Wenn die grossen Länder gegenwärtig ihre Volkswirtschaften ankurbeln möchten, dann tun sie dies oftmals über milliardenschwere Infrastrukturvorhaben.

Dabei sollen nicht nur neue Strassen, Brücken, Schienennetze und Autobahnen gebaut werden, sondern auch die bestehenden Verkehrswege und Bauten wie Schulen saniert werden. In vielen westlichen Ländern besteht zudem ein hoher Nachholbedarf bei der Erneuerung der Strom- und Wassernetze. Die Weltbank schätzt den Investitionsbedarf allein für die westlichen Länder auf 750 Mrd Dollar, die US-Ingenieurvereinigung rechnet sogar mit 1,6 Billionen Dollar allein für die Vereinigten Staaten. Hinzu kommt der Auf- und Nachholbedarf in China, Indien und in Osteuropa, wo der Ausbau der Verkehrsnetze keinesfalls abgeschlossen ist.

ABB und Holcim als Basiswerte

Das birgt Chancen für die Werte von Zementherstellern, Baufirmen und Investitionsgüterkonzernen umso mehr, als derzeit vorab die schlechten Nachrichten in den Kursen enthalten sind: So drückt die abnehmende private Baukonjunkur die Branche.

Anleger, die von den besseren Aussichten für den Infrastruktursektor profitieren möchten, sollten deshalb sowohl regionale als auch inhaltliche Schwerpunkte setzen.Denn in den USA beispielsweise sollen auch der Ausbau des Hochleistungs-Datennetzes bis in die Haushalte sowie die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien (Solar- und Windenergie) im Rahmen der Konjunkturförderung erfolgen.

Infrastrukturtitel im engeren Sinn sind die an der SIX Swiss Exchange gelisteten Aktien von ABB, Holcim und Geberit. Für die beiden SMI-Vertreter ABB und Holcim ist auch die Auswahl an Hebel- und Anlageprodukten gross. Wer das Thema Infrastruktur mit diesen Werten lediglich «tracken» möchte, sollte gleich die Aktien kaufen. Allein auf ABB gibt es fast 600 Call und Put Warrants.

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Vorsichtig disponierende Anleger finden einige Discount-Produkte wie BIABB, DCABB oder SGABB mit Barrieren, die zwischen 10 und 17 Fr. und damit in der Nähe des aktuellen Kurses oder darunter liegen. Entsprechende Discounter auf Holcim sind HOBOO, SDHOL, HOLNB oder BLHOL. Auf Geberit, bei der Auswahl schmaler ist als bei ABB oder Holcim, ist das Discount-Produkt BLGEB gegenwärtig attraktiv.

Etliche Banken haben aber auch gezielt Baskets und Index-Tracker für Infrastrukturwerte emittiert. Von ABN/RBS über Credit Suisse, EFG, Goldman Sachs, Julius Bär, UBS, der Bank Vontobel bis hin zur ZKB sind fast alle grösseren Emittenten vertreten. Von den knapp 40 Produkten hat ein halbes Dutzend einen China-Bezug. Gleich beides, einen Basket mit Schwerpunkt in Europa (ECETI) und einen mit Ausrichtung auf China (ECCTI), bietet die EFG an. Der in Franken denominierte China-Basket hat in den letzten zwölf Monaten 50% verloren, der in Euro berechnete Europa-Infrastruktur-Basket 43%. Im Vergleich dazu hat sich der SMI mit einem Minus von 23% deutlich besser gehalten.

Wechselkurse beachten

Bei solchen Vergleichen sind auch die Währungsverhältnisse zu berücksichtigen. Die Aufwertung des Frankens lässt Infrastrukturbaskets bei Performancevergleichen etwas schlechter abschneiden. Ein Beispiel sind die beiden von ABN/RBS emittierten Index-Tracker BRINC (auf Frankenbasis) und BRINU (in Dollar denominiert) auf einen im eigenen Haus berechneten BRIC-Infrastruktur-Index. Der in Dollar berechnete Index-Tracker schnitt in den ersten sechs Monaten des letzten Jahres etwas besser ab als die Frankenvariante. Genau umgekehrt ist es bei den von der Credit Suisse emittierten EICHF (in Franken) und EIEUR (in Euro) auf den CS World Emerging Infrastructure-Basket.