Laut Albert Edwards, Anlagestratege bei der Société Générale, steht wegen der Griechenlandkrise das Thema der Solvenz von Ländern auf der Agenda, was den unvermeidlichen Aufbruch der Eurozone verzögere.

Das drückt sich auch in den Devisenkursen aus: Gegenüber dem Euro verteuerten sich der Franken, der Dollar, der japanische Yen und sämtliche «Rohstoffwährungen» wie die norwegische Krone, der australische Dollar oder der brasilianische Real. Der Euro bewegt sich zum Franken seit Mitte Dezember unter 1.50 Fr. und seit Anfang Februar in der Nähe der impliziten «Interventionszone» - jener Region, bei welcher die Schweizerische Notenbank vor knapp einem Jahr eingegriffen hatte.

Brasilien steht inzwischen gut da

Ob der Euro gegenüber den anderen Währungen noch weiter fällt, hängt (auch) vom messbaren Erfolg der EU-Rettungsauflagen ab. Hinweise über deren Chancen kommen von unerwarteter Seite. Dalton Gardimam, Chefökonom des brasilianischen Brokers Bradesco, hat die möglichen Rettungsszenarien für Griechenland analysiert. «Die gegenwärtige Generation hinterlässt der zukünftigen mehr Schulden. Brasilien ist hinsichtlich der Staatsverschuldung eine der wenigen positiven Ausnahmen.» Brasilien musste sich nie einer ähnlich drakonischen Rosskur unterziehen, wie sie die Analysten nun für Griechenland fordern. Der Ausweg in Brasilien war vor zehn Jahren ein hohes Nominalwachstum, das deutlich über den realen Zinssätzen lag. «Dadurch konnte Brasilien sein Problem weginflationieren», sagt Gardimam. Dies sei aber kein Weg für Griechenland, denn die Fiskallage sei viel ernster. «Auch der Weg, die Schulden an die nächste Generation weiterzugeben, erscheint unmöglich, weil die öffentlichen Finanzen zerrüttet sind. Die einzige Frage ist hier, ob ein Teil der Schulden auf die Nachbarn übertragen werden kann», so Gardimam.

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Brasilien könnte zwar durch den Anzug griechischer Gelder geringfügig betroffen werden. «Es ist aber keine Übertreibung zu sagen, dass die Situation von Brasilien viel besser ist als die der meisten Staaten in den entwickelten Ländern», schliesst Gardimam.

An den Devisenmärkten wird das honoriert - der brasilianische Real hat sich nicht nur gegenüber dem Euro, sondern auch gegenüber dem Franken seit einem Jahr um 25% verteuert. Im Vergleich zum Dollar ist der Real sogar um 35% gestiegen. In der Schweiz ist als einziges Retailderivat auf das Währungsgespann Dollar-Real das Garantieprodukt BOSSA gelistet. Seit März 2009 hat sich der Schein um 12% verteuert. Dies ist ausgesprochen viel für diese Struktur, die auf Kursanstiege nur sehr träge reagiert.

Alternative Absicherungen

Weitere Währungspaare, die sich gegenüber einem unter Druck kommenden Euro verteuern könnten, sind die norwegische Krone und der kanadische oder der australische Dollar. In Europa wird Norwegen gegenwärtig von den Märkten mit einem Kreditrisikoaufschlag von 18 Basispunkten als mit Abstand solidestes Land eingestuft.

Auf den Kronen-Euro-Kurs, den Wechselkurs vom australischen Dollar zum Euro sowie das Währungspaar kanadischer Dollar zum Dollar-Euro sind in Deutschland eine Handvoll Calls und Puts erhältlich. Sie sind eine Alternative zu einer «reinen» Franken-Euro-Absicherung, weil es (noch) offen ist, ob und wie erfolgreich sich die Schweizerische Nationalbank einem rasanten Eurozerfall entgegenstemmen könnte. Hebelprodukte auf Währungen sind oft als Mini Futures verbrieft. Hierbei fielen in den letzten Tagen Scheine wie MEURD oder MEURS (auf das Paar Euro-Dollar) mit hohen Umsätzen auf.