Die Aktien der Baloise notieren in einem etwas festeren Gesamtmarkt mit deutlichen Kursverlusten. Der Versicherer musste eine Gewinnwarnung für das laufende Jahr publizieren. Wertberichtigungen auf griechischen Staatspapieren, auf Aktien und auf dem Goodwill des Kroatien-Geschäfts werden das Ergebnis stark belasten.

Analysten zeigten sich darüber enttäuscht, verweisen aber auch darauf, dass es sich um einen einmaligen Unfall handeln dürfte.

Bis um 11.15 Uhr büssen Baloise um 3,1 Prozent auf 66,20 Franken ein. Zeitweise betrug der Abschlag 5,5 Prozent. Bisher wurden bereits mehr als 230'000 Aktien gehandelt. Das durchschnittliche Tagesvolumen der vergangenen Wochen liegt bei rund 170'000. Der Gesamtmarkt (SMI) gewinnt zum Berichtszeitpunkt 0,79 Prozent.

Die Gewinnwarnung sei für die Schweizer Qualitätsanlage ein Schock, schreibt Fabrizio Croce von Kepler. Das Ergebnis werde durch Sonderfaktoren belastet, die überraschend hoch ausfallen. Viel wichtiger sei aber, dass die Kapitalisierung nach wie vor gut sei und die Dividendenpolitik unverändert bleibe. Das Jahr 2011 dürfte somit zu einem einmaligen Ausrutscher werden. Allerdings sei das Ganze eine Enttäuschung, so Croce.

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ZKB bleibt bei «Buy»

Die angekündigten Verluste bezeichnet ZKB-Analyst Georg Marti zwar als negativ. Gemildert werde dies jedoch durch die Tatsache, dass die Verluste nicht cash-wirksam seien. Ausserdem musste vor allem bei griechischen Staatsanleihen schon vorher mit Wertberichtigungen gerechnet werden.

Die Gewinnwarnung sei die Folge einer auf eine bessere Situation an den Finanzmärkten und höher erwarteten Zinssätze ausgerichteten Bilanz, sagte Stefan Schürmann von der Bank Vontobel. Die Bilanz sei aber nun unter Druck gekommen. Schürmann wird seine Gewinnschätzungen für 2011 reduzieren, belässt aber die Erwartungen für die beiden kommenden Jahre unverändert. Denn die Probleme hätten einmaligen Charakter und seien zahlungsunwirksam.

Die Aktie beinhalte mit einen Abschlag von 25 Prozent auf den Buchwert bereits die schlechten Nachrichten, so Schürmann weiter. Er belässt somit das Rating auf «Buy» mit einem Kursziel von 90 Franken. Auch Fabrizio Croce hält an der «Kauf»-Empfehlung fest, reduziert aber das Kursziel auf 93 von 103 Franken. Die ZKB-Einschätzung lautet unverändert «Marktgewichten».

Für Investoren schwierig, den Überblick zu behalten

Helvea-Analyst Tim Dawson dagegen das Kursziel von zuvor 77,50 auf 73,50 Franken gesenkt und die Gewinnerwartung reduziert, dies uch für die Jahre 2012 und 2013. Im Gegensatz zu den vom Versicherungskonzern genannten hohen Einmaleffekten habe sich das operative Versicherungsgeschäft allerdings günstig entwickelt. Die heutige Ankündigung werde die Bilanz nicht fundamental schwächen, wirke sich aber negativ auf das Sentiment aus. Die Einschätzung des Valors als interessantes Dividenden-Papier bleibe bestehen.

Die negativen Sondereinflüsse bei Baloise hätten aufgezeigt, dass im immer noch unsicheren und schwierigen Umfeld weiterhin Risiken für Finanzaktien wie Versicherungen und Banken bestünden, schreiben die Autoren der Bank Wegelin. Insbesondere bei einer Verschärfung der Schuldenkrise könnten weitere Abschreibungen bei solchen Instituten nötig werden.

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Für Investoren sei es sehr schwierig bei Finanzunternehmen den Überblick zu behalten, da oft zu wenig Informationen über die eingegangenen Risiken, die Zusammensetzung der Portfolios oder die effektive Struktur der Bilanz ersichtlich seien, so der Wegelin-Kommentar weiter. Die Anleger dürften also in solchen Aktien weiterhin zurückhaltend agieren.

(tno/awp)