Das Jahr 2008 wird nicht nur als Schicksalsjahr für die Finanzbranche in die Geschichte eingehen, sondern auch als Waterloo für eine ganze Reihe ihrer raffiniertesten Produkte.

Diese wirkten als Detonatoren für die Blasen, die sich in den Boomjahren gebildet hatten, als Brandbeschleuniger für bereits entfachte Turbulenzen - und sorgten schliesslich dafür, dass immer mehr clevere Investmentideen und vermeintlich sichere Anlagen ins Minus gedrückt wurden.

Toxisches und Garantiertes

ABS Am Anfang der Liste kostspieliger Flops müssen jene Instrumente stehen, mit denen die Krise begonnen hatte: Die sogenannten Asset Backed Securities (ABS). Diese Instrumente erlaubten es, Schuldforderungen unterschiedlicher Güte zu einem Paket von insgesamt hoher Bonität zu schnüren und anschliessend auf den Markt zu bringen.

In der Folge wurden selbst hochriskante «Subprime»-Hypotheken weiterverkauft. Was gut ging, bis die Immobilienblase in den USA platzte und das Risiko von Subprime-Krediten offensichtlich wurde. Die Papiere verloren dramatisch an Wert, schliesslich versiegte der Markt völlig. Den Investoren blieb nichts anderes übrig, als die «toxischen» Werte in der Bilanz zu behalten, deren Wert aber abzuschreiben.

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CDS Während die UBS nun ihre faulen Kreditpapiere an eine staatliche Zweckgemeinschaft auslagern kann, hatte die Investmentbank Lehman Brothers diesbezüglich kein Glück: Ihr blieb letztlich nur der Bankrott. Der führte wiederum zu schweren Verwerfungen im Markt für Credit Default Swaps (CDS), mit denen sich Anleihenkäufer genau gegen einen solchen Totalverlust abgesichert hatten: Nun verlangten sie ihre Entschädigung. Die Versicherer hinter den CDS, allen voran die amerikanische AIG, sahen sich jedoch ausserstande, dieses Geld aufzubringen. Erneut musste der Staat einspringen.

Kapitalschutz Meist keine Ahnung von möglichen Ausfallrisiken hatten Privatanleger. Umso grösser der Schock, als im September Lehman Brothers Pleite ging und die von ihnen ausgegebenen Derivate zur Konkursmasse fielen - auch solche Papiere, die ihrem Besitzer einen 100%-Schutz seines Kapitals «garantiert» hatten. In der Schweiz arbeitet die Finanzbranche nun an einer eigenen Clearingstelle, die das Emittentenrisiko absichern soll. Anbieter wie DWS bieten dagegen heute schon Derivate, die jenes Risiko aufheben.

Absolute Return Der Hoffnung auf stabile Renditen hatten sich auch die Käufer sogenannter Absolute-Return-Fonds hingegeben. Kinder des Bärenmarkts nach der Jahrtausendwende, sollten die Vehikel auch in einem schwierigen Umfeld Gewinne ins Portefeuillle spülen. Der Ernstfall 2008 hat jedoch schwere Mängel aufgedeckt: Die Fonds verloren oft noch mehr als der Markt, weil sie sich Hedge-Techniken bedienten und in einzelnen Fällen sogar in ABS-Papieren angelegt waren. Letzten November mussten dann sowohl die UBS als auch die Credit Suisse Fondstranchen wegen zu grosser Abflüsse schliessen (siehe Grafik); die Anleger hatten mit den übriggebliebenen Anteilen vorlieb zu nehmen.

Barriere-Produkte Nicht mit Abflüssen, sondern mit unerwünschten Zuflüssen haben jene Anleger zu kämpfen, die 2008 in die Derivate-Produktefamilie der Barrier Reverse Convertibles investiert hatten. Bei steigenden und neutralen Kursen bieten diese Papiere dank Coupon-Zahlungen eine Gewinnmaximierung. In einer Baisse wie 2008 geht die Wette jedoch verloren: Die Anleger werden «ausgeknockt», sie erhalten statt eines schönen Zinses die dem Produkt zugrunde liegenden Aktien geliefert. Und diesen winkt kaum eine Chance auf Erholung, zumal es sich oft um Finanzwerte handelt.

 

 


Das nächste Jahr gehört den Indexfonds

Nachdem die Jahresendrally 2008 ausgeblieben ist, droht den Anlegern für den Januar wohl der Sprung ins eiskalte Wasser. Jene Anleger, die hier überhaupt mittun wollen, suchen sich am besten täglich handelbare Finanzprodukte aus, die sich zudem von der Gebührenstruktur her wenig belastend auswirken.

Eine Gruppe von Vehikeln, die solche Kriterien nach wie vor erfüllt, sind die sogenannten Exchange Traded Funds (ETF). Diese Indexfonds folgen automatisch ihrer jeweiligen Benchmark, eine signifikante Unterperformance gegenüber dem Markt ist also nicht möglich. Der grossen Nachfrage im Jahr 2008 wegen ist die Palette noch einmal drastisch erweitert worden. Mittlerweile sind allein an der SWX SIX Exchange 150 ETF gelistet, die Auswahl beschränkt sich dabei nicht nur auf Aktien, sondern umfasst nun auch den Geldmarkt (siehe Seite 29). Zudem gibt es mittlerweile die Möglichkeit, über ETF auch auf fallende Märkte zu setzen. Unbedingt sollten Anleger aber darauf achten, dass sie nur in liquide Märkte investieren, und auch dort vornehmlich in Blue Chips. Denn exotische Schwellenland-Indizes etwa kommen den Investor nicht nur bei den Gebühren teurer zu stehen, sondern erhöhen auch die Volatilität im Portefeuille.

Von der Volatilität profitiren können risikofähige Anleger auch 2009 mit dem Einsatz von Puts und Calls. Diese relativ simplen Hebelprodukte haben in den letzten Monaten eine erhöhte Nachfrage erfahren, nachdem die Investoren genug hatten von komplizierten Strukturen. Das zeigt, trotz Lehman und Co.: Der Derivatemarkt ist längst nicht tot. (sg)