Angesichts anhaltender Konjunktursorgen fragen Anleger das Edelmetall derzeit stark nach. Dadurch erreichte der Goldpreis in einigen Währungen Ende Januar neue Rekorde zum Beispiel in Euro und der indischen Rupie.

Rohstoffanalysten gehen mehrheitlich davon aus, dass das Edelmetall 2009 auch in seiner Basiswährung neue Höchstpreise jenseits der 1033.90 Dollar vom 17. März 2008 erzielen wird. Zu den Gründen gehört die weiter steigende Investorennachfrage angesichts schwacher Konjunkturdaten, mittel- und langfristiger Inflationssorgen sowie niedriger Realzinsen. Auch eine mögliche Dollarschwäche und fehlende Mineninvestitionen sprechen für einen intakten Aufwärtstrend.

Dollar runter, Goldpreis rauf

Auffällig ist: Übliche Korrelationen zwischen Gold- und Ölpreis sowie Goldpreis und Dollar sind seit einigen Wochen ausser Kraft: Der Edelmetallkurs ist gestiegen, obwohl der Ölpreis gefallen ist und der Dollar an Stärke gewonnen hat. Warum? Rohstoffanalysten begründen die Entwicklung damit, dass das sehr hohe Investoreninteresse wegen des im Markt vorhandenen Sicherheitsbedürfnisses stark ansteigt.Eine anhaltend starke Nachfrage wird dabei über 2009 hinaus erwartet. «Eine erneute Dollarschwäche wird 2009 der wichtigste Treiber für den Goldpreis sein», sagt Larry Cho von Goldman Sachs. Die amerikanische Währung sollte im Jahresverlauf abwerten. Denn Vermögensrückführungen in die USA, die zuletzt als Kurstreiber gewirkt hatten, seien nun weitestgehend abgeschlossen. Dadurch würden die schlechten Konjunkturdaten wieder in den Vordergrund rücken. Eine Untersuchung von Goldman Sachs zeigt: Zwischen 1988 und 2008 stieg der Goldpreis immer dann, wenn der Dollar an Wert verlor.Als zweiten Grund für eine weiter steigende Goldnachfrage sehen Analysten Inflationssorgen an. Denn viele Investoren erwarten, dass sich die weltweite Geldmenge durch staatliche Konjunkturprogramme ausweiten wird. Damit verlören ihre derzeit sehr hohen Cashbestände an Wert. Hinzu kommen die für Cashanlagen sehr ungünstigen, tiefen Realzinsen.Enders nennt einen weiteren Treiber für den Goldpreis: Die niedrigen Realzinsen. Das heisst, dass angesichts historisch niedriger Zinssätze Staatsanleihen und Bankeinlagen abzüglich der Teuerungsraten momentan nur geringe Wertzuwächse bieten; in den USA sind die Renditen teilweise sogar negativ. Diese Tatsache entkräftet ein Argument, das in anderen Marktphasen gegen Gold spricht: Dass das Edelmetall nämlich keine Zinsen liefert. Larry Cho von Goldman Sachs sagt: «Wir betrachten die heutigen negativen oder niedrigen Realzinsen als das bullishste Umfeld für Gold.»Preistreibend wirkt auch das begrenzte Angebot. Das gilt einerseits für den Primärmarkt: 2008 ist die weltweite Goldproduktion gegenüber 2007 um 3% gesunken, zeigen Zahlen des britischen Edelmetallberaters GFMS. In der 1. Jahreshälfte 2009 werde die Produktion zwar leicht steigen allerdings ausgehend von dem tiefen Niveau von 2008. Viele Minen kündigen derzeit Produktionssteigerungen an. Analysten bezweifeln aber, dass diese umgesetzt werden können. Denn den kleinen und jungen Unternehmen ist der notwendige Zugang zum Kapitalmarkt derzeit versperrt.

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Verschlossene Türen bei der SNB

Auch auf dem Sekundärmarkt sollte das Angebot weiter abnehmen: Schon 2008 hat die öffentliche Hand insbesondere Notenbanken 40% weniger Gold verkauft als 2007. GFMS erwartet, dass diese Menge in der 1. Jahreshälfte 2009 um weitere 23% sinken wird. Unter anderem, weil die Schweizerische Nationalbank SNB ihr Verkaufsprogramm abgeschlossen hat. Einige Unsicherheiten bleiben dennoch. Dazu gehören die sinkende Nachfrage nach Goldschmuck, aber auch die Notverkäufe durch Hedge-Fonds. Mangels Wertzuwachs ziehen Anleger ihr Geld derzeit aus diesen Fonds ab. Das zwingt die Manager zu Verkäufen, wobei Gold besonders geeignet ist. Denn im Gegensatz zu anderen Anlageklassen lässt sich das Edelmetall derzeit mit Gewinn veräussern. 1000 Dollar pro Unze im weiteren Jahresverlauf sehen Herlinghaus und Proettel dennoch als realistischen Goldpreis an. Die UBS hat ihre Prognose für den durchschnittlichen Goldpreis 2009 kürzlich von 700 auf 1000 Dollar angehoben. Sogar neue Rekordstände jenseits von 1031 Dollar seien möglich. Da wundert es nicht, dass in einer aktuellen Bloomberg-Umfrage 22 von 31 Rohstoffhändlern Gold zum Kauf empfehlen. Acht raten zum Verkauf, einer ist unentschlossen.