Die Valoren des Genfer Luxushauses befinden sich im Abwärtssog. Neuster Anlass dazu waren die Zahlen der britischen Edelbekleidungsmarke Burberry, die auch Richemont-Anleger zu Käufen bewegten. Burberry prognostizierte in der 2. Jahreshälfte tiefere Verkäufe wegen der schwachen Konjunktur, insbesondere in den USA. Die Burberry-Titel verloren teilweise bis zu 17% Richemont lag bis zu 4,5% im Minus.

Auch zum Wochenauftakt notierten die Richemont-Aktien im roten Bereich. Der Grund dafür: ZKB-Analyst Patrik Schwendimann stufte die Titel von «Übergewichten» auf «Marktgewichten» herab. «Die Halbjahreszahlen waren zwar besser als erwartet, die Verlangsamung im Oktober jedoch beunruhigend stark», so der Analyst. Schwendimann geht davon aus, dass sich die wachstumsstarke Region Asien 2009 deutlich verlangsamen wird.

Starke Tageskursbewegung

Am 14. November präsentierte Richemont die Halbjahreszahlen. Der Umsatz wuchs um 10% – ohne Währungseffekte 16% auf 2,8 Mrd Euro. Der operative Gewinn stieg um 14% auf 639 Mio Euro. Beim Reingewinn (vor BAT) resultierte eine Steigerung von 11% auf 543 Mio Euro. Am kräftigsten wuchs Richemonts Umsatz in der Region Asien (ohne Japan) um 19%. In Europa steigerten sich die Verkäufe um gute 15%. Aber in Amerika ist ein Rückgang um 2% zu verbuchen. Bei den Bereichen schnitten Schmuck (plus 11%) und Uhren (plus 12%) mit zweistelligen Raten am stärksten ab.

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Insgesamt sprachen Marktteilnehmer von soliden Zahlen, die Aktie ging darauf mit über 3% Plus in den Handel. Innert Tagesfrist büssten die Titel jedoch massiv an Wert ein und schlossen mit minus 3,6%. Dafür verantwortlich war das deutlich abgeschwächte Wachstum im Oktober. Die Umsätze im Herbstmonat sind in Euro nur noch um 1,6% gestiegen und bei konstanten Wechselkursen sogar um 2% gesunken. Belastend wirken auch die 9-Monats-Zahlen von Bulgari, welche unter den Erwartungen ausfielen. Das italienische Modehaus erwartet für 2008 nur noch ein geringes Umsatzwachstum.

Vom Markt erwartet werden massive Rückgänge der Luxusindustrie im wichtigen Weihnachtsgeschäft. Vontobel-Analyst René Weber geht von einem Rückgang von 5% aus. «Das wäre trotzdem noch das zweitbeste Weihnachtsgeschäft überhaupt», so der Analyst. Zwar geht auch Weber davon aus, dass Asien im nächsten Jahr eine deutliche Abschwächung spüren wird. Deshalb prognostiziert er Richemont 2009 ein Umsatzwachstum von minus 5%. «Der Markt geht jedoch davon aus, dass der Rückgang viel grösser sein wird.» Er empfiehlt die Aktie aus Bewertungsgründen zum Kauf: «Nach unseren Schätzungen hat Richemont mit 8,3 ein sehr niedriges erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2009.» Trotz dem negativen Newsflow in der Luxusgüterindustrie empfehlen fast zwei Drittel der Analysten den Titel zum Kauf.