Obwohl die Bekanntgabe erst auf den 21. August geplant war, publizierte der Schweizer Uhrenhersteller Swatch bereits sechs Tage früher seine 1.-Halbjahres-Resultate. Die Anleger haben die Zahlen positiv aufgenommen: Nach einem zurückhaltenden Auftakt legte der Kurs am Publikationstag teilweise um 4% zu. Insgesamt fielen die Ergebnisse leicht über den Erwartungen aus. Vor allem im Segment Uhren fiel das Wachstum (plus 17,7%) erstaunlich hoch aus. Der Konzernumsatz stieg um 13,8%. Der Reingewinn ging um 9% zurück, belastet durch das negative Finanzergebnis.

Vontobel-Analyst René Weber erwartet im 2. Halbjahr zwar «eine Abschwächung, aber dennoch zweistelliges organisches Wachstum». Patrik Schwendimann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), weist auf eine Verlangsamung im Uhrenmarkt hin. Wegen der vergleichsweise geringen eigenen Detailhandelsaktivitäten werde Swatch diese jedoch erst mit einer zeitlichen Verzögerung spüren. «Wir gehen davon aus, dass sich Europa wegen des schwierigen Wirtschaftsumfeldes 2009 deutlich verlangsamen wird», so Schwendimann weiter. Und Swatch weise mit 48% den höchsten Umsatzanteil in Europa auf. Die bevorstehende Abschwächung im 2. Halbjahr gilt gemäss Weber für die gesamte Luxusgüterindustrie. Eine Herausforderung sei nach wie vor der negative Währungseffekt, obwohl sich dieser dank der jüngsten Aufwertung des Dollar etwas entschärfen dürfte.

Swatch gewinnt mit Dollar

Gerade Swatch, der einzige grosse Luxusgüterhersteller, der in Franken rapportiert, dürfte von der Erstarkung des Greenback gegenüber dem Franken profitieren. Auf die Frage, ob die Luxusgüterindustrie von der Finanzkrise stärker oder weniger stark betroffen sei als andere Branchen, antwortet Weber: «Eher weniger. Der Einfluss der Finanzkrise wird überschätzt.» Es seien zwar einige Käufer – etwa aus dem Bankensektor weggefallen. Dafür seien durch die Hausse der Ölpreise neue Käufer aus dem Mittleren Osten hinzugekommen.

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Seit Jahresbeginn sind die Aktien der meisten Luxusgüterhersteller unter die Räder gekommen. Swatch hat 24% an Wert verloren, Richemont 19%, Bulgari 27%, LVMH ist 12% gesunken und Hugo Boss sogar 31%. Doch die Jahreszahlen sind – zumindest bei Swatch, Richemont und LVMH, eher besser als erwartet ausgefallen. «Die wenigsten konnten sich vorstellen, dass das stagnierende Wachstum in den USA von China und vom Nahen Osten kompensiert würde», erklärt Weber. Seit knapp zwei Monaten haben sich die Luxusaktien auch bereits wieder gefangen und bewegen sich seitwärts oder leicht steigend. Auch durch die Ölpreise, die von ihrem Aufwärtstrend abgekommen sind? Weber sieht keinen direkten Einfluss auf die Luxusgüterindustrie. Grundsätzlich wirke es sich auf die Weltökonomie positiv aus, wenn die Ölpreise zurückkämen, so der Vontobel-Analyst.

Umsatztreiber Cartier

Während bei der Swatch-Aktie 11 von 22 Analysten kaufen würden, lautet bei Richemont immerhin bei rund 58% der Analysten die Empfehlung «übergewichten». Auch das Genfer Luxushaus hat gute Halbjahreszahlen vorgelegt: «Umsatztreiber war die Schmuck- und Uhrenmarke Cartier», schreibt Schwendimann. Wie üblich stark sei das Wachstum in Asien ohne Japan ausgefallen, und «verblüffend gut» sei es mit je plus 20% in Amerika und Europa gewesen. Seit einem Monat hat der Kurs von Richemont 18% zugelegt.

Jüngst hat auch die Nachricht über die frühere Abspaltung als erwartete von British American Tobacco (BAT) bei den Aktionären für Freude gesorgt. Für Richemont spricht auch die Bewertung. Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 10,8 für 2009 liegen die Genfer deutlich unter der Peer-Gruppe. Gemäss Weber hätte Richemont aufgrund des hochwertigen Marken-Portefeuilles mindesten ein durchschnittliches KGV verdient.

80% würden LVHM kaufen

Mit einem geschätzten KGV von 13,6 für 2009 weist LVMH dagegen eine Prämie zur Konkurrenz auf. Doch Luxus scheint auch bei den Aktien etwas mehr kosten zu dürfen: Immerhin empfehlen über 80% der Analysten, den Titel zu kaufen. Im 1. Halbjahr verzeichnete LVMH einen Umsatzanstieg von 5%. Das organische Wachstum belief sich auf 12% und der operative Gewinn erhöhte sich um 7%.

Insgesamt fielen die Ergebnisse leicht über den Erwartungen aus. Weber hat nach den Resultaten seine Schätzungen für den Gewinn pro Aktie für 2009 von 4.98 Fr. auf 5.02 Fr. erhöht. Darin ist auch das Aktienrückkaufprogramm berücksichtigt, das im 2. Halbjahr fortgesetzt werden soll. Das Kursziel sieht der Vontobel-Analyst bei 75 Euro (aktuell: 72 Euro ).