Wenn die Credit Suisse am Donnerstag, 22. April, ihr 1.-Quartalsergebnis präsentiert, stehen für die meisten Anleger drei Kennzahlen im Vordergrund: Der Nettoneugeldzufluss der Wealth-Management-Sparte, die das Geld vermögender Privatkunden verwaltet, die Kapitalisierung der Bank sowie der Reingewinn.

Beim Nettoneugeldzufluss rechnen die Analysten mit 11,2 Mrd Fr. Einige Research-Teams wie jenes der Bank Vontobel erwarten als Effekt der gestohlenen und an Deutschland verkauften Kundendaten 1,2 Mrd Fr. weniger. Auch die Bruttomarge könnte hier leicht unter Druck sein. Die Eigenkapitalbasis dürfte sich weiter über die Ende 2009 gemeldeten 16,4% bei der Kernkapitalquote verbessern. Und beim Reingewinn rechnen die Analysten mit 2,02 Mrd Fr., praktisch gleich viel wie im Vorjahres-Vergleichszeitraum.

Abweichungen bei den Schätzungen einzelner Banken haben ihre Ursache in den unterschiedlichen Einschätzungen zu Wertberichtigungen bei Krediten oder Kreditverbriefungen. Die grössten Unsicherheiten bestehen bei den Schätzungen zum Handelsertrag im Fixed-Income-Bereich, der eine wichtige Abteilung der Investment-Banking-Sparte ist. Im Geschäft mit Obligationen, Währungen und Rohstoffen reichen die Analystenschätzungen für den Handelsertrag zwischen 1,3 und über 4 Mrd Fr.

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Bis zu 35 Milliarden Abfluss

Laut den Analysten von JP Morgan liegt die Credit Suisse hier mit einem letztjährigen Umsatz von 9,4 Mrd Dollar deutlich hinter den Top-3-Konkurrenten Goldman Sachs, Deutsche Bank und RBS. Besonders beim Fremdwährungshandel und dem Rohwarenhandel liegt laut den Analysten einiges drin - und genau hier möchte sich die Bank auch verstärken. «Im besten Fall lässt sich hier zwei Drittel des Umsatzrückstands aufholen, zumal die Investitionen in das Personal und die IT bereits getätigt werden», schätzen die JP-Morgan-Analysten.

Die Investment-Banking-Sparte der Credit Suisse ist aber auch in weiteren Punkten im Vergleich zur UBS so unterschiedlich aufgestellt, dass eine einfache Ableitung aus den CS-Quartalszahlen für das Geschäft der UBS nicht möglich ist. So ist die Credit Suisse beim Kredithandelsgeschäft und im Festverzinslichengeschäft viel grösser als die UBS, die dafür beispielsweise bei Devisen die Nase vorn hat. Und für dieses und das nächste Jahr zeichnet sich eine Abschwächung der Ertragspfeiler der Fixed-Income-Geschäfte weltweit um 25% ab.

Viel beachtet werden dürfte aufgrund der Steuerdebatten und gestohlener Daten der Nettoneugeldzufluss. Die Credit Suisse hatte 2009 zwischen 5 und 11 Mrd Fr. pro Quartal eingesammelt, die UBS in den letzten fünf Quartalen dagegen zwischen 8 und 33 Mrd Fr. verloren. Wenn man diese Geldflüsse hochrechnet, könnte die Credit Suisse die UBS im nächsten Jahr überholen. Für dieses Jahr haben viele Analysten ihre Schätzungen aufgrund der Herausforderungen im schweizerischen Vermögensverwaltungsgeschäft leicht nach unten angepasst. Auch wenn noch weitere Steueramnestien wie die in Italien kommen sollten, schätzen Analysten den Mittelabfluss auf maximal 35 Mrd Fr., was die Bank in anderen Regionen und Ländern rasch wieder einspielen könnte. Und, sehr positiv für die Credit Suisse: Die Zuwächse gehen kaum auf Kosten der Margen.

In den letzten Tagen gaben mögliche Abschreiber auf Geschäftsimmobilien einiges zu reden. Hier ist das negative Überraschungspotenzial bei der Credit Suisse klein (siehe Text unten).

Offen ist indessen noch die Frage, ob es jetzt bei weiteren Banken zu Klagen aufgrund verkaufter strukturierter Kredite gibt, nachdem die US-Börsenaufsicht ein entsprechendes Vorgehen gegen Goldman Sachs am Freitag angekündigt hatte. An den Börsen kamen die Investmentbankenaktien deswegen stark unter Druck.

Dennoch wird die Credit Suisse allenthalben zum Kauf empfohlen, während die UBS weiterhin die schlechteren Noten ausgestellt bekommt. «Für Grübel wird dieses Jahr das ?make-it-or-break-it-Jahr», sagen die Analysten bei JP Morgan, «weil der Goodwill der Aktionäre jetzt auslaufen dürfte.» Umso wichtiger ist es, dass die 1.-Quartals-Resultate vom 4. Mai den Anlegern wieder Mut machen.

 

 


US-Geschäftsimmobilien werden zum Brandherd ? doch bei der CS muss kaum gelöscht werden

Nach den Investmenthäusern Morgan Stanley und Goldman Sachs muss nun auch die Deutsche Bank hohe Verluste mit einem Immobilienfonds in den USA eingestehen.

Wie der Branchenprimus bestätigte, ist sein Immobilienfonds Rreef America Reit III zu einem Problemfall geworden. Der Konzern musste massiv einschreiten, um den Fonds zu stützen. «Wir haben bereits 2009 für den Fonds eine Restrukturierungslösung erarbeitet, bei der die Deutsche Bank, Kreditgeber und Investoren einen Beitrag geleistet haben», sagte ein Konzernsprecher.

Der Fonds hat sein Kapital in sogenannte Real Estate Investment Trusts (Reits) sowie auch in 92 Immobilien in US-Metropolen angelegt. Die tiefe Krise des Marktes für Gewerbeimmobilien in Nordamerika bereitet dem Fonds jetzt grosse Probleme: In den USA stehen wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise viele Bürogebäude, Shoppingcenter und Hotels leer. Mieteinnahmen fehlen, und die Werte der Immobilien fallen rapide. Deshalb mussten Banken für die Fondsimmobilien hohe Wertberichtigungen vornehmen.

Rreef, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bank, verwaltet weltweit Anlagen im Volumen von 43,6 Mrd Euro, davon stecken 37,7 Mrd Euro in Immobilien. In den USA sind insgesamt 12,9 Mrd Euro in die Immobilienbranche investiert.

Der Rreef America Reit III hat seinen Investoren einen Verlust von mindestens 65% beschert. Die Deutsche Bank ist an dem 2,6-Mrd-Dollar-Fonds selbst mit 10% beteiligt. Die restlichen Mittel haben US-Pensionsfonds angelegt. Zu dem Fonds gehören Wolkenkratzer in Philadelphia und Büros im Silicon Valley.

Die Deutsche Bank betont, der Verlustfonds habe nichts mit den offenen Publikumsfonds in Deutschland zu tun. Hier engagieren sich vor allem Privatinvestoren, weil diese Produkte als sichere Anlagen gelten. «Im Fonds Rreef America Reit III sind ausschliesslich institutionelle Investoren aus den USA investiert, so der Konzern. «Die Angelegenheit hat nichts mit offenen Immobilienfonds für Privatanleger zu tun.» In Deutschland vertreibt und managt der Konzern die Publikumsfonds Grundbesitz Global und Grundbesitz Europa, die ein Volumen von 2,8 und 2,7 Mrd Euro haben. Seit einer Woche häufen sich die Hiobsbotschaften bei Fonds, die in Gewerbeimmobilien investieren. Die US-Bank Goldman Sachs etwa musste zugeben, dass ihr Fonds Whitehall Street International im vergangenen Jahr fast seinen gesamten Wert von 1,8 Mrd. Dollar eingebüsst habe. Der Morgan Stanley Real Estate Fund VI droht nach hohen Wertberichtigungen im vergangenen Jahr, beim Wert von 8,8 auf 3,4 Mrd Dollar abzurutschen. Das wäre der bislang grösste Verlust eines Immobilienfonds.

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Das negative Überraschungspotenzial für die ebenfalls im Bereich tätige Credit Suisse ist jedoch klein. Die Nettoausstände von 3 Mrd Dollar sind noch mit 47% bilanziert und bilden deshalb ein geringeres Problem als die netto 2 Mrd Dollar, die noch in den Büchern von Konkurrentin UBS stehen. Die UBS hat diese Verbriefungen und Kredite noch zu 82% bewertet. Unter den europäischen Banken haben die Deutsche Bank mit 14,3 Mrd Euro und die Société Générale (SG) die höchsten Ausstände. Norbert Schwaldt, Matthias Niklowitz