Die Aktien des Schweizer Lebensversicherers sind wie eine Feuerwerksrakete ins neue Jahr gestartet: Plus 15%, nachdem sie im vergangenen Jahr mit einem Zuwachs von über 90% schon der SMI-Gewinner waren. Seit letzter Woche heizt ein Übernahmegerücht den Kurs ein: Der deutsche Versicherer Allianz wolle beim Schweizer Lebensversicherer einsteigen. Mit Berufung auf nicht näher definierte Bankenkreise aus der Schweiz nennt die französische Webseite Wansquare.com einen Kaufpreis von 5,5 Mrd Fr. Allianz und Swiss Life nehmen keine Stellung zu den Gerüchten, dementieren sie aber auch nicht, was die Spekulationen zusätzlich nährt.

Gespräche geführt

Bereits im Februar/März 2009 soll es zwischen Swiss Life und Allianz zu Gesprächen gekommen sein. Dies unterrichten gut informierte Quellen seitens Swiss Life. Trotz des tiefen Swiss-Life-Kurses zwischen 40 und 50 Fr. zeigte Allianz jedoch kein Interesse.

Stattdessen holte AWD-Gründer Carsten Maschmeyer die deutsche Talanx als Hauptaktionär an Bord. Die Deutschen halten rund 8,5% am Schweizer Lebensversicherer und haben mit ihrem Engagement bisher ein gutes Geschäft gemacht. Zu den Übernahmegerüchten wollte sich der Hauptaktionär nicht äussern. «No comment», heisst es auf Anfrage der «Handelszeitung.»

Sollte Allianz nun ernsthaft Interesse an einer Akquisition von Swiss Life haben, käme sie nicht an den beiden Hauptaktionären Talanx und Carsten Maschmeyer, dem AWD-Gründer, vorbei. Zudem sorgen getätigte Aktienverkäufe durch «nicht exekutiven Verwaltungsrat», wie aus der Datenbank der Schweizer Börse SIX zu entnehmen ist, für Stirnrunzeln. So wurden zwischen dem 14. und 25. September 2009 Verkäufe in der Höhe von über 68 Mio Fr. getätigt. Dabei dürfte es sich am ehesten um den Swiss-Life-Verwaltungsrat Carsten Maschmeyer handeln, der seine Beteiligung am Lebensversicherer nicht, wie er angekündigt hatte, von 8 auf 10% erhöhte, sondern auf etwas über 5% reduzierte. Stimmten die Übernahmegerüchten, würde er sicherlich partizipieren wollen.

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Fehlende Übernahmeargumente

Die Finanzanalysten zeigen sich gegenüber einer allfälligen Übernahme mehrheitlich skeptisch. Erstens scheint die Allianz primär am Ausbau ihres Geschäfts in den aufstrebenden Märkten, wie im Raum Asien-Pazifik, interessiert. Die Swiss Life generiert die Hälfte ihres Umsatzes in der Schweiz, und der hiesige Lebensmarkt gilt für ausländische Player als komplex und stark verpolitisiert. Und trotzdem konnte Allianz ihren Marktanteil im schweizerischen Lebensversicherungsmarkt in den letzten Jahren auch ohne Zukäufe ausbauen. 2008 wuchs Allianz Suisse im Lebenmarkt um 19,1% und in den ersten neun Monaten des vergangen Jahres um weitere 5,7%. Zweitens verfügt Allianz in Deutschland über ein eigenes leistungsfähiges Vertriebsnetz. Versuche, zusätzliche Distributionskanäle aufzubauen, sind gescheitert. Warum also einen Vertriebskanal wie AWD kaufen, bei dem man bereits Produktpartner ist und an dem sich Swiss Life die Zähne ausbeisst? Drittens würde eine allfällige Übernahme auch karellrechtliche Fragen im Schweizer Lebensversicherungsmarkt aufwerfen.