Lange galt in der verschwiegenen Bankbranche die Standardaussage. die ausländischen Kunden würden nicht gefragt, ob sie ihr Vermögen versteuern. Schliesslich wolle die Bank nicht zum verlängerten Arm der Steuerbehörden werden.

Doch seit das Schweizer Bankgeheimnis unter Beschuss ist, bröckelt auch langsam die Mauer der kommunikativen Einigkeit. Die «Handelszeitung» hat verschiedene Schweizer Banken zu ihrem Umgang mit undeklarierten Vermögen befragt (siehe Box).

UBS verweigert Konto

Ein Ergebnis: Heute thematisieren einige Banken im ersten Kundengespräch, ob der ausländische Kunde sein Vermögen versteuert. So fragt etwa die Zürcher Kantonalbank (ZKB) den Steuerstatus ab, verlangt aber keine schriftliche Bestätigung vom Kunden.

Bei der St. Galler Kantonalbank heisst es: «Es gibt bislang keine Pflicht der Bank, diese Frage systematisch zu stellen.» So sieht es auch die Banque Cantonale Vaudoise (BCV). Ist bei der UBS einem Kundenberater in einem konkreten Fall bekannt, dass ein neues Konto zum Zweck der Steuerhinterziehung eröffnet werden soll, darf dies nicht geschehen. Und: «UBS bietet den Kunden keine Unterstützung bei Handlungen, die der Umgehung ihrer Steuerpflichten dienen.» Auch die Basler Privatbank Sarasin darf und will ihren Kunden nicht beim Verstecken von unbesteuerten Vermögenswerten helfen und fokussiert nach eigenen Aussagen auf deklarierte Gelder.

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An die Spezialisten verwiesen

Auch gegenüber bestehenden Kunden, die ihre Vermögen nicht versteuern, haben Banken ihr Verhalten angepasst. Viele Institute verweisen Kunden, die sich Sorgen über ihre unversteuerten Konti machen, an externe Steuerexperten. Das Angebot der Bank Sarasin umfasst eine frühzeitige Information und Unterstützung bei allfälligen Selbstanzeigen. Zudem seien Kunden wieder willkommen, wenn die Gelder versteuert seien. Die Bank schätzt ihren Anteil an undeklarierten Kundengeldern auf rund 5%, was die Bank auch als Wettbewerbsvorteil ansieht.

Die ZKB motiviert grundsätzlich ihre Kunden, eine steuertransparente Situation anzustreben. Und das erklärte Ziel der Bank ist es, künftig möglichst wenige nicht versteuerte Kundenvermögen zu haben. Etwas zurückhaltender ist die St. Galler Kantonalbank: «Der Trend geht in diese Richtung; die Bank hat sich aber primär nach den rechtlichen Vorgaben auszurichten, die gegenwärtig diesbezüglich keine Vorschriften machen.»

Furcht vor Behörden

Die meisten anderen Banken machen keine detaillierteren öffentlichen Aussagen zu diesem Thema. Unter den Schweigsamen finden sich einzelne Institute, die nach wie vor problemlos unversteuerte Kundengelder annehmen, aber auch Banken, die sich offenbar schon seit längerem auf Kunden ohne Steuerprobleme konzentrieren.

Zunächst ist von politischen und regulatorischen Gründen die Rede. Zudem befürchten die Banken konkret, dass sie ins Visier von ausländischen Steuerbehörden geraten könnten. Oder die Konkurrenz sollte nicht mitkriegen, wie die Bank mit der aktuellen Steuerproblematik umgeht.

Ein Branchenexperte macht noch einen anderen Grund für die Zurückhaltung aus. So sei vielen Bankvertretern erst 2009 richtig bewusst geworden, dass die Zeit des Steuervorteils für die Schweiz abläuft. Viele seien jetzt am Umdenken, aber bis das Bankmodell auf die neuen Bedingungen umgestellt sei, könne es Jahre dauern.

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Steuerehrlichkeit als Ziel

In den letzten Wochen und Monaten hat Patrick Odier, Präsident der Bankiervereinigung, betont, dass die Banken neue Modelle einführen müssen, bei denen die Steuerehrlichkeit bei Annahme von Neugeld das Ziel ist. Zudem hat sich der Schweizer Finanzplatz kürzlich darauf geeinigt, verschiedenen Ländern den Vorschlag einer Abgeltungssteuer zu unterbreiten. Nur bei Kunden, die ihre Vermögen versteuern, wird so die Privatsphäre geschützt.