Sowohl der Gold- als auch der Rohölpreis machten in den letzten Tagen Bocksprünge. Nachdem der Goldpreis zunächst kaum auf die Pleiten von Lehman und AIG reagiert hatte, sprang der Preis jüngst auf 900 Dollar je Unze – hauptsächlich wegen des fallenden Dollars – und zog sämtliche Preistracker und Hebelprodukte mit. Ursache für die jüngste Volatilität waren keine grundlegenden Verschiebungen auf fundamentaler Seite. «Die Flucht in Liquidität verschonte auch nicht die traditionell sicheren Anlagen wie Gold», kommentierte John Bridges, Analyst bei JP Morgan, den anfänglichen Stillstand. Erst danach manifestierten sich die Ängste um Pleiten im russischen und amerikanischen Bankensektor.

Stärken von Gold jetzt erkannt

Laut Bridges tut sich ein Graben auf zwischen den an den Finanzmärkten gehandelten Gold-Futures und dem physischen Markt, zu dem auch die mit Golddeckung arbeitenden ETFs zählen. «Die Finanzmärkte realisieren momentan noch nicht die relative Stärke des physischen Goldmarktes», kommentiert Bridges weiter, «und wir wissen nicht, wann der Markt diesen Irrtum erkennen wird; wir erwarten aber noch tiefere Preisniveaus.»

«Endlich reagiert das Gold auf die Systemrisiken», meinte John Hill, Edelmetallanalyst bei der Citigroup. «Nach Phasen mit De-Leveraging, Notverkäufen und deflationären Tendenzen zeigt sich das Gold endlich als «sicherer Hafen» und koppelt sich von den Energiepreisen ab.» Seit Mitte Juli waren 500 t aus Gold-ETFs abgeflossen; diese vereinigen so viel Gold auf sich, dass es unter den Notenbanken weltweit zur Nummer sieben reichen würde (auf Platz sechs steht die Schweizerische Nationalbank; der weltweit drittgrösste Gold-ETF ist jener der ZKB). Hinzu kommt das wieder erwachte Kaufinteresse aus Indien. Gegenüber Juli sind die August-Verkäufe um 45% gestiegen. Umgekehrt haben in der zweiten Augusthälfte Hedge-Fonds laut den Analysten der Société Générale rund die Hälfte ihrer Nettopositionen auf Gold abgebaut.

Anzeige

Die Preisschätzungen reichen für das Gold von 700 bis 1000 Dollar pro Unze. Ausgehend vom aktuellen Niveau wäre das ein Anstieg von 14% bzw. ein Verlust von 20%. Anleger haben inzwischen die Qual der Wahl zwischen 1000 Goldderivaten. Die Schutzniveaus von Kapitalschutzprodukten reichen von 500 bis 1000 Dollar, defensive Anleger kaufen sich solche mit einem 95- oder 100-%-Schutzniveau, das unter dem aktuellen Preis liegt, wie beispielsweise EFBGI, ZKB8G6 oder VUORO.

Kürzung der Ölförderquote

Prinzipiell gilt das Gleiche für Rohöl. Hier wirken die Dollar-Stärke und die US-Konjunkturschwäche. Der Ölsand-Konzern Forest Hills meldete eine um 60% gesteigerte Investitionsquote für die Produktion, womit diese alternative Fördermethode laut den Analysten von Merrill Lynch deutlich weniger attraktiv wird. Hinzu kommt die Kürzung der OPEC-Förderquote um 520000 Barrel. Für den Zeitraum bis 2010 sind allenfalls stabile Preise zu erwarten.

Auf diesem Hintergrund werden agile Trader zwar weiterhin tagesaktuelle Schwankungen ausnutzen, aber defensive Anleger eher zu Kapitalschutzprodukten wie CPNCL oder WTIPP greifen. Ebenfalls in Betracht kommen Barrier Reverse Convertibles wie WTIGC oder WTIGA.

Neben den Kursrisiken haben diese Gold- und Rohölderivate auch Währungsrisiken. Neu sind die Emittentenrisiken, die gegenwärtig vom Markt bei US-Banken deutlich höher eingeschätzt werden als von europäischen Banken.