Der Goldpreis ist das fünfte Quartal in Folge gesunken. Das ist die längste Baisse seit fast 20 Jahren und hat dazu geführt, dass das Edelmetall seit Mitte 2014 über 15 Prozent an Wert verloren hat. Damals kostete eine Feinunze noch über 1300 Dollar, mittlerweile sind es wenig mehr als 1100 Dollar.

Der Preis von Silber hat sich ähnlich entwickelt: Ende Juni 2014 lag der Kurs bei rund 21 Dollar je Feinunze. Mittlerweile hat das Metall über 30 Prozent verloren, der Kurs liegt aktuell unter 15 Dollar. Dasselbe Bild zeigt sich bei Platin, Aluminium oder Kupfer. Alle Kurse sind gesunken, haben in 15 Monaten teilweise sogar fast die Hälfte des Wertes verloren.

Keine Trendwende

Eine Trendwende – oder gar eine Umkehr – ist nicht in Sicht. Zuletzt senkten die beiden US-Grossbanken Morgan Stanley und Citigroup ihre Prognosen für den Metallmarkt. Ein mögliches Aufwärtspotenzial, so die Banken, werde durch mindestens einen «äusseren Schock» eingegrenzt: den Beginn des Zinsanhebungszyklus in den USA, den Morgan Stanley und die Citigroup für Dezember erwarten. Denn steigen die Zinsen im Dollarraum, so steigen auch die Opportunitätskosten einer Edelmetallanlage, da Gold und Co. weder Dividenden noch Zinsen abwerfen.

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Für grosse Unsicherheit sorgt auch die Lage in den Schwellenländern, allen voran die Konjunkturabkühlung in China. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) haben erst kürzlich ihre Prognose für die Weltwirtschaft zurückgeschraubt. Investoren fürchten, dass die Abkühlung von langer Dauer sein und auf die Nachfrage drücken könnte.

Firmen unter Druck

Das langsame Schlachten der Metallpreise bringt nun auch Giganten ins Wanken: Der Zuger Bergbaukonzern Glencore kämpft beispielsweise gegen einen Ausverkauf seiner Aktien. Die Titel haben sich vom katastrophalen Wochenstart mit einem Kursrutsch von knapp 30 Prozent zwar erholt. An der Londoner Börse kostet eine Aktie wieder über 90 Penny und notiert knapp unter dem Wert vom Montag. Im Vergleich zu 2011 bleibt aber ein gewaltiges Minus. Damals kostete eine Aktie über 5 Pfund. Über 80 Prozent des Marktwertes haben sich seither in Luft aufgelöst.

2011 – das ist auch das Jahr, in dem der Goldpreis ein Allzeithoch erreichte. Damals kostete eine Feinunze fast 2000 Dollar. Damals kletterten auch die Kurse von Goldgesellschaften in unerreichte Höhen. Der FTSE-Gold-Mines-Index, der die zehn grössten Goldgesellschaften der Welt enthält, zählte vor vier Jahren knapp 4000 Punkte. Nunmehr sind es magere 840. Die Kurse der Minengesellschaften kamen damit noch viel stärker unter die Räder als der Goldpreis selbst.