Der Glanz ist zurück: Gold hat den Kampf um die psychologisch bedeutsame 1000-Dollar-Barriere erneut gewonnen. Die Feinunze (31,1 g) notiert inzwischen bei 1006 Dollar.

Gerne auf Zinsen verzichten

Der plötzliche Anstieg des Goldpreises sorgte bei vielen Marktteilnehmern für Erstaunen.

Wochenlang bewegte dieser sich bei dünner Nachrichtenlage relativ unspektakulär in einem Band zwischen 910 und 970 Dollar. Jetzt haben die Notierungen deutlich angezogen, nachdem Gerüchte aufgekommen waren, chinesische Staatsfonds könnten verstärkt in das Edelmetall investieren. «Das Engagement Chinas dürfte sich allerdings eher über mehrere Jahre, nicht über Monate oder gar Wochen hinziehen», dämpft Eugen Weinberg, Rohstoff-Analyst bei der Commerzbank, die Euphorie.

Gold wird aber auch in seiner traditionellen Funktion als Inflationsschutz gesucht, weil die Sorgen um die Geldwertstabilität wachsen. Grund sind die von den Regierungen zur Rettung der Wirtschaft weltweit in den Markt gepumpten Milliardensummen. Die jüngsten Kommentare von Seiten der Notenbanken belegen zwar, dass eine Exit-Strategie, also ein Plan zur Rücknahme der unterstützenden Massnahmen, bereitliegt.

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EZB-Chef Jean-Claude Trichet etwa betont aber auch: «Heute ist nicht die Zeit für einen Ausstieg.» Solange die zusätzlich bereitgestellte Liquidität nicht aus dem Markt genommen wird, wittern die Anleger Inflationsgefahren. Sie können auch mit Blick auf ihre Opportunitätskosten relativ beruhigt sein.

Zwar bringt eine Anlage in Gold keine Zinsen, doch was Investoren dadurch am Geldmarkt verpassen, ist zu verschmerzen die Leitzinsen sind auf Tiefstwerte gefallen. Und den Einschätzungen der Notenbanker zufolge dürfte sich daran in näherer Zukunft kaum etwas ändern. Zu fragil ist trotz erster Anzeichen einer Erholung noch die konjunkturelle Gesamtlage.

Goldpreis bald bei 1400 Dollar?

Sollte sich aber die Wirtschaft stabilisieren, ist auch wieder mit verstärkter Nachfrage aus der Schmuckindustrie zu rechnen. Diese war angesichts der Krise zuletzt stark eingebrochen. Die Käufe aus Indien, traditionell weltweit stärkster Goldabnehmer, werden in diesem Jahr nach Schätzungen von Commerzbank-Experte Weinberg voraussichtlich mehr als 60% unter Vorjahresniveau bleiben. Aber auch wenn kurzfristig die Gefahr einer schärferen Korrektur besteht: Mittel- bis langfristig sind die Perspektiven für das Edelmetall gut. So hält etwa Jochen Hitzfeld, Analyst bei der Unicredit, einen Goldpreis von 1400 Dollar noch im Laufe des kommenden Jahres für möglich. Angetrieben werden könnte der Markt vor allem von der Nachfrage aus China.

Hoffen auf Nachfrage aus China

Rohstoff-Analyst Ronald-Peter Stöferle von der österreichischen Ersten Bank hat ausgerechnet, dass die chinesische Zentralbank mehr als 5000 t Gold kaufen müsste, um einen 10-prozentigen Anteil bei Chinas Reserven zu erreichen.

Bisher bestehen diese überwiegend aus Dollar, dessen langfristige Stabilität allerdings in Zweifel steht. Gross angelegte Käufe des Landes würden die Karten auf dem Edelmetallmarkt völlig neu mischen.