Derzeit befinden sich in den Kundendepots der Banken strukturierte Produkte im Wert von rund 240 Mrd Fr. Nach dem Durchhänger im Vorjahr steigt seit März der Bestand jeden Monat leicht an. Der Grund liegt auf der Hand: Mit den haussierenden Aktienmärkten nimmt auch der Risikoappetit der Anleger wieder zu.

Neu ruft das wiedererwachte Interesse an strukturierten Produkten auch wieder ausländische Emittenten auf den Plan. Die Commerzbank hat bereits vor einigen Wochen mit Produkteverkäufen an der Derivatebörse Scoach begonnen. Morgan Stanley will am 4. November als Startschuss sieben themenbasierte Produkte an der Scoach listen (siehe «Nachgefragt»). Auch die Barclays Bank, JP Morgan und Merrill Lynch wollen ihre Präsenz in der Schweiz (wieder) verstärken.

Commerzbank setzt sich Ziele

Dass die Commerzbank es ernst meint im Bereich strukturierte Produkte, hat das Institut in Deutschland bereits unter Beweis gestellt: Mit einem Marktanteil von 14,5% (Stand Juni 2009) gehört die Bank dort zu den Top-Playern.

Auch in der Schweiz hat die Commerzbank konkrete Ziele: «Mittelfristig planen wir, unter den Top fünf ausländischen Emittenten mitzumischen», sagt Philipp Lang, Head of Public Distribution Switzerland bei der Commerzbank. Innerhalb von einem Jahr will er 1000 Produkte lancieren. Derzeit sind an der Scoach knapp 90 Commerzbank-Vehikel gelistet.

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Der hiesige Platzhirsch im Bereich strukturierte Produkte ist derzeit die Bank Vontobel. Letzten September erzielte die Privatbank mit den Vehikeln einen Umsatz von 1,174 Mrd Fr. Damit liegt der Marktanteil bei 33%. Allerdings sind darin die ausserbörslich gehandelten Produkte (OTC) nicht erfasst. Gerade bei den Grossbanken UBS und Credit Suisse umfassen die gelisteten strukturierten Produkte nur einen Bruchteil der insgesamt gehandelten Produktepalette.

Dass sich weitere Emittenten Kuchenstücke aus dem Schweizer Derivatemarkt abschneiden wollen, scheint die Bank Vontobel nicht weiter zu beunruhigen. Die Stellung als Marktleader sieht Roger Studer, Leiter Investment Banking bei der Bank Vontobel und Präsident des Schweizer Derivateverbandes (SVSP), indes nicht bedroht: «Marktanteile können sich kurzfristig verändern», so Studer. «Vontobel verfolgt jedoch langfristige und nachhaltige Wachstumsziele.» Stiegen zudem die investierten Vermögen in strukturierte Produkte, werde auch der Kuchen grösser. «Wir stehen vor einem neuen Wachstumszyklus», so Studer.

ZKB sieht sich nicht bedroht

Auch bei der Zürcher Kantonalbank ZKB, der aktuellen Nummer zwei, sieht man der Konkurrenz gelassen entgegen: «Unser Dienstleistungsangebot fusst auf einem robusten Fundament», sagt Claudio Topatigh, Leiter Verkauf strukturierte Produkte bei der ZKB. «Wir sehen unsere bedeutende Marktstellung nicht bedroht.»

Tatsächlich haben die beiden Platzhirsche in den letzten Monaten Marktanteile für sich gewinnen können. Infolge des Konkurses von Lehman Brothers haben gerade die US-Banken als Gegenparteien an Vertrauen eingebüsst. Die neuen pfandbesicherten Zertifikate (COSI) sollen hier Abhilfe schaffen.

Gerade für kleinere und unbekanntere Anbieter könnte dieses Segment eine Eintrittshilfe in den Markt bieten. Einziger Schönheitsfehler: Viele ausländische Emittenten können (noch) nicht teilnehmen. «Die Schweizer Börse hat entschieden, dass zurzeit nur Schweizer Emittenten, die dem Schweizer Konkursrecht unterliegen, pfandbesicherte Zertifikate emittieren können», erklärt Roger Studer.
 

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NACHGEFRAGT

«Sind für langfristige Präsenz gerüstet»

Vladimir Grlica, Leiter Equity Derivatives Distribution Schweiz, Morgan Stanley, London.

Ab November will Morgan Stanley strukturierte Produkte in der Schweiz vertreiben. Wieso treten Sie gerade jetzt in den Markt ein ?

Vladimir Grlica: Wir vertreiben bereits seit einigen Jahren strukturierte Produkte für Schweizer Kunden über Privatplatzierungen. Auf Kundenwunsch sowie aufgrund der aktuellen Marktbedingungen haben wir entschieden, auch unabhängigen Vermögensverwaltern und Privatinvestoren Zugang zu unseren Produkten zu bieten.

Nach dem Konkurs von Lehman Brothers hat die Glaubwürdigkeit in US-Banken als Gegenpartei stark gelitten. Bringen die Schweizer Anleger Morgan Stanley genügend Vertrauen entgegen?

Grlica: Wir haben während der ganzen Krise Liquidität bereitgestellt. Die Wahrung dieser Stabilität hat uns das Vertrauen der Schweizer Investoren eingebracht. Wir sind für eine langristige Präsenz in diesem Markt gerüstet und können nicht nur in steigenden Märkten bestehen.

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Wieviele Produkte wollen Sie in der Schweiz im November anbieten?

Grlica: Wir werden weiterhin Produkte über Privatplatzierungen vetreiben. Bei den an Scoach kotierten Vehikeln starten wir mit sieben thematischen Produkten.

Welche Produktkategorien wollen Sie anbieten?

Grlica: Unser Zeil ist es, den Schweizer Anlegern über Scoach durchdachte, einfach struktrierte und verständliche Produkte über alle Anlageklassen hinweg zu offerieren.

Würden Sie auch gerne pfandbesicherte COSI- Zertifikate anbieten?

Grlica: Wir verfügen bereits über eigene verschiedene pfandbesicherte Lösungen und werden diese weiterhin anbieten.