Herbst ist Erntezeit und nicht nur die Bauern sind dem Zyklus der Jahreszeiten ausgesetzt, sondern auch die Agrochemiebranche. Derzeit herrschen weltweit sehr volatile Agrarrohstoffpreise vor.Zusammen mit schwächeren Volumen und einem gestiegenen Preisdruck ist dies ein Umstand, der sich auch am Aktienkurs des Schweizer Agrochemiekonzerns Syngenta ablesen lässt. Noch Mitte Juni überflügelte der Syngenta-Valor den SMI, doch seit August vermochte er der Börsenhausse nicht mehr zu folgen, im Gegenteil. War im August noch eine Stagnation des Aktienkurses zu beobachten, resultierte im September ein Verlust von 6%.

Überflieger hart gelandet

Diese Entwicklung hängt vor allem mit dem starken Konkurrenzdruck aus dem Generikabereich zusammen. Der Markteintritt von Billiganbietern erklärt ebenfalls die deutliche Senkung der Gewinnprognose von Konkurrentin Monsanto. Auch Syngenta wurde davon in Mitleidenschaft gezogen. Die Überflieger der vergangenen Jahre müssen zurückbuchstabieren und offenbaren damit Probleme der ganzen Branche. Ein eigentlicher Generikamarkt innerhalb der Agrochemiebranche ist jedoch noch Zukunftsmusik, denn die Marktleader Monsanto, Syngenta, BASF und Bayer haben einem solchen mit einem Produkterneuerungsschub vorgebeugt. Doch einen Einfluss auf die Margen haben generische Agrochemieprodukte allemal; besonders in Schwellenländern, wo Grossfarmen immer öfter auf die indischen und chinesischen Hersteller umstellen. Und wenn Monsanto den Preis für ihr Hauptprodukt im Pflanzenschutzbereich, Glyphosat, auf die nächste Saison hin um 50% senken will, zeugt dies vom Ernst der Lage.

Auch Syngenta hat dies längst erkannt und erhöht ihrerseits die Preise ihrer besten Produkte, um die generikabedingten Einbussen zu kompensieren. Deutliche Preisaufschläge auf patentgeschützen Produkten sind ebenfalls bei Monsanto geplant.

Im sich zuspitzenden Preiskampf gilt es jedoch nicht nur die Generikahersteller in Schach zu halten, sondern vor allem auch Rücksicht auf die Bauern zu nehmen. Deren Preissensibilität hat sich aufgrund von Preissenkungen bei wichtigen Agrarerzeugnissen wie Mais, Soja oder Weizen in letzter Zeit empfindlich erhöht. Dies zwingt die Bauern, stärker auf ihre Kosten zu achten, gerade bei Spritzmitteln und Saatgut. «Die Preissteigerungen der letzten Jahre dürften in der Agrochemiebranche schon bald der Vergangenheit angehören», erklärt ZKB-Analyst Martin Schreiber.

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Struktureller Wandel

«Generell herrscht in der Agrochemiebranche nun eher ein deflationäres Preisumfeld vor, und ein Ende der hohen Preisvolatilitäten ist nicht absehbar», sagt Schreiber. Er sieht darin Vorboten eines strukturellen Wandels der ganzen Branche. Allerdings gelte es zu beachten, dass die Eintrittsbarrieren sehr hoch seien für Generikaanbieter. «Ein bekannter Brandname wie jener von Syngenta ist ein Portefeuille-Vorteil.»

Auch deren grosse Diversifikation sei eine gute Absicherung gegen den strukturellen Wandel, so Schreiber. Deshalb steht Syngenta auch besser da als Monsanto, die sich vor allem auf die Produktion von Saatgut spezialisiert hat. Nach der Kursschwäche der letzten Tage dürften Faktoren wie Preis- und Konkurrenzdruck teilweise bereits in den Aktienkurs von Syngenta eingepreist worden sein. So überwiegt bei den Ratings der Analysten die Kaufempfehlung der Syngenta-Aktie.