Ciao Italia» würde das Geld sagen, wenn es sprechen könnte. Vergangene Woche lancierte Italien die dritte Steueramnestie in sieben Jahren. Damit könnte ein Teil der rund 600 Mrd Euro Auslandgelder, die italienische Kunden laut einer Schätzung der Banca dItalia im Ausland angelegt haben, wieder zurück in Schweizer Banken fliessen. Die Chancen dafür stehen gut: Derzeit haben elf Banken, darunter die Grossbanken sowie die grossen Vermögensverwalter, eigene Büros zwischen Mailand und Catania, deutlich mehr als US-Banken oder Konkurrenten aus Frankreich oder Italien.

«Welcome» sagt hingegen Anthony DeChellis, Chef der Privatbankensparte der Credit Suisse in Amerika, am Dienstagvormittag an einer Präsentation seines Instituts in Zürich. Seine Sparte setzte im 1. Halbjahr mit 590 Beratern 220 Mio Fr. um. Bis Ende 2012 möchte DeChellis in den USA 30 Mrd Fr. an neuen Mitteln vor allem im lukrativen Segment der besonders reichen Privatkunden einspielen.

Damit verfolgt die Credit Suisse nicht nur eine andere Strategie in den USA, sie zielt damit auch auf das Geschäft der grossen schweizerischen Vermögensverwalter. Diese sind in den USA indes kaum oder gar nicht vertreten und bauen eher ihre Präsenz in Asien aus.

So könnte Julius Bär die Privatbankensparte des niederländischen Allfinanzkonzerns ING übernehmen, wie die Bank zu Wochenbeginn mitteilte. Jetzt erscheint es einfacher, Kunden oder ganze Kundenstämme hinzuzugewinnen. Allein die fünf zumindest teilweise verstaatlichten Privatbanken-Tochtergesellschaften von RBS Coutts, Merrill Lynch Bank (Suisse), Citibank (Switzerland), Lloyds TSB und ING Private Bank (Switzerland) verwalten über 130 Mrd Fr. an Kundengeldern in der Schweiz. Die letzten Transaktionen kosteten durchschnittlich 3,3% der verwalteten Assets, berechneten die Analysten von Nomura. Schlüssel zu den Geldern sind erfahrene Berater - diese bringen oder halten das Geld in der jeweiligen Bank. Die Nomura-Analysten rechnen für 2010 bei EFG und Sarasin mit den höchsten Neumittelzuflüssen, weil hier am meisten neue Berater eingestellt werden. Deutlich weniger gross soll der Zuwachs bei Julius Bär und Sarasin ausfallen.

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Von Julius Bär erwarten die Analysten nach der Abspaltung der Asset-Management-Sparte ein Aktienrückkaufprogramm, das in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden soll. Die Aktie gilt als Kauf. EFG und Sarasin stehen auf «neutral», weil die Gewinne volatil sind und eine gute Entwicklung für 2010 bereits in den Kursen enthalten ist. Zum «Reduzieren» raten die Analysten bei Vontobel, weil hier die relativ grosse Investmentbankensparte eine volatilere Dynamik und Risiken hat als das stabile Privatkundengeschäft.

Regulierung setzt Bankengewinne unter Druck

Wenn die acht Vorschläge, welche die Banken-Regulierungsbehörden weltweit diskutieren, durchkommen, werden sich die Umsätze und Gewinne der globalen Banken mit Investment-Banking-Sparte teilweise deutlich reduzieren, glauben die Analysten von JP Morgan. Die acht Vorschläge umfassen ein zentrales Clearing sowie eine Börsenpflicht von bisher ausserbörslich gehandelten Derivaten, höhere Transparenz gegenüber den Kunden, Einschränkungen beim Rohstoffhandel, den Aufbau von Risikopuffern für schlechte Zeiten, einen Risikoaufschlag zu über Modellrechnungen ermittelten Marktrisiken und die Kapitalunterlegung für Wertpapiere in der Bilanz bzw. für nicht standardisierte und börsengehandelte Derivate.

Eigenkapitalrendite schrumpft

Für die grossen Investmentbanken dürfte dadurch die Eigenkapitalrendite gesamthaft von 17% auf 14% schrumpfen. Am stärksten sind die Auswirkungen bei der Deutschen Bank, bei Goldman Sachs sowie bei Morgan Stanley, bei denen die Eigenkapitalrendite zwischen 20 und 23% sinken dürfte. Aber auch bei der Credit Suisse und der UBS sollen die Rückgänge rund 20% betragen.

Die Effekte der neuen Regulierungen hätten bei den Investmentbanksparten unterschiedliche Auswirkungen, weil sich die Geschäftsfelder teilweise deutlich unterscheiden. So würden Credit Suisse und UBS von einer zentralen Clearingpflicht für ausserbörslich gehandelte Derivate sogar noch profitieren. Weil bei den beiden Schweizer Banken das Commodity-Geschäft dagegen kleiner ist, wären hier die Folgen ungleich geringer als für die US-Institute Goldman Sachs und Morgan Stanley. Für Credit Suisse und UBS sind zwei andere Faktoren gewichtiger: Hier werden die regulatorisch vorgegebenen Kapitalpuffer und die Aufschläge auf die Risiken die grössten Folgen für die Gewinne bei den Investmentbankensparten haben.

Unter dem Strich bleiben UBS und CS dennoch in der Spitzengruppe der Profitabilität beim Investment Banking mit Eigenkapitalrenditen um 12%. Auf vergleichbare Werte kommen laut den JP- Morgan-Analysten auch Goldman Sachs, Morgan Stanley und Barclays. Das Schlusslicht bildet die Deutsche Bank mit 6,7%. (mn)