Put-Optionen oder -Warrants hätte man haben müssen. Damals, im Juli 2007, als die Volatilität niedrig und der Börsenhimmel wolkenlos waren. Anleger, die sich dannzumal mit - relativ günstigen - Puts abgesichert hatten, verloren beim Aktiencrash nur wenig bis gar nichts.

Trotz erster Entspannungssignale ist der Absicherungsbedarf auch nach einer Baisse, bei der alle Korrelationen der Assetklassen gegen eins tendierten, nicht gesunken - im Gegenteil. Im Vergleich zum Sommer 2007 sind Puts aber mindestens doppelt so teuer, weil die implizite Volatilität, ein wichtiger Faktor für die Berechnung der Preise, dreimal höher liegt. Wer sich heute absichern möchte, kann dies, laut den Analysten von Barclays, zwar über Puts auf Indizes tun. Es gibt aber auch Alternativen - und die richten sich auch nach dem jeweiligen Anlageszenario.

Vier Szenarien absichern

Das erste Szenario ist eine Vertiefung der globalen Rezession, nachdem sich die erste Hoffnung verflüchtigt hat, die Arbeitsmärkte kollabieren und die Konsumnachfrage ganz einbricht. Dann würden zwar die Staatsobligationen eine weitere Hausse erleben, aber der Anstieg reichte nicht aus, um einen Einbruch bei den Aktienmärkten zu kompensieren. Weil jetzt auch die Aktienindizes aus aufstrebenden Ländern in Erwartung eines baldigen Aufschwungs angezogen haben und bei diesen Indizes die Volatilitäten relativ niedrig sind, bilden Puts auf solche Länderindizes eine günstige Alternative zu Indexputs, beispielsweise auf den S&P-500-Index.

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Ein zweites Szenario ist eine Fortsetzung der Krise im Finanzsystem, in hohen Kreditausfällen in den Büchern der Banken, weiteren Rückstellungen, einer restriktiven Kreditvergabe und einer allenfalls schwachen Erholung über etliche Jahre. Für dieses Szenario sind die 1990er-Jahre in Japan die Vorlage. Dann sind Kreditanlagen ausserhalb des Finanzsektors eine gute Absicherung, obwohl es Diskussionen geben könnte, ob und wie weit nachrangige Obligationen für die Sanierung von Firmenbilanzen herangezogen werden könnten. Eine absichernde Hebelwirkung ist laut den Analysten von Barclays am besten mit Puts auf den S&P-500-Index zu erreichen. Versierte Anleger können auch komplexe Derivatestrategien mit gestaffelten Ausübungspreisen erwägen.

Ein drittes Szenario betrifft die Pleite eines Staates. Die CDS-Spreads auf einzelne Länder reflektieren die Regierungsgarantien der Staaten für Bankeneinlagen. Zwar haben sich die CDS-Spreads in den letzten Wochen wieder verringert, aber wenn es dennoch einmal zu einer Pleite eines Landes kommen sollte, dürften die Wertpapiermärkte weltweit in Mitleidenschaft gezogen werden und eine Flucht in den Dollar einsetzen. Dann kämen die Währungen aufstrebender Länder unter Druck und Gold dürfte profitieren. Absicherungen hierfür sind Calls auf den Dollar und/oder Währungen wie den brasilianischen Real.

Rohstoffprodukt bei Stagflation

Das vierte Szenario ist Stagflation - eine Kombination von Inflation und stagnierender Wirtschaft. Zwar ist dann die Gefahr einer Deflation gebannt, aber die Geldmengenausweitung funktioniert zu gut. In diesem Fall sind entweder Rohstoffe oder inflationsgeschützte Anlagen die beste Absicherungsstrategie. Die liquidesten Rohstoffprodukte sind Calls auf den Rohölpreis, beispielsweise mit Verfall Ende 2010 und Ausübungspreisen um 70 Dollar. Alternativ können Anleger in den Barclays Capital US Treasury Inflation Notes Index investieren. Calls auf diesen Index bringen die erwünschte Hebelwirkung, um nicht nur die Inflation auszugleichen, sondern Depots, die unter einer steigenden Inflationsrate leiden, zu schützen.