Die Ankündigung der vollständigen Übernahme der amerikanischen Biopharmagesellschaft Genentech durch Roche für 43,7 Mrd Dollar bzw. 89 Dollar pro Aktie ist bei den Anlegern auf wenig Gegenliebe gestossen: Mit einem Minus von zeitweise über 4% mussten die Genussscheine deutlich Abgaben hinnehmen. Fast in den Hintergrund gerückt sind daneben die soliden Halbjahreszahlen, der für das 2. Semester 2008 bestätigte Ausblick sowie der Zukauf der US-Firma Mirus Bio Corporation.

Befürchtungen um Firmenkultur

Ausschlaggebend für den Rückgang bei Roche sind Befürchtungen, dass das Angebot an die Minderheitsaktionäre von Genentech mit einer Prämie von 8,8% gegenüber dem Schlusskurs vom Vortag zu gering ausgefallen ist und im Laufe der Übernahme nach oben korrigiert werden müsse. Zudem gibt es Bedenken bezüglich der Firmenkulturen. «Genentech wird ihre spezielle Kultur verlieren, die einen stark positiven Einfluss auf die Forschungsinnovation hatte», so Birgit Kulhoff, Analystin bei Rahn & Bodmer.

Insgesamt wird der Genentech-Deal von der Analystengemeinde aber durchaus positiv bewertet. «Mit diesem Schachzug sichert sich Roche das gesamte kurzfristige Erfolgspotenzial von Genentech», schreibt Vontobel-Analyst Andrew C. Weiss. Den Übernahmepreis, für den sich Roche die Projektpipeline der Amerikaner sichert, bezeichnet er als fair.

Anzeige

Übernahme sichert Gewinn

Sowohl kurz- als auch langfristig dürfte Roche durch die Transaktion ihren Gewinn weiter stärken, ist auch Andrew Fellows, Analyst bei Helvea, überzeugt. Roche erwartet aus der Transaktion Synergien in der Höhe von 750 bis 850 Mio Dollar vor Steuern pro Jahr sowie einen positiven Gewinnbeitrag pro Aktie im ersten Jahr nach Abschluss.

Für die grosse Mehrheit der Analysten stellen die Roche-Genussscheine angesichts der derzeitigen Schwäche und der günstigen Bewertung im Vergleich zum Sektor einen klaren Kauf dar.