlich und kann auch zu finanziellen Verlusten führen», sagt Andreas Kropf, Derivateexperte bei Derivative Partners in Zürich. «Am schwerwiegendsten ist eine fehlende Kursstellung, da Anleger dann ein Produkt weder kaufen noch verkaufen können.» Problematisch seien aber auch zu grosse Differenzen zwischen Kauf- und Verkaufskurs oder aber zu wenig handelbares Volumen, so Kropf. «Sie schmälern die Qualität der Preisstellung deutlich.»

Hinweise auf zu grosse Spreads bei einzelnen Produkten finden Anleger bereits jetzt auf den einschlägigen Webseiten. Allerdings müssen sie dabei genau hinschauen, damit die Vergleiche aussagekräftig werden: Bei einem Warrant-Preis von 1 Fr. entspricht ein Spread von1 Rp. -1%. Kostet der Warrant hingegen 10 Rp., wird aus dieser Differenz ein Spread von 10%. Emittenten pflegen über diese Spreads auch mit ihren Anlegern zu kommunizieren - eine kurzfristige Ausweitung kann auch bedeuten, dass Anleger jetzt gerade aufgrund einer Umstellung im Hintergrund nicht handeln sollten. Zu anderen wichtigen Servicemerkmalen wie Volumen oder Verfügbarkeiten gab es bisher kaum Anhaltspunkte.

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Seit Januar veröffentlicht die Schweizer Derivatebörse Scoach auf ihrer Webseite unter dem Label «Quotes Quality Metrics» tagesaktuelle Qualitätsmerkmale. Diese wurden in Zusammenarbeit mit der SIX Swiss Exchange entwickelt. Dabei werden die Emittenten untereinander hinsichtlich von vier Kriterien verglichen: Den durchschnittlichen Spreads, den Volumen, der Verfügbarkeit der Quotes und den Geld- und Briefkursen bei Tagesende. Am Folgetag bis spätestens 14 Uhr sind diese Angaben verfügbar und werden für zehn Tage angezeigt.

Spreads in der Kritik

Einen Schritt weiter geht Derivative Partners mit der Berechnung eines Payoff Market Making Index. Hier werden die Emittenten längerfristig und untereinander vergleichbar gemacht.

«Der Index lässt künftig auch Rückschlüsse auf die Preisstellung in Stresssituationen an den Märkten zu», erklärt Derivate-Experte Kropf. Gerade in sehr turbulenten Marktphasen hatten Anleger auf den einschlägigen Webforen die Preisstellung, die Spreads und Volumen einiger Emittenten kritisiert.

Für angemessen halten die Experten bei Derivative Partners Spreads von maximal 2% bei einfachen Produkten mit Geldkursen zwischen 1 und 2 Fr. Bei komplexen Produkten oder Rohstoff-Futures als Basiswert mit anspruchsvollem Hedging lassen sie eine etwas grössere Differenz zu. Und hinsichtlich der Handelsvolumen sind 25000 Fr. angemessen - das ist laut einschlägiger Erfahrung das Investitionsvolumen eines Privatanlegers in ein einzelnes Produkt.

Die Herkunft zählt wirklich

Am besten schneiden gemäss Derivative Partners von den in der Schweiz aktiven Emittenten die Basler Kantonalbank (BKB), die ZKB, Julius Bär, Vontobel und die Credit Suisse ab. Am unteren Ende der Spanne sind die BSI und die Valartis Bank. Mit wenigen Ausnahmen zeigt sich, dass gut eingestufte Emittenten bei allen Kriterien gut abschnitten. Schlecht bewertete zeigten auf der anderen Seite bei allen Qualitätskriterien schlechte Werte. Der Index wird zukünftig auf Monatsbasis von Derivative Partners in einer eigenen Publikation und der Wirtschaftspresse veröffentlicht.