Wer wissen will, was in der Modebranche angesagt ist, blickt nach Paris oder Mailand. In der Finanzwelt kommt der «letzte Schrei» aus New York oder London.

So war in den letzten Jahren etwa auch der «share buyback» gross in Mode gekommen. Die Idee hinter den Aktienrückkaufprogrammen: Die Gesellschaft kauft mit «überschüssigem» Kapital eigene Aktien zurück, damit sich der Gewinn auf weniger Aktien verteilt. Mit dieser «Gewinnverdichtung» steigt der Gewinn pro Aktie. Damit sind die Anleger in der Regel bereit, mehr für die Titel zu bezahlen, und der Aktienkurs steigt. Die Firmen wollen mit den Aktienrückkäufen aber nicht nur Kapital an die Aktionäre zurückführen, sondern versuchen damit auch, sich gegen Übernahmen zu wappnen. Oder sie kaufen Titel zurück, um sie danach für die firmeneigenen Bonusprogramme zu verwenden. In diesem Fall werden die Aktien nicht vernichtet, wodurch sich der Gewinn aber noch immer auf die gleiche Anzahl Titel verteilt und der positive Effekt für die Aktionäre nicht eintritt.

Höhepunkt kurz vor der Krise

Mit der Zeit sind immer mehr Unternehmen diesem Trend an den Finanzmärkten gefolgt und kurz vor Ausbruch der Finanzkrise vor zwei Jahren hat die «Aktienrückkauf-Bonanza» ihren Höhepunkt erreicht. Und heute ist das Volumen der Aktienrückkäufe laut einer Erhebung der Ratingagentur Standard & Poors (S&P) so tief wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 1998.

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Gemäss Howard Silverblatt, Senior Index Analyst von Standard & Poors, sind die Aktienrückkäufe der am S&P 500 kotierten Unternehmen im Vergleich zum Rekordwert vor der Krise um rund 85% eingebrochen. Im 2. Quartal 2009 haben die 500 grössten börsennotierten US-Firmen 24,2 Mrd Dollar für Aktienrückkäufe ausgegeben, was einem Rückgang von 72% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Und dieser Trend dürfte gemäss Silverblatt anhalten, trotz künftig steigenden Unternehmensgewinnen. Denn ein hohes Liquiditätspolster dürfte für die Unternehmen oberstes Gebot bleiben. Doch mit der zunehmend freundlichen Stimmung an den Finanzmärkten leben hier und da die Aktienrückkäufe wieder auf. So hat der Klima- und Fertigungstechnikkonzern Walter Meier kürzlich angekündigt, trotz Wirtschaftskrise Aktien für bis zu 15 Mio Fr. zurückzukaufen. Auch der deutsche Rückversicherer Munich Re hat sein Aktienrückkaufprogramm wieder aufgenommen. Über 1 Mrd Euro lassen sich die Münchner den Rückkauf kosten. Ein Beweis für die Finanzstärke des Instituts, haben doch gleichzeitig die Eigner von Swiss-Re-Titeln an der Gewinnverwässerung durch das neu aufgenommene Kapital zu beissen.

Die positive Wirkung eines «aktionärsfreundlichen» Aktienrückkaufprogramms ist an der Börse allerdings schnell wieder verpufft. Vor wenigen Tagen wurde Munich Re vom Broker Helvea auf «Neutral» zurückgestuft. Das beschränkte Kurspotenzial für die Aktie hat Analyst Tim Dawson unter anderem damit begründet, dass das Aktienrückkaufprogramm bereits angekündigt wurde. Dies bedeutet, dass die Wirkung des Programms schon im Kurs enthalten ist - und damit ein Grund für neue Kursfantasien fehlt.

Mangelt es an besseren Ideen?

Die Aktienkurse werden im Vorfeld der Ankündigung beflügelt. So wurden die Titel von Nestlé jüngst von einer Hochstufung durch die UBS auf «Kaufen» getrieben. Die Analysten der Grossbank erwarten, dass der Nahrungsmittelmulti einen «signifikanten» Betrag an flüssigen Mitteln an die Aktionäre zurückführen könnte.Als Anleger muss man sich aber auch fragen, ob das Management denn die flüssigen Mittel nicht lieber für neue Projekte ausgeben sollte, die dann in Zukunft höhere Gewinne abwerfen. So verzichtet etwa Julius Bär derzeit darauf, eigene Aktien zurückzukaufen. Die Privatbank will aktiv an der Konsolidierung in der Branche teilnehmen. Dabei muss jedes potenzielle Übernahmeobjekt das Kriterium erfüllen, einen höheren Wert als die Aktienrückkäufe zu bieten.

Verwässerung bremst den Kurs

Während die Zahl der Aktienrückkäufe im Zuge der Krise deutlich zurückging, mussten sich mehr Unternehmen am Kapitalmarkt mit frischem Kapital eindecken. Für die Aktionäre tritt bei der Kapitalerhöhung der umgekehrte Effekt ein: Die Zahl der Aktien, auf die sich der Gewinn des Unternehmens verteilt, stuft.

Dies zeigt sich am Beispiel der UBS besonders drastisch. Nachdem die Grossbank 2007 ihr grossangelegtes Aktienrückkaufprogramm suspendiert hatte, folgten die Kapitalerhöhungen Schlag auf Schlag. Im Zuge der Kapitalaufstockungen hat sich die Anzahl der Aktien schätzungsweise um rund zwei Drittel erhöht.

Somit werden die Anleger in Zukunft nie mehr bereit sein, so viel für eine UBS-Aktie zu bezahlen wie noch vor der Krise. Heute kostet die Aktie rund 20 Fr., das Allzeithoch hatte der Titel bei 75.54 Fr. erreicht. Das war vor zwei Jahren.