Die geplatzte Übernahme von Yahoo ist für Microsoft-Chef Steve Ballmer eine peinliche Niederlage. Obwohl Microsoft ihr Angebot von ursprünglich 31 Dollar je Yahoo-Aktie auf 33 Dollar angehoben hatte, kassierte Ballmer eine Absage. Yahoo gibt sich jedenfalls mit den gebotenen 47,5 Mrd Dollar nicht zufrieden, gemäss Gerüchten fordert der Verwaltungsrat von Yahoo 37 bis 38 Dollar pro Aktie – dies entspräche mindestens 53 Mrd Dollar. Bei der Vorlage des ersten Kaufangebots von Microsoft am 1. Februar lag die Yahoo-Aktie bei 19.18 Dollar.

Kaum Alternativen für Yahoo

Steve Ballmer versucht sich nach vorne zu retten. Nachdem Yahoo auch das erhöhte Angebot von Microsoft abgelehnt hat, versucht Ballmer jetzt, sich als verantwortungsvoller Manager zu verkaufen, der den Internetkonzern nicht zu jedem beliebigen Preis schlucken wollte. Die Absage des Kaufs sei für die Microsoft-Aktionäre letztlich der bessere Schritt, so Ballmer. Doch das ist ein schwaches Argument. Denn durch die Offerte hat der Konzernchef öffentlich bekannt gemacht, dass er keine grosse Hoffnung in das eigene Internetgeschäft setzt.

Seit Jahren fahren Microsofts Suchmaschine, E-Mail-Angebote und Kurznachrichtendienste hohe Verluste ein. Trotz Milliardeninvestitionen ist Konkurrent Google auf dem lukrativen Feld der Online-Werbung weiter davongezogen. Einzig ein grosser Zukauf könnte Microsoft die Lücke rasch schliessen lassen.

Das Problem ist aber nun, dass sich kaum richtige Alternativen zu Yahoo bieten. Es gibt nur wenige Firmen, die eine ähnlich starke Position im Geschäft mit Internetsuche und Online-Werbung haben. AOL gehört dazu, doch der Internetdienst schwächelt schon lange. Die Emporkömmlinge der vergangenen Jahre – MySpace und Facebook – wachsen rasant, aber sind nicht annähernd so gross wie Yahoo.

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Und für alle Übernahmekandidaten dürfte der Preis nach den vorerst gescheiterten Kaufverhandlungen jetzt weit nach oben geschossen sein. Denn dort ist jedem klar, dass der impulsive Ballmer beim nächsten Kaufversuch nicht wieder den Kürzeren ziehen will. Das treibt den Preis in die Höhe – vielleicht zum Leid der Microsoft-Aktionäre.

Die Rücknahme des Kaufangebots kommt für Marktbeobachter überraschend. Viele hatten damit gerechnet, dass Microsoft bei einer weiteren Ablehnung des Angebots eine feindliche Übernahme anstrebt. Es ist aber möglich, dass Microsoft ihr Angebot erneuert, falls Yahoo sich nicht grundlegend von einer wirtschaftlichen Schwächephase erholt, die vor etwa zwei Jahren begonnen hat.

Microsoft wollte Yahoo übernehmen, um ihre Position im lukrativen Markt der Internetwerbung zu verbessern und den Wettbewerb mit Marktführer Google zu verschärfen. Ballmer sagte, Microsoft werde ihre Strategie jetzt mit dem eigenen Team und anderen Partnern vorantreiben. «Yahoo hätte unsere Strategie zwar beschleunigt, aber ich bin zuversichtlich, dass wir uns unseren Zielen nähern werden.»